Polster: "Der Admira-Weg ist der einzig leistbare!"

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Pünktlich um 9:30 Uhr schlug Toni Polster am Dienstag in der Südstadt ein neues Kapitel in seiner Trainer-Karriere auf.

Der 49-Jährige ist nach zwei Stationen im Fußball-Unterhaus in der Bundesliga angekommen.

Bei Fast-Absteiger Admira bekommt Polster seine erste Chance in der höchsten Spielklasse.

Telefonat mit Kühbauer

Schnell sei alles gegangen, lacht er, so schnell, dass gar keine Zeit für einen Urlaub mit Freundin Birgit, die ihn zum Dienstantritt in die Südstadt ebenso begleitet hat wie Manager Skender Fani, war.

„Meinen einzigen Urlaubstag habe ich am Montag im Zoo verbracht, wo wir uns die neue Baby-Giraffe angesehen haben.“

Tierisch ernst wird Polster, der vor seinem ersten Arbeitstag „richtig schlecht und wenig“ geschlafen hat, wenn es um die neue Aufgabe geht.

Mit Vorgänger Didi Kühbauer hat er telefoniert, um ihm zu sagen, dass er den Job annehmen wird.

„Ich weiß, dass ich in große Fußstapfen trete und ich würde seinen Weg gerne fortsetzen. Er hat mir viel Glück gewünscht“, erzählt Polster bei seiner ersten Pressekonferenz im bis auf den letzten Platz gefüllten Presseraum.

Eine Frage der Balance

Die Ziele für die neue Saison möchte der Rekord-Torschütze im ÖFB-Team mit der Mannschaft gemeinsam definieren. Klar ist: „Noch so eine Saison wie die letzte wünscht sich hier keiner!“

Um nicht wieder in den Abstiegsstrudel zu geraten, möchte er zunächst die Defensive stärken. „68 Gegentore waren zu viel, so kann man nicht erfolgreich sein.“

Eine gute Defensive schließe aber Offensiv-Fußball nicht aus, schickt Polster nach. „Wir wollen attraktiven Fußball spielen, weil der das Fundament für Siege ist. Es geht vor allem um die Balance, die muss passen.“

Also vier Tore gegen die Austria schießen wie in der letzten Spielzeit ja, aber keine sechs Gegentore kassieren.

"Fehler werden passieren!"

Mit welchem System er seine Mannschaft in die neue Saison schicken wird, weiß er noch nicht.

„Ich sage jetzt nicht: Wir spielen 4-4-2 und aus! Es muss harmonieren und zu den Spielern passen, da wollen wir gemeinsam eine Strategie entwickeln.“

Eine Grundvorstellung, wie das Spiel der Admira aussehen könnte, hat Polster aber bereits: „Wir wollen mit Herz und Leidenschaft auftreten, zäh wie Leder und schwer zu schlagen sein.“

Polster weiß, dass das nach den Abgängen zahlreicher Leistungsträger und Routiniers kein Leichtes wird. Und er weiß auch, dass Fehler passieren werden - den Spielern genauso wie auch ihm.

„Fehler dürfen, können und werden passieren. Aber wer nichts wagt, der macht auch keine Fehler.“

Bestandsaufnahme vor Transfers

Keine groben Fehler dürfen sich die Südstädter bei der Kader-Planung für die neue Saison erlauben. Wilfried Domoraud kam aus Mattersburg, Stephan Zwierschitz aus St. Pölten, Rene Schicker und Bernhard Fucik wurden zurückgeholt.

Auf welchen Positionen noch Handlungsbedarf besteht, darüber möchte sich Polster, der entgegen seiner Ankündigung in der Bundesliga gratis zu arbeiten natürlich ein Gehalt bekommt, in den nächsten Tagen ein Bild machen.

Und gemeinsam mit Co-Trainer Oliver Lederer, der von den Amateuren „befördert“ wurde, auch in der zweiten Mannschaft schauen, wem man eine Chance geben kann.

"Der einzig leistbare Weg!"

„Natürlich braucht man Erfahrung in einer Mannschaft, gerade wenn so viele junge Spieler dabei sind. Aber jung ist nicht gleich schlecht“, möchte und muss Polster den vom Verein vorgegebenen „Admira-Weg“ als Ausbildungsverein fortsetzen.

„Das ist der einzig leistbare Weg für uns. Aber das macht für mich den Reiz aus, denn gerade die jungen Spieler haben noch viel Luft nach oben und wir wollen sie weiterbringen.“

Und irgendwann vielleicht gewinnbringend verkaufen, wie einst Andreas Herzog oder Didi Kühbauer oder in der jüngeren Vergangenheit Erwin Hoffer, Marc Janko und Philipp Hosiner.

Admira hätte Vorzug bekommen

Apropos Austria: Dass es nach dem Abgang von Peter Stöger kein Angebot von den Violetten gab, hat Polster „nicht verwundert“.

Und wenn es eines gegeben hätte, hätte dennoch die Admira den Vorzug erhalten. „Es ist der beste Schritt für mich in der jetzigen Situation.“

Dass er die Trainer-Karriere erst spät und nach einem Job im Marketing von Borussia Mönchengladbach und einem verunglückten Manager-Gastspiel am Verteilerkreis eingeschlagen hat, bereut der zweifache Familienvater nicht.

Die andere Trainer-Karriere

„Ich bin meinen Weg gegangen und kann heute sagen, dass ich einen Klub mit allen Facetten führen kann. Aber das Trainer-Dasein ist meine Erfüllung!“

Auch die Jahre im Fußball-Unterhaus bei den LASK Amateuren und bei Stadtligist Wiener Viktoria („Da lernt man mit Schwierigkeiten umzugehen!“) möchte Polster nicht missen.

Aber so schön es auch war, eines möchte er nicht: Mit der Admira ins Fußball-Unterhaus!

 

Stephan Schwabl

 

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