Payer: "Keine Rakete schießt immer nur gerade hinaus"

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Es ist die Woche der Abschiede.

Am Dienstag vermeldete Christopher Dibon seinen Abgang von der Admira, am Donnerstag trennte sich Sturm nach 15 Jahren von Franco Foda und am Freitag wurde das nächste Ende einer Ära publik.

Nach 21 Jahren im Nachwuchs- und Profibereich hat Tormann Helge Payer seinen Abschied von seinem Herzensklub Rapid bekanntgegeben. Sein Vertrag läuft Ende Mai aus.

Payer verabschiedet sich

Vor zehn Tagen fand diesbezüglich eine Gesprächsrunde statt: Neben dem 31-Jährigen nahmen Trainer Peter Schöttel, Sportmanager Stefan Ebner und Payers Spielerberater daran teil.

„Wir haben uns entschieden, die jahrelang sehr erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Helge Payer und dem SK Rapid nicht fortzuführen“, verkündete Schöttel am Freitag auf einer Pressekonferenz.

Eine, die für das Thema „301. Derby“ vorgesehen war und letztlich einen anderen Fokus hatte. Auch weil es alle Beteiligten in die Öffentlichkeit tragen wollten.

Die Entscheidung kam allerdings nicht überraschend, war Payer seit Herbst nur noch Ersatzmann.

„Wir haben uns das in aller Ruhe überlegt und sind beide zum selben Ergebnis gekommen, dass es wohl das Beste wäre, wenn Helge sich eine neue Herausforderung sucht. Das will er auch, Helge ist nicht fußballmüde und will noch einige Jahre auf höchstem Niveau spielen“, so der Rapid-Coach, der Payer seit 20 Jahren kennt: „Da war ich Co-Trainer der U14. Da hat es schon so einen kleinen, talentierten Torhüter gegeben, den sein Vater eingeschossen hat.“

Ab sofort nicht mehr im Training

Payer, der sich gut gelaunt zeigte, wird auf eigenen Wunsch ab sofort nicht mehr bei Rapid trainieren. Um sich auszukurieren und sich dann gezielt auf die neue Aufgabe vorbereiten zu können.

Wo das sein wird, ist noch offen. Ein Abschiedsspiel wird es wohl im Sommer geben (Schöttel: „An so etwas ist natürlich gedacht“), eine Rückkehr zu Rapid in der zweiten Karriere de facto sicher.

Der 253-fache Bundesliga-Spieler, der ob seiner menschlichen Art allseits geschätzt wird, hatte zu seinem Abschied natürlich vieles zu sagen. LAOLA1 hörte erste Reihe fußfrei zu:

Helge Payer über…

…seinen Abschied

Die Entscheidung ist mir natürlich nicht sehr leicht gefallen. Die Gespräche mit Peter Schöttel waren ausschlaggebend, da möchte ich mich auch für die großartige Zusammenarbeit bedanken. Ich sehe ihn nicht nur als Trainer, sondern auch als Wegbegleiter über viele Jahre. Wir sind schon im Sommer zusammengesessen, wo er mir sagte, dass Rapid wahrscheinlich einen Tormann holen muss. Ich meinte daraufhin: „Das würde ich an deiner Stelle auch tun. Denn wenn irgendetwas passiert, wird das für Rapid zu wenig sein.“ In unserem letzten Gespräch vor ein paar Wochen, wo es um meine Zukunft ging, hat er zu mir gesagt: „Das einzige, was mich an meiner Spielerkarriere „gestört“ hat, ist, dass ich immer beim selben Verein war.“ Das hat er nicht negativ gemeint, es ging einfach um die Kontakte für die spätere Zukunft, wenn man Trainer wird oder verschiedene Aufgaben bewältigen will. Denn wenn man nur bei einem Verein ist, kriegt man einen kleinen Tunnelblick. Deswegen habe ich schon vor drei, vier Monaten gesagt, dass ich einfach den Schritt ins Unbekannte wagen möchte. Ich hätte schon 2005 gute Möglichkeiten gehabt, ins Ausland zu gehen. Das habe ich aber nicht gemacht, weil mir der Weg weg von Rapid immer sehr schwer gefallen ist, weil er mein Herzensklub ist. Ich war als Fünfjähriger erstmals im Hanappi-Stadion und da hat Rapid die Austria 6:3 geschlagen. Seitdem wollte ich immer dort spielen. Bei meinem ersten Training bei Eintracht Wels hat mir ein Spieler die Milchzähne rausgeschossen und der Trainer fragte mich: „Du bist aber schnell. Was willst denn einmal erreichen?“ Meine Antwort: „Ich will einmal bei Rapid im Tor spielen.“ Das waren alles Sachen, die mich geprägt haben. Deswegen ist es mir schwer gefallen, von Rapid wegzugehen. Jetzt ist aber ein guter Zeitpunkt, mein Vertrag läuft aus und Rapid ist im Tor ganz gut aufgestellt. Ich habe mit vielen darüber gesprochen, denn Rapid ist eine Familie und die liegt mir am Herzen.

…den Wunsch, sich alleine auf die neue Saison vorzubereiten:

Ich hatte eine Nebenhöhleneiterung: Nasennebenhöhlen, Kieferhöhlen, alles war vereitert. Das hat schon seine drei, vier Wochen gedauert. Jetzt ist es einfach so, dass die Saison nur noch wenige Wochen dauert und ich der Mannschaft nicht mehr als hundertprozentig fitter Tormann helfen kann. Ich hatte in den elf, zwölf Jahren, wo ich hier Nummer eins war, im Sommer nie mehr als zweieinhalb Wochen Zeit, mich zu erholen oder auf eine neue Aufgabe vorzubereiten. Deswegen habe ich auch den Trainer und den Verein gebeten, mir jetzt schon die Auszeit zu geben, dass ich quasi den Urlaub genießen und mich im Mai auf die neue Aufgabe vorbereiten kann.

…seinen körperlichen Zustand

So fit wie in den vergangenen Monaten war ich eigentlich noch nie bei Rapid, das kann der Trainer, glaube ich, bestätigen. Es waren natürlich kleine Wehwehchen dabei, wie etwa der Darm-Pilz. Da habe ich eine strenge Diät gehalten. Wenn man so eine macht und dennoch weiter trainiert, dann ist man natürlich für Kleinigkeiten anfällig, weil der Körper geschwächt ist. Das war jetzt der Fall. Aber ansonsten hat das etwa überhaupt nichts mit der Thrombose (vor der EURO 2008, Anm.) zu tun. Es ist ja auch lange kursiert, dass ich mich nicht mehr in Zweikämpfe traue. Wieso sollte ich mich nicht trauen? Ich habe damals sechs Monate blutverdünnende Mittel nehmen müssen, da durfte ich in keinen Zweikampf gehen, weil ich Bluter war. Danach, als ich nicht mehr Bluter war, war ich so wie vorher. Natürlich hat es dann Höhen wie Tiefen gegeben, das hat aber nichts mit der Krankheit damals zu tun. Keine Rakete schießt immer nur gerade hinaus, es gibt eben immer wieder Ups and Downs.

…seine nächste Station

Jetzt fahre ich einmal in eine Therme, dann schauen wir weiter (grinst). Nein, ich möchte mich einmal erholen. Es gibt bereits drei bis vier sehr interessante Anfragen, aber das ist alles noch sehr weit weg. Ich konzentriere mich hauptsächlich auf das Ausland. Meine Tochter ist jetzt eineinhalb Jahre alt, eine neue Sprache, eine neue Herausforderung würden mir schon ganz gut tun. Ich bin für alles offen, schließe überhaupt nichts aus – auch nicht Österreich. Ich suche eine Herausforderung, wo ich helfen und meine Qualität einbringen kann. Ich horche mir alles an, es müssen das Konzept und das Rundherum passen.

…seine Präferenzen im Ausland

Wenn ich es mir aussuchen könnte, wären es wohl Frankreich und Belgien, da wir dort familiär angesiedelt sind (Payers Gattin ist Belgierin, Anm). Aber das ist kein Wunschkonzert. Alles mit dem ich mich identifizieren kann, das kann ich mir vorstellen. Egal, ob erste oder zweite Liga. Ich bin mir aber sicher, ein Premier-League-Klub wird den Rapid-Ersatztormann nicht verpflichten.

…ein mögliches Karriereende bei ausbleibendem passendem Angebot eines anderen Klubs

Schauen wir. Vorrangiges Ziel ist, wo zu spielen. Es gibt aber viele Dinge im Rundherum, die mich jetzt auch schon interessieren. Ich habe nebenbei seit 2006 meine Torwartschule aufgebaut, die auch schon im Ausland Anklang gefunden hat. Das ist ein Ziel von mir, das einmal als internationales Unternehmen durchzusetzen. Trotzdem will ich jetzt noch spielen.

…eine spätere Rückkehr zu Rapid

Wir haben über diese Dinge schon geplaudert, da möchte ich aber nicht vogreifen. Denn ich will jetzt noch spielen, schauen wir, was im Sommer kommt. Aber von Rapid ist schon ein Angebot da, mich in den Verein einzubinden. Das ist noch nicht spruchreif, da habe ich vorher noch andere Dinge vor. Aber einmal Stadionsprecher zu werden, wäre mein größtes Ziel, denn Andy Marek (in der ersten Reihe sitzend, Anm.) ist seit Jahren mein Vorbild (grinst).

…über seine überraschende Leichtigkeit des Seins während der Pressekonferenz

Ich bin schon sehr wehmütig, bin aber auch der Typ, der das mit dem Humor überspielt. Es tut mir natürlich schon sehr weh, den Verein zu verlassen. Aber ich weiß, dass ich zurückkommen werde, deswegen sehe ich es auch als Herausforderung, mich weiterzuentwickeln und das in späteren Jahren bei Rapid wieder einzubringen. Ich bin quasi jetzt auf Ausbildung.

…über den ersten konkreten Gedanken, Rapid zu verlassen

Es waren vergangene Saison mit Standard Lüttich und Seattle Sounders schon Anfragen da, die mich interessiert haben. Da wusste ich aber, dass ich ab Frühjahr wieder spielen würde. Ich habe geglaubt, Rapid den Stempel wieder aufdrücken zu können, wie früher. Das hat dann aus mehreren Gründen nicht funktioniert. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich schon 21 Jahre hier bin, man ein wenig betriebsblind wird und man sich mit vielen Dingen beschäftigt, die einen selber wenig angehen – man zu wenig auf seine eigene Leistung schaut. Da habe ich in der Vergangenheit sicher einige Fehler gemacht. Deswegen möchte ich jetzt einmal einen Schritt wohin machen, wo mich keiner kennt und ich mit meinen Stärken punkten kann. Weil bei Rapid war es nicht mehr einfach, meine Stärken auszuspielen. Jeder hat sie gekannt, es haben viele nur noch die Schwächen gesehen. Das ist jetzt kein Vorwurf. Aber die, die sehr lange wo sind, werden am ehesten kritisiert. Wenn sie gut spielen, ist das normal, wenn nicht, dann kriegen sie einen auf den Deckel.

…das Verständnis für Schöttel im Nachhinein, ihn auf die Bank zu setzen

Ich habe ihm gesagt, ich hätte es an seiner Stelle nicht anders gemacht. Weil ich mit meiner Körpersprache und Leistung nicht zufrieden war. Als Trainer hätte ich es nicht anders gemacht, als Sportler bist du natürlich heiß und beleidigt. Wir haben aber ein kollegiales und freundschaftliches Verhältnis, ich habe es akzeptiert und meine Person in den Dienst der Mannschaft zu stellen versucht. Das habe ich auch gemacht, weil mir „Mission 33“ (Meistertitel, Anm.) mehr am Herzen gelegen ist, als ob ich spiele oder nicht.

…seinen abschließenden Wunsch seiner Rapid-Ära

Mein größter Wunsch ist, dass ich vorläufig mit einem dritten Meistertitel gehe. Wenn der in Erfüllung gehen würde, wäre es unglaublich. Darüber würde ich mich riesig freuen.

 

Bernhard Kastler

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