"Unter Druck wird es noch schwerer"

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Ungemütlich.

Mit einem gellenden Pfeifkonzert wurden die Spieler der Wiener Austria nach dem 0:0 gegen Aufsteiger Altach verabschiedet.

Als sich die Mannschaft für den bis auf die Schlussphase vorbildlichen Support bedanken wollte, hallte es  „Wir haben die Schnauze voll“ von der Ost-Tribüne.

Auch beim Abgang in die Katakomben gab es einige unschöne Wortmeldungen von aufgebrachten Anhängern in Richtung der Akteure.

"Fans" stören Training

Die Unmuts-Äußerungen fanden sogar am Sonntagvormittag ihre Fortsetzung, als ein Fan-Mob das Training der Kampf-Mannschaft aufsuchte.

Das in sozialen Netzwerken dargestellte Szenario von 40 – 50 teilweisen vermummten Personen, die ein Ultimatum stellten, entpuppte sich als übertrieben.

Wie LAOLA1 erfuhr, sollen ca. 30 Personen anwesend gewesen sein und durchaus normale Gespräche unter anderem mit Manuel Ortlechner geführt worden sein.

Der „Anführer“ dieser Gruppe hat sich danach sogar beim Austria-Kapitän telefonisch gemeldet und sich für die Aktion entschuldigt. Schlussendlich wolle man nur das Beste für den Klub.

Doch diese Ereignisse zeigen eindeutig: Die Enttäuschung über die dritte sieglose Partie in der noch jungen Saison steht allen ins Gesicht geschrieben.

"Haben zu kompliziert gespielt"

Dabei begannen die Wiener vor den Augen von Ex-Trainer Herbert Gager und Ex-Veilchen Roland Linz gegen die Vorarlberger stark, doch je länger die Partie dauerte, umso mehr Fehler passierten, umso lethargischer wirkte der Auftritt.

„Die Mannschaft hat versucht ein Tor zu schießen, aber zu viel in die Breite kombiniert, zu wenig in die Tiefe. Wir haben zu kompliziert gespielt. Bei der einen oder anderen Situation hat man gesehen, dass die Spieler den Druck spüren. Man wollte es dann mit aller Gewalt erzwingen, doch das funktioniert nicht“, erklärte Gerald Baumgartner.

Deshalb blieb man trotz aller Bemühungen über weite Strecken harmlos. „Wir tun uns einfach schwer, die Angriffsaktionen so fertig zu spielen, wie wir uns das vorstellen“, begründete der FAK-Chefcoach.

"Unter Druck wird es noch schwerer"

Laut Florian Mader würde „ein Tor den Knoten womöglich lösen, denn bisher sind wir immer nachgelaufen.“

Doch die jüngsten Negativerlebnisse haben sichtlich ihre Spuren hinterlassen. „Man macht sich selber Druck, weil man das Spiel unbedingt gewinnen will. Wenn die Zeit verrinnt und die Minuten weniger werden, steigt dieser Druck. Die Fans werden unzufrieden. Und unter Druck wird es noch schwerer, den entscheidenden Pass zu spielen“, erklärte der Tiroler, dem der Blick auf die Tabelle mit Platz acht gar nicht schmeckt.

„Was wir momentan leisten, ist zu wenig. Unser Anspruch ist ein ganz anderer. Doch damit müssen wir leben. Keinem von uns geht es gut damit. Wir machen uns sehr viele Gendanken, vielleicht auch zu viele. Jeder will den Turnaround schaffen“.

Die Mini-Krise

Alexander Gorgon empfand die aktuelle Lage sogar noch dramatischer. „Wir haben drei Runden gespielt und erst ein Tor erzielt. Das ist einer Austria nicht würdig. Mit Blick auf die Auslosung haben wir - bei allem Respekt für die Gegner - nicht die erwarteten Punkte geholt. Wir sind bei der Austria, da muss man schon von einer Mini-Krise sprechen.“

Kraetschmer versteht teilweise die Fans

"Sonst wird es nicht funktionieren"

Daher konnte der 42-Jährige die Reaktionen der Fans bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. „Es ist ihr gutes Recht, wenn sie ihren Unmut äußern. Der Austria-Fan ist sehr sensibel. Wenn die Leidenschaft und der Wille beim Team passen, verzeiht er, doch wenn das so wie bei einigen derzeit nicht zu sehen ist, geht es eben schnell in eine andere Richtung. Jeder einzelne Spieler muss sich hinterfragen. Wir wollen ein neues System einführen. Da sind 100 Prozent notwendig, sonst wird es nicht funktionieren.“

Allzu lange bleibt jedoch nicht mehr Zeit, um zu verhindern, dass das Pulverfass im 10. Wiener Gemeindebezirk explodiert.

Mit nur zwei Punkten hat man den schlechtesten Saisonstart seit 2006/07 hingelegt, nur ein erzieltes Tor hat es in der Bundesliga-Geschichte der Austria nach drei Runden noch nie gegeben.

Daher gilt: Gibt es am kommenden Samstag gegen Tabellenschlusslicht Wiener Neustadt keinen Dreier, wird es noch ungemütlicher werden.

 

Martin Wechtl

"Unser größtes Problem ist, dass wir es am Wochenende nicht auf dem Platz hinbekommen", monierte der 25-Jährige den Umstand, dass die von allen als gut empfundene Trainingsarbeit einfach nicht im Match umgesetzt wird.

„Was helfen gute Trainingsleistungen? Wir müssen am Wochenende die Leistung bringen, da zählt es, das ist der wichtigste Tag der Woche. Vielleicht müssen wir einmal im Training unter der Woche ungenauer sein, damit es am Spieltag klappt“, wirkte Mader schon etwas ratlos, obwohl ihm das neu installierte Spielsystem anspricht:

„Man sieht ja auch schon, dass es phasenweise funktioniert. Wir stehen zu 100 Prozent dahinter. Vielleicht hängt es mit dem fehlenden Erfolgserlebnis zusammen, damit uns der Knopf aufgeht und ein bisschen Leichtigkeit hineinkommt.“

Rückendeckung für Baumgartner

Ganz wichtig sei es, Ruhe zu bewahren. „Wir müssen da weiterarbeiten, wo wir angefangen haben. Es fehlt die letzte Konsequenz vor dem Tor, wir kombinieren zu viel anstatt den direkten Zug zum Tor zu suchen. Vereinzelt sieht man schon, dass wir gut Fußball spielen können. Wir müssen uns weiterhin alles hart erarbeiten“, appellierte Baumgartner.

Die  Vereinsführung steht (noch) voll hinter dem Salzburger. „Wir wollten diesen Neustart. Daher bekommt der Trainer die Zeit, die er noch braucht. Die Mannschaft wirkt momentan sehr verkrampft, daher kann sie nicht das zeigen, was man im Training einstudiert hat“, stellte AG-Vorstand Markus Kraetschmer unmissverständlich fest – mit dem Zusatz: „Es ist natürlich enttäuschend, was wir momentan am Platz zeigen.“

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