Der geheime Ried-Stürmer

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Der geheime Ried-Stürmer

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Rafael Burgos ist 26 Jahre alt, Mittelstürmer und 39-facher Teamspieler von El Salvador.

Und er ist seit Sommer 2012 Spieler der SV Ried.

Aufgelaufen ist er für die Innviertler aber noch nie, er hat auch nie ein Training mit den Riedern absolviert. Das wird er auch nicht. Obwohl der Bundesliga-Klub noch ein halbes Jahr lang die Transferrechte auf den Zentralamerikaner besitzt.

Burgos soll noch in diesem Winter verkauft werden, die Ablösesumme auf den aktuellen Teamspieler ist festgeschrieben. In seiner Heimat war zuletzt der dänische Zweitligist HB Höge als möglicher Abnehmer im Gespräch.

Wahrscheinlicher scheint aber, dass Burgos in den USA unterkommt.

„Es gab zwei Ideen dahinter“

„Er war ein interessanter Mann. Es gab zwei Ideen hinter seiner Verpflichtung – eine wirtschaftliche und eine sportliche“, erinnert sich Ried-Manager Stefan Reiter an den Sommer 2012 zurück.

Ried sicherte sich damals die Transferrechte vom Hauptstadtklub Alianza FC und verlieh den Angreifer nach Ungarn zu Kecskemeti TE.

„Aus Erfahrungsgründen hole ich Spieler aus Südamerika oder Afrika nicht mehr direkt nach Ried. Ich will zuerst europäische Erfahrung sehen. Leider ist es nämlich so, dass Spieler aus Südamerika oder Afrika ihre Qualität in Europa nicht so umsetzen können. Das hat oft auch mit der Integration zu tun“, begründet Reiter den Schritt.

Schwach in Ungarn, schwach in den USA, stark daheim

Die Integration verlief allerdings nicht zufriedenstellend. Nach einem Jahr lieh ein weiterer ungarischer Klub, der Györi ETO FC, den Stürmer aus.

29 Spiele, sechs Tore und sieben Assists standen nach zwei Saisonen in Ungarn zu Buche. Zu wenig. Die sportliche Idee konnte also nicht realisiert werden. „Wenn er die Integration woanders geschafft hätte, hätten wir ihn zu uns geholt“, sagt Reiter. Doch Burgos fand sich in Europa nicht zurecht.

Auch sein letztes halbes Leihjahr in der US-amerikanischen NASL bei Minnesota war nicht gerade von Erfolg geprägt. Dabei ist Burgos in seiner Heimat immer noch eine große Nummer, funktioniert auch im Nationalteam sehr gut – 39 Länderspiele, 13 Tore.

Ein kleines Plus

„Es war kein Minusgeschäft, es war aber auch kein Geschäft“, schließt Reiter das Thema ab. Weil die Leihgebühren ein wenig höher waren als die Summe, die die Rieder ursprünglich investiert hatten, bleibt ein kleines Plus.

Es war nicht das einzige Mal, dass die Oberösterreicher einen Spieler unter Vertrag genommen haben, der nicht für ihre Mannschaft vorgesehen war. Man erinnere sich an Ola Kamara, der letztlich an die Austria verkauft wurde.

„Insgesamt waren es vier Spieler“, verrät Reiter. Nachsatz: „Kein einziger war ein Negativ-Geschäft, aber auch kein einziger – Kamara vielleicht ein bisschen – war ein großes Geschäft.“ Burgos ist der einzige dieser vier Kicker, der noch Ried gehört.

„Ich grenze das auf Europa ein“

Der SVR-Manager hat seine Lehren aus den Erfahrungen gezogen: „So etwas wie bei Burgos werde ich nicht mehr machen. Ich grenze das auf Europa ein. Wenn ich so eine Möglichkeit habe, einen Spieler ablösefrei zu verpflichten, wo ich schon vorher weiß, dass ich ihn sehr gut verleihen kann und sich das wirtschaftlich alles rechnet…“

Derzeit sei aber nicht in Planung, eine weitere derartige Investition zu tätigen. Und wenn doch, werden sie die Rieder abermals nicht öffentlich machen.

„Wir zwingen keinen Spieler“

„Es wird dir gleich etwas unterstellt. Fußball ist auch ein Geschäft. Wir müssen unseren Verein finanzieren. Und wenn ich eine legale Möglichkeit sehe, werde ich das wieder machen. Die Fußball-Öffentlichkeit interessiert gar nicht, wie sich ein Verein finanziert. Ganz im Gegenteil: Da wird sogar gefordert, dass man einkauft“, ärgert sich Reiter.

Der 54-Jährige weiter: „Wenn so etwas publik wird, wird einem sofort etwas Negatives unterstellt. Dann heißt es: Handel! Das ist es aber gar nicht. Es ist einfach nicht so gängig und deshalb für viele nicht verständlich. Wir zwingen keinen Spieler, sondern suchen mit ihm gemeinsam etwas – auch mit unseren Kontakten. Am Ende entscheidet der Spieler: Ja oder Nein. Die Entscheidung liegt immer beim Spieler. Wir haben nie irgendwen irgendwo hingeschickt.“

Harald Prantl

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