Eine (un)erträgliche Situation

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“Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust“

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Die Wiener Austria steuert auf den 24. Meistertitel der Vereinsgeschichte zu. Daran ändert auch das 0:4 gegen den WAC am vergangenen Wochenende nichts.

Trotz der höchsten Heimpleite seit 1997 beträgt der Vorsprung auf Verfolger RB Salzburg sieben Punkte.

Acht Runden stehen noch aus.

Acht Spieltage, in denen – sofern keine Verletzungen passieren – Pascal Grünwald keine wesentliche Rolle übernehmen wird.

Lediglich einen einzigen Einsatz hat der Torhüter in dieser Saison zu verbuchen – am 14. Juli 2012 beim 3:1 in Oberwart in der ersten Runde des ÖFB-Cups. Seither pendelt der 30-Jährige zwischen Ersatzbank und Tribüne.

„Es gibt schönere Dinge“

Eine unbefriedigende Situation. Einzig die Aussicht auf den Meisterteller macht die Lage erträglich. “Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits freue ich mich für meine Kollegen, dass es so gut rennt – das haben wir letzte Saison anders erlebt. Deswegen ist es umso schöner, eine bisher so überragende Saison zu spielen.“

„Für mich persönlich läuft es natürlich überhaupt nicht zufriedenstellend, weil ich nicht zum Einsatz komme. Das brauche ich aber niemandem näher erklären. Jeder, der Fußball spielt, weiß, dass es schönere Dinge gibt, als Spiele von außen zu beobachten“, meint Grünwald im Gespräch mit LAOLA1.

Wenngleich die Aussicht auf eine Verbesserung der Umstände alles andere als rosig ist, lässt sich der Innsbrucker nicht hängen.

Der Glaube an die eigene Stärke

„Es bringt nichts, wenn man aufsteckt oder weniger Gas gibt. Ich versuche die fehlende Spielpraxis zu kompensieren, indem ich noch mehr trainiere und viel selber mache. Wenn ich nicht aufgestellt bin, bin ich nicht aufgestellt. Dafür gibt es Verantwortliche. Und unsere Ergebnisse zeigen, dass sie mit ihrer Wahl meistens richtig liegen.“

„Natürlich probiere ich, mich im Training anzubieten, wobei es aufgrund unseres Laufs sehr schwierig ist. Wichtig ist, dass ich voll fit bin, sollte etwas sein und ich gebraucht werde.“

Nach einer Serie von Verletzungen (Leisten-OP, Schulterverletzung, Rückenprobleme…) ist wenigstens das Vertrauen in den eigenen Körper zurückgekehrt. „Es stimmt mich positiv, dass ich körperlich topfit bin“, so der Austria-Goalie.

Abschied im Sommer?

Zudem ist der Glaube an die eigene Stärke ungebrochen. “Ich weiß, was ich kann und habe schon mehrmals beweisen, dass ich ein guter Tormann bin. Ich werde weiter hart arbeiten, damit ich in Zukunft Woche für Woche zeigen kann, was in mir steckt.“

Wo dies sein wird, ist jedoch offen. Eine weitere Saison auf der Bank wird sich der dreifache Internationale wohl nicht antun. Zwar läuft sein Vertrag in Wien-Favoriten noch bis Sommer 2014, ein Abschied nach diesem Spieljahr ist jedoch wahrscheinlich – vor allem, wenn man bei seinen Aussagen zwischen den Zeilen liest. „Jetzt schauen wir, dass wir die Meisterschaft endgültig eintüten. Dann kommt sowieso der Sommer. Dann wird man schauen, wie es weitergeht.“

In der Winterpause hat es bereits zwei Anfragen gegeben, doch ein Wechsel kam nicht zustande. „Es hat schlussendlich nicht gepasst“, so der Ex-Wacker-Schlussmann – mit dem Zusatz: „Es gibt sicher schlimmere Situationen als bei der Austria zu sein.“

Hoffen mit Wacker

Nicht als schlimm, aber als sehr heikel bezeichnet der Schlussmann den Zustand bei seinem Herzensklub Wacker Innsbruck. Grünwald hofft, dass seine Landsleute den Abstieg verhindern. „Ich bin mit Innsbruck aufgewachsen, war als Kind im Stadion und habe alle Nachwuchsmannschaften durchlaufen. Ich habe dort noch sehr viele Freunde. Nicht nur im Verein, sondern auch im Umfeld. Jeder Tiroler hofft auf den Klassenerhalt.“

Eine Rückkehr ins heilige Land sei irgendwann vorstellbar. Als Nachfolger von Szablocs Safar, dessen Vertrag beim FC Wacker mit Saisonende ausläuft und noch nicht verlängert wurde, will sich Grünwald aber nicht ins Spiel bringen.

„Wacker hat mit Safar einen sehr, sehr guten Tormann und ich hoffe, dass er noch mithilft, dass sie in der Bundesliga bleiben. Es wäre sehr schade, wenn so ein Verein absteigen müsste. Ich wünsche Safi und dem ganzen Klub alles Gute.“

Martin Wechtl

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