"Fans pfeifen, weil sie nicht wissen, was gelaufen ist"

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Wie schnell sich die Zeiten ändern können.

Vor ein paar Jahren war Rubin Okotie in Wien-Favoriten noch ein gefeierter Mann. Der Stürmer galt als absoluter Publikumsliebling, sein Gesicht zierte als Testimonial unzählige violette Werbekampagnen.

Auch eine schwere Knieverletzung im September 2009, die ihm die komplette Saison kostete, konnte seiner Beliebtheit nichts anhaben.

Die Fans fieberten seiner Rückkehr entgegen. Doch dazu kam es nicht mehr. Sein Vertrag lief im Sommer 2010 aus, eine Verlängerung kam nicht zustande.

„Es war schon ein bisschen komisch“

Es folgte der Wechsel zum 1. FC Nürnberg und über die Station St. Truiden im Winter 2012 das Engagement bei Sturm Graz.

Am vergangenen Wochenende spielte der Sohn einer Österreicherin und eines Nigerianers erstmals in seiner Karriere gegen seine Wiener Austria.

„Es war schon ein bisschen komisch“, gesteht Okotie im Gespräch mit LAOLA1 das Gefühl, wenn man plötzlich als Gegner in der Generali-Arena aufläuft.

Das erwartete Pfeifkonzert

Das gellende Pfeifkonzert bei seiner Einwechslung in der 66. Minute sei zu erwarten gewesen. „Die Pfiffe haben nicht wehgetan, weil ich damit schon gerechnet habe. Die Fans pfeifen, weil sie nicht wissen, wie mein Abgang wirklich abgelaufen ist. Deswegen stört es mich nicht. Es ist nicht schön, aber so ist das Geschäft.“

Die Möglichkeit reinen Tisch zu machen, lässt der 24-Jährige aber aus, er nennt keine genaueren Details über seinen Abschied. Nur soviel: „Es wurden viele Dinge falsch dargestellt. Ich wurde in ein falsches Licht gerückt. Die Wahrheit sieht jedoch anders aus.“

Falsche Tatsachen

Dass Gerücht, er habe bereits einen Vorvertrag bei Red Bull Salzburg unterschrieben, sei noch eines der harmloseren Dinge gewesen.

Die bei den Austria-Fans aufgekommene Abneigung seiner Person gegenüber sei auch eine Art Wertschätzung.

„Wenn sie dich sehr lieben, kann es schnell in Hass umschlagen. Doch nochmals: Das ist eben nur passiert, weil falsche Tatsachen verbreitet wurden. Es ist schon lange her, jetzt möchte ich nur noch in die Zukunft blicken.“

Kein optimaler Start bei Sturm

Und seine Zukunft heißt eben nicht mehr Austria, sondern Sturm. Bei den „Blackys“ läuft es für den vierfachen ÖFB-Teamspieler jedoch noch nicht nach Wunsch.

„Es war kein optimaler Start. Ich war schon zweimal krank. Ich hoffe, dass ich nun gesund bleibe und der Mannschaft helfen kann.“

Geholfen hat er seinem Team zumindest schon gegen die Veilchen. Okotie leitete die Aktion, die in der 95. Minute noch zum 1:1-Ausgleich führte, mit einem Pass auf Pürcher ein.

Selbstvertrauen getankt

Der Punktgewinn könnte laut eigener Aussage eine Initialzündung für eine Aufholjagd in der Tabelle sein. „Wenn du so spät das Unentschieden fixierst, fühlt es sich natürlich wie ein Sieg an. Der Punkt kann noch sehr wichtig sein. Er gibt uns Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben.“

Um an der Spitze noch ein Wörtchen mitzureden, muss allerdings die eklatante Auswärtsschwäche abgelegt werden.

Denn Okotie weiß abschließend: „Wenn wir dieses Manko nicht so schnell wie möglich ausbügeln, wird es schwer werden, ganz oben dran zu bleiben.“

Martin Wechtl

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