Benes Pläne und Sturms Wege

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"Man kann noch viel machen, aber der Weg stimmt"

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Sturm Graz am Ende einer Umbruchsaison. Schon wieder. Große Ambitionen kamen mit der Rückkehr von Darko Milanic als Trainer nach Graz. Sie sollten in diesem Jahr nicht erfüllt werden.

Trotz Breidablik, der schwächsten Heimbilanz seit Einführung der Dreipunkte-Regel und dem Cup-Halbfinal-Aus gegen einen Zweitligisten will man Positives mitnehmen. Das heißt es nicht nur von der - im PR-Sprech geübten - Vereinsführung, sondern auch vom für seine klaren und direkten Worte geschätzten Benedikt Pliquett.

Er könne auch nicht anders, wie er im Gespräch mit LAOLA1 erklärt. "Ich kann auch aufzählen, was alles Scheiße war, aber das bringt ja nichts. Das macht einen nicht stärker", meint der Torhüter, dessen Vertrag sich nun durch das Ziehen der Option um ein Jahr verlängert hat. Vorerst. Denn sowohl der Verein, als auch er selbst haben in Graz gemeinsam noch etwas vor.

Missverständnisse wurden ausgeräumt

In den letzten Wochen deutete einiges darauf hin, dass der Deutsche, der innerhalb kürzester Zeit zu einem Fanliebling avancierte, in der Murmetrople bleiben wird. Das war nicht immer so. "Es wurde etwas gesagt, das dann missverstanden wurde. Noch dazu war das in einer Zeit, in der ich nicht gespielt habe", verweist Pliquett auf ein Interview, in welchem er dem Verein vorwarf, sich selbst oft im Weg zu stehen.

Nun hat man dieses Missverständnis ausgeräumt und setzt den gemeinsamen Weg fort. "Die Gespräche jetzt waren sehr positiv. Man will gerne mit mir verlängern", stellt der 29-Jährige klar.

Zum jetzigen Zeitpunkt hat man sich einmal auf die Option geeinigt. "Es geht um finanzielle Dinge, darauf muss ich in meinem Alter achten. Ich kenne das von St. Pauli. Auch dort war man nicht auf Rosen gebettet, was das Finanzielle betrifft. Dann habe ich gesagt, dass man es erstmal so lösen soll", meint Pliquett.

Verein strebt 2+1-Vertrag mit Pliquett an

Dem Hamburger ist aber genauso wichtig, wie man in der kommenden Saison aufgestellt ist: „Ich habe auch gesagt, dass man den Kader erst einmal fix machen soll und man dann weiterreden kann. Solange ich hier bin, will ich ja auch mit einer möglichst schlagkräftigen Truppe an den Start gehen."

Heißt im Klartext, dass - sollten die Voraussetzungen gegeben sein - noch vor Beginn der nächsten Saison ein neues Vertragspapier unterschrieben wird. "Mir wurde gesagt, dass sie gerne um zwei Jahre mit einem Jahr Option verlängern wollen", klärt der 2-Meter-Hüne auf.

Noch im März waren seine Worte im Bezug auf den Verein sehr kritisch. Seither habe sich etwas getan. "Es hat sich definitiv etwas geändert. Ein Beispiel ist der Zustand der Plätze. Hier habe ich diverse Gespräche geführt und jetzt sind sie in einem deutlich besseren Zustand. Da hat man ein bisschen umgedacht", findet Pliquett.

"Sturm ist ein Aushängeschild für die Stadt"

Ein Umdenken wäre seiner Meinung nach etwa auch im Bezug auf das Stadion angebracht. Nicht zuletzt trägt auch der Zustand der UPC-Arena und das Stadionerlebnis im Allgemeinen seinen Teil zur besonders im vergangenen Herbst stärker gewordenen Tristesse bei Bundesligaspielen in Graz-Liebenau bei.

"Solange das Stadion nicht dem Verein gehört und er kein Mitgestaltungsrecht hat, kann man nichts machen. Wenn sich die Fans bei St. Pauli am Nachmittag treffen und Lust haben, das Stadion anzumalen, dann können die das machen. Das ist eben der Unterschied", sieht Pliquett klar die Stadt in der Pflicht.

"Ich bin zwar nicht hundertprozentig in dier Materie drin, aber ich finde, dass Sturm Graz ein Aushängeschild für die Stadt Graz ist. Ich kannte den Verein auch davor und wusste, dass er international vertreten ist. Da ist die Stadt Graz gefragt und sollte mehr daran interessiert sein, in den ein oder anderen Situationen unter die Arme zu greifen, auch was die Identifikation des Vereins mit dem Stadion angeht. Auf lange Sicht wird das Stadion ja nur von uns genutzt werden", sieht er keine Gründe, warum Stadt und Klub nicht stärker zusammenarbeiten sollten.

Baustelle Innenverteidigung

Im Hinblick auf die Mannschaft würden die Pläne seinen Vorstellungen entsprechen: "Der Weg, wie man den neuen Kader plant, ist ein ausschlaggebender Punkt. Da hat man den richtigen Weg für die Zukunft eingeschlagen."

Und wie sieht dieser aus? "Offen ist natürlich noch die Innenverteidigerposition, wobei da jetzt schon ein Spieler verpflichtet worden ist. Außerdem besitzt Andreas Pfingstner für mich großes Potenzial. Gerade in seiner Verletzungszeit hat er sehr an seinem Körper gearbeitet. Dazu klappt das vielleicht mit Vuja (Nikola Vujadinovic, Anm.) oder mit Michi (Madl, Anm.) oder mit beiden", hält Pliquett nur unmittelbar vor sich große personelle Umstellungen für notwendig.

Nikola Vujadinovic - laut Pliquett ein 'bumsfeiner' Kerl

Gerade ein Abgang von Abwehrchef Vujadinovic könnte die Mannschaft schwächen. Dem Montenegriner liegen Angebote von Klubs vor, die deutlich mehr zahlen können als Sturm. Doch auch er fühlt sich in Graz wohl.

Verständnis für Vujadinovic

"Ich kann ihn verstehen und war beziehungsweise bin in einer ähnlichen Situation. Auch er weiß, was er an diesem Verein hat und wie sein Standing ist. Es gibt immer ein Risiko, wenn du woanders hingehst. Auch dort musst du dich erst einmal beweisen. Es ist gleichzeitig auch schön, wenn man hier etwas geleistet hat und etwas aufbauen kann", schildert Pliquett die Situation seines Teamkollegen, den er sehr schätzt.

"Klar würde ich mich freuen, wenn er bleiben würde. Wir haben viele Schlachten zusammen geschlagen und es hat immer Spaß gemacht mit ihm. Abgesehen davon ist er ein 'bumsfeiner' Kerl", schwärmt der Hamburger Jung. 

Bei den anderen Mannschaftsteilen sieht er keinen dringenden Handlungsbedarf. "Mit der Mannschaft, die sonst auf dem Papier steht, haben wir zuletzt sehr erfolgreich gespielt. Wir sind, wenn man sich die Frühjahrstabelle ansieht, Dritter geworden, auch wenn der Start extrem zäh war", lässt sich der Sturm-Goalie die Saison nicht ganz schlecht reden.

Mentale und spielerische Schritte

Wichtig war für ihn zu sehen, sich auch mental weiterenwtickelt zu haben: "Beim Pokal-Halbfinale haben wir nicht das abgerufen, was in uns steckt - warum auch immer. Aber dann vier Tage später in Wien so aufzutreten - das sind Dinge, die mich extrem positiv stimmen." 

Auch der angepasste Spielstil würde seinen Teil dazu beitragen. "Im Winter haben wir noch versucht hinten herauszuspielen, auch als Torhüter. Da hat man dann ein bisschen etwas umgestellt. Red Bull Salzburg macht das beispielsweise auch so, nur sind die eben sehr kompakt und wir haben versucht, das zu übernehmen und die zweiten Bälle zu bekommen. Das hat auch größtenteils wirklich gut funktioniert", sagt Pliquett.

Dazu wäre auch aus dem Nachwuchs das richtige Spielermaterial vorhanden. "Wir haben einige Talente in unseren Reihen mit Kainz, Schloffer oder Schmerböck. Ich kann den Leuten nur raten, dass sie der Mannschaft eine Chance geben und uns weiter so toll unterstützen, wie sie das ohnehin schon zu 99 Prozent in dieser Saison gemacht haben. Dann haben wir eine große Chance, Erfolge zu haben", richtet er sich an die Sturm-Anhänger, die in der abgelaufenen Saison selten in der gewünschten Anzahl den Weg ins Stadion gefunden haben.

Vorbild für den Nachwuchs

Er selbst ist gleichzeitig darum bemüht, als Vorbild für den Nachwuchs aufzutreten. "Mir sind einige Dinge aufgefallen und ich habe das auch offen und ehrlich angesprochen. Egal, ob das jetzt die Jungs sind, die merken, dass es einem hilft, wenn man nach dem Training zwei Mal die Woche noch einmal im Kraftraum ist und dort Gas gibt. Oder auch, dass man einmal früher zum Training kommen kann, und so weiter. Da kann man noch viel machen, aber der Weg stimmt." 

Bevor Pliquett seinen Weg in Graz weitergeht, ist erst einmal Durchschnaufen angesagt: "Das verstehen ja viele nicht, die nicht selbst Fußball gespielt haben, aber was ab Montag mit mir los war, das kenne ich selbst nicht. Wie der ganze Druck abgefallen ist und die Spannung nachgelassen hat - da ist es wirklich schön, jetzt Pause machen zu können."

Pause heißt konkret ein Besuch in der Heimat. "Am Sonntag werde ich in Hamburg mit meinen Jungs das Relegations-Rückspiel des HSV ansehen und dann auf Urlaub fahren", schildert der Routinier seine Pläne.

Am 9. Juni geht es dann in Graz wieder los. Und zwar, so hofft Pliquett, mit dem Start in eine Aufbruch- und keine Umbruchsaison.

 

Andreas Terler

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