Prettenthaler und der PR-Berater

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"Wir geben ihm eine zweite Chance"

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Zuerst zur Gegenwart.

Mark Prettenthaler ist zurück in der Bundesliga und hat bei Kapfenberg einen Vertrag für diese Saison plus Option auf zwei weitere unterschrieben.

"Ich bin sehr zufrieden, wieder bei einem Bundesligisten zu spielen. Das war mein primäres Ziel. Ich denke, das kann eine ganz gute Zusammenarbeit werden“, schildert der Linksverteidiger gegenüber LAOLA1.

Für den Steirer ist es eine Rückkehr in die Böhlerstadt, 2005/06 spielte der heute 28-Jährige schon einmal für die „Falken“ – damals noch in der zweithöchsten Klasse.

„Prettenthaler war bei uns schon in der Ersten Liga eine Stütze, ist dann zu Sturm Graz gewechselt, wo er einige gute Spiele gemacht hat. Im Ausland hat es nicht so gut geklappt, aber zuletzt war er wieder am Weg zurück zu alter Stärke“, hält KSV-Präsident Erwin Fuchs fest.

„Paket ist für alle Seiten gut“

Der Neuzugang hat erst am Dienstag vom Interesse erfahren, dann ist alles sehr schnell gegangen.

„Es hat nicht großer Verhandlungen bedurft, das Paket passt und ist für alle Seiten gut.“

Nun zur Vergangenheit.

Selbstredend kommt jedem Fußball-Anhänger in diesem Kontext die „Causa Prettenthaler“ in den Sinn.

Der Linksfuß musste im Juni den Cupsieger aus Ried verlassen, der Vertrag wurde einvernehmlich aufgelöst. Der Grund dafür lag in der durch das Landesgericht Leoben ausgesprochenen Verurteilung wegen Körperverletzung.

Kurz nach Weihnachten hatte Prettenthaler in einer Disco in Schladming einer 21-jährigen Niederösterreicherin das Nasenbein gebrochen, beteuerte aber auch nach dem Urteils eine Unschuld.

Absprache mit PR-Berater

Noch will sich dieser weiterhin nicht ausführlich zu dem Vorfall äußern. Ein Statement dazu soll erarbeitet werden.

„Ich habe mich damit noch zu wenig befasst, weil es jetzt sehr schnell gegangen ist. Ich werde mich mit meinem PR-Berater absprechen und wir werden schauen, wie wir das Thema genau aufarbeiten. Ob und wie wir was sagen, das wird sich in den nächsten Tagen weisen.“

Für seinen neuen Arbeitgeber war diese Causa jedenfalls kein Hindernis für eine Verpflichtung.

„Nur weil einer so ein Image hat, kann ich ihn nicht auf ewig von seinem Beruf ausschließen. Wir geben ihm eine zweite Chance. Ich kann auch nichts Negatives über ihn sagen. Für mich ist er kein aggressiver Mensch, sonst hätten wir ihn nicht geholt. Aber ich hoffe, dass er aus der ganzen Geschichte gelernt hat“, hofft Fuchs, der sich über die „Disco-Affäre“ nachträglich erkundigte.

Geringe Sorgen

Prettenthaler musste sich generell nicht allzu viele Sorgen machen, dass er nicht bald einen neuen Arbeitgeber finden würde. Anfangs war die Situation aber problematisch.

„Der erste Monat war recht schwierig, da war aber auch die erste Transferperiode abgeschlossen. Jetzt hat dann die zweite Transferperiode begonnen, in der Vereine nachrüsten. Da hat sich dann schon einiges getan. Aber es war noch nicht das dabei, bei dem ich mich richtig wohl gefühlt hätte.“

In großer Sorge war Prettenthaler aber nie.

„Es war natürlich im Hinterkopf, dass einem die Zeit davonläuft. Auf der anderen Seite hätte ich schon auch früher zwei, drei Mal in die Erste Liga gehen können. Von da ist es aber immer schwierig, wieder raufzukommen. Im Nachhinein bin ich nun auch froh, dass ich gewartet habe.“

Unausgesprochenes Pacult-Lob

Neben der österreichischen zweiten, hätte es aber auch die deutsche vierte Liga werden können.

Prettenthaler spielte bei der Mannschaft von Ex-Rapid-Coach Peter Pacult vor, bei RB Leipzig.

„Sie haben mit Umut Kocin einen sehr guten Linksverteidiger und sie hätten nur dann einen Ausländer geholt, wenn es eine absolute Top-Verpflichtung ist. An dem ist es dann im Endeffekt gescheitert“, so der Ex-Augsburger, der sich über die Einladung Pacults naturgemäß freute.

„Man wird nicht irgendjemanden einladen, von dem man nicht überzeugt ist, dass er der Mannschaft helfen kann. Ich denke, dass er im Vorhinein eine gute Meinung hatte. Das ist schon irgendwo ein unausgesprochenes Lob.“

Aufgrund der jüngeren Vergangenheit muss sich Prettenthaler das ausgesprochene Lob wohl erst erarbeiten. Die Augen sind bei ihm aber sowieso in die Zukunft gerichtet.

 

Bernhard Kastler / Stephan Schwabl

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