"Ich war ausgehungert"

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"Viele Trainer würden sich alle Finger abschlecken"

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Die Wuchteln brachte Peter Schöttel von Wien nach Grödig mit.

Der neue Trainer des SV Grödig zeigte sich bestens gelaunt und sorgte bei seiner Antritts-Pressekonferenz immer wieder für Lacher. „Du mischt dich eh nicht ein, oder? Nein? Passt, die Kameras haben das alle aufgezeichnet“, scherzt der Wiener mit seinem Chef Christian Haas.

Der 48-Jährige zeigte sich vor seinem persönlichen Neustart völlig gelöst. Zwei Jahre nach seinem Aus bei Rapid ist der 63-fache Internationale wieder am Platz – und hörbar glücklich darüber.

„Die Pause war viel zu lange“

„Ich bin froh, wieder im Bundesliga-Fußball Fuß zu fassen. Die Pause war viel zu lange, die tägliche Arbeit mit der Mannschaft ging mir ab. Ich war ausgehungert“, gibt der Wiener Einblick.

Für den Rekordspieler der Grün-Weißen aus Hütteldorf ist es nicht nur sportlich eine Herausforderung, sondern auch als Person. „Ich bin erstmals auf Wohnungssuche, komme mir vor wie ein 19-Jähriger“, grinst Schöttel, der bislang nur in Wien und im Umkreis lebte und arbeitete.

An ein Engagement bei Grödig dachte der frühere Verteidiger vor wenigen Wochen noch nicht.

„Es kam für mich sehr überraschend, dass hier ein neuer Trainer gesucht werden würde“, so Schöttel, der Haas fast schicksalsträchtig näher kennenlernte. Als „Sky“-Experte bewarb er sich für die Grödiger Nachtragsspiele am Mittwoch. Da hatte man dann vor Ort genügend Zeit zu reden.

Schicksalsträchtiges Zueinanderfinden

„Bis vor drei Monaten hatte ich Christian nur vor der Kamera gekannt, so lernten wir uns auch dahinter kennen“, schildert Schöttel, der seinem Boss ein Lob ausspricht. „Er ist beliebt und der Umbruch ist auch ein Zeugnis für die sportliche Führung, wenn Spieler etwa zu Rapid gehen.“

Apropos Rapid. Dort wurde die Trainer-Arbeit Schöttels unterbrochen, endete mit einer 0:1-Heimniederlage gegen den Regionalligisten und späteren Cupsieger FC Pasching. Zuvor erarbeitete sich Schöttel diesen Job durch zwei Jahre beim SC Wiener Neustadt.

In der für ihn zu langen Pause war der Coach, der für zwei Jahre in Grödig unterschrieben hat, bei mehreren Klubs im Gespräch. Konkret auch bei Sturm, wo es damals „nicht zu 100 Prozent passte“.

Das ruhige Umfeld ein Vorteil für Schöttel

Es hat den Anschein, das ruhigere Umfeld würde ihm einfach mehr behagen.

„Der Eindruck stimmt, ich weiß noch, wie ich mich in Wiener Neustadt einfach sehr wohlgefühlt habe. Der Druck ist natürlich etwas anderes, aber der wichtigste ist der Druck, den ich mir auflege. Für die tägliche Arbeit ist ein kleinerer Verein natürlich von Vorteil, wenn nicht alle rundherum meinen, sich einmischen zu müssen“, hält Schöttel, der Martin Hiden als Co-Trainer hat, fest.

Die Herausforderung ist freilich auch in Grödig eine große, haben doch viele Stammspieler den Verein verlassen. „Die Frage wird sein, wie schnell finden wir zusammen. Wenn wir das rasch tun, werden wir eine gute Saison spielen“, so Schöttel, der am Mittwoch sein erstes Training leitet.

„Ich freue mich auf die Aufgabe, weil es neue Chance ist. Ich habe bei Wiener Neustadt und Rapid bewiesen, dass ich mich mit der Entwicklung und Förderung von Spielern identifizieren kann.“

Als Medienfachmann, der er in den vergangenen beiden Jahren geworden ist, prescht Schöttel nicht mit konkreten Zielen vor: „Ich spreche von keiner Platzierung, das habe ich gelernt. Spielerisch ist Grödig bekannt für schnelles Umschalten, mit dem entsprechenden Personal wollen wir das beibehalten. Obwohl schnelles Umschalten viel betont wird, das hat es auch früher gegeben. Wir sollen variabel sein, mehrere Dinge können. Gegen Salzburg ist es anders als gegen die Admira.“

„Grödig eine tolle Adresse“

Roman Wallner spielte schon für diese beiden Klubs und wird nach seinem Aus unter Ex-Coach Michael Baur wieder begnadigt. „Ich kenne ihn noch aus meiner aktiven Zeit und er kann der Mannschaft helfen, davon bin ich überzeugt. Wir werden alles besprechen und aufarbeiten.“

Nicht nur auf Wallner freut sich Schöttel schon, sondern natürlich auch, den Rest des Teams kennenzulernen: „Wir werden eine interessante Mannschaft haben.“

Unkenrufen, sich Grödig anzutun, widerspricht Schöttel: „Es gibt viele Trainer, die sich alle Finger abschlecken würden, hier zu arbeiten. Grödig ist eine tolle Adresse, sportlich wie wirtschaftlich - und ist damit zurecht in der obersten Liga, was andere Klubs gerne sein würden.“

Und am Ende kam die Freude auf den Job noch einmal durch: „Es geht raus aus der Komfortzone, wieder Angriffsfläche für Fans und Medien zu sein. Ich war bis auf Präsident in einem Klub fast schon alles. Trainer zu sein ist das spannendste. Es ist gut, dass das Warten ein Ende hat.“

Bernhard Kastler

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