„Es spielt nicht Ogris gegen Rapid, sondern Austria“

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Der Kreis schließt sich.

Am 4. Mai 1997 bestritt Andreas Ogris sein letztes Wiener Derby – ebenfalls im Happel-Stadion. Austria und Rapid trennten sich damals vor 20.000 Zuschauern mit 0:0.

Für Ogris endete das Prestigeduell jedoch vorzeitig. Die violette Ikone flog nach einem „Scharmützel“ mit Sammy Ipoua genauso wie sein grün-weißer Gegenspieler in der 88. Spielminute vom Platz.

Fast genau 18 Jahre später nimmt der mittlerweile 50-Jährige wieder in einer führenden Rolle am Duell der Erzrivalen teil.

Dass der aktuelle Austria-Trainer bei seiner Rückkehr vom grünen Fanlager nicht gerade mit offenen Armen empfangen werden wird, ist ihm bewusst. Schließlich galt und gilt der Ex-Internationale über Jahre als Reizfigur bei den Hütteldorfern.

„Ich weiß, dass ich nicht der Liebling der Rapid-Fans bin. Damit kann ich aber leben“, blickt er dem 313. Wiener Derby (noch) entspannt entgegen.

ANDREAS OGRIS…

… ÜBER DIE PERSONALSITUATION:

Wir haben bis auf die Langzeitverletzten Jens Stryger Larsen und Ronivaldo alle Mann an Bord – auch Philipp Zulechner. Er hat am Donnerstag bei den Amateuren mehr oder weniger einen Fitnesstest abgelegt. Den hat er bestanden. Glücklicherweise hat er in der 93. Minute auch den Ausgleich erzielt. Das war nicht nur für die Amateure, sondern auch für ihn persönlich sehr wichtig. Wir können also aus dem Vollen schöpfen und freuen uns auf das Derby.

…ÜBER DIE WOMÖGLICH LEICHTERE AUSGANGSLAGE FÜR FAK, DA RAPID UM PLATZ 2 KÄMPFT :

Für uns ändert sich an der Ausgangsituation gar nichts. Wir wollen dieses Spiel gewinnen – wie jedes andere auch. Natürlich hat Rapid mehr Druck, weil sie den zweiten Platz absichern wollen. An meiner Ausgangssituation bzw. an jener Mannschaft ändert sich dadurch gar nichts. Wir wollen mit aller Gewalt gewinnen und die positive Derbybilanz in dieser Saison beibehalten.

…ÜBER DIE FEHLENDE FAN-UNTERSTÜTZUNG:

Klar wird uns der Support fehlen – keine Frage.  Man braucht die Unterstützung der Fans. Das ist für jeden Spieler noch einmal ein kleiner Prozentsatz an Motivation. Wobei man bei einem Wiener Derby niemandem in puncto Motivation etwas erklären muss. Das sollte von Haus aus gegeben sein.

… ÜBER DIE CHANCE, NEBEN ERNST BAUMEISTER DER EINZIGE FAK-TRAINER ZU WERDEN, DER ALLE SPIELE GEGEN RAPID GEWINNEN KONNTE:

(lacht) Das ist nicht wirklich wichtig. Klar ist aber auch, dass es das Spiel der Spiele ist. Dass ich diese Partie gewinnen will, steht außer Frage. Wir werden alles probieren, um zu gewinnen. Das wäre wieder ein Schritt, um nach vorne zu kommen. Es ist wichtig, dass unsere Leistungskurve bis zum Cupfinale in Klagenfurt kontinuierlich nach oben geht.

… AUF DIE FRAGE, WAS RAPID DER AUSTRIA AKTUELL VORAUS HAT:

Die Tabellensituation. Sonst sehe ich keinen großen Unterschied. Von der Klasse der Mannschaft können wir mit Rapid ganz locker mithalten. Ich glaube nicht, dass Rapid so viel besser ist, wie es die Tabelle widerspiegelt. Aber es wird notwendig sein, dass wir unsere Aufgaben zu 100 Prozent erledigen. Wenn wir das tun, sind wir um nichts schlechter als Rapid. Ich sehe auch keinen Vorteil bei Rapid. Unser Vorteil ist, dass uns niemand etwas zutraut. Fast jeder geht davon aus, dass Rapid dieses Derby gewinnen wird.

… AUF DIE FRAGE, WIE EMOTIONAL FÜR IHN DAS DERBY WERDEN WIRD:

Ich kann nicht sagen, wie ich mich direkt vor dem Match fühlen werde. Momentan bin ich noch sehr entspannt und spüre noch nicht dieses Kribbeln im Bauch. Wie es ist, wenn ich am Sonntag im Happel-Stadion eintreffe, weiß ich nicht. Es spielt aber auch nicht der Andi Ogris gegen Rapid, sondern die Wiener Austria. Daher ist es wichtig, dass meine Mannschaft top vorbereitet ist. Um meine Person muss sich niemand Sorgen machen. Ich weiß, wie ich mit der Situation umzugehen habe. Ich weiß, dass ich nicht der Liebling der Rapid-Fans bin. Damit kann ich aber leben.

… ÜBER DIE LETZTEN STUNDEN VOR ANPFIFF:

Es wird keine Kasernierung geben. Wir werden uns um 13:30 Uhr in der Generali Arena treffen, eine kleine Jause einnehmen, die Mannschaftbesprechung abhalten und danach ins Happel-Stadion fahren. Das wurde mit der Mannschaft vereinbart. Wir haben sie damals mit ins Boot geholt und sie hat sich für diese Variante entschieden. Bis jetzt hat das ganz gut geklappt. Wir haben es uns freigehalten, das wieder zu ändern, aber im Moment gibt es keinen Grund dafür.

…AUF DIE FRAGE, OB EINE DER BEIDEN MANNSCHAFTEN MIT EINER AUFSTELLUNGS-VARIANTE ÜBERRASCHEND KÖNNTE:

Das glaube ich nicht. Rapid und Zoran Barisic sind gut vorbereitet, wir genauso. Wir wissen um die Stärken von Rapid, aber auch im ihre Schwächen. Dahingehend wurde unter der Woche trainiert. Genauso wird es Zoki auch gemacht haben. Ich glaube nicht, dass es große System-Umstellungen geben wird. Daher wird es, wie immer in diesen großen Spielen, auf die Tagesverfassung ankommen und wer sich schlussendlich durchsetzen kann.

… OB RAPID OHNE STEFFEN HOFMANN LEICHTER ZU BESPIELEN WÄRE:

Anders. Ob leichter oder schwerer, kann man nicht sagen. Steffen Hofmann ist seit Jahren ein herausragender Spieler. Seine ganz große Zeit liegt aber schon hinter ihm. Dennoch ist er für Rapid sehr, sehr wichtig – speziell bei Standard-Situationen. Da müssen wir auf der Hut sein. Sie haben aber auch viele andere Spieler, die Riesenpotenzial besitzen und gute Leistungen zeigen. Wir haben zum Beispiel über Philipp Schobesberger gesprochen. Er hat einen guten Lauf, trifft regelmäßig und ist irrsinnig schnell. Doch auch dagegen gibt es Mittel. Mal schauen, ob wir ihn in den Griff bekommen.

… AUF DIE FRAGE, OB DAS DERBY DIE PERFEKTE GENERALPROBE FÜR DAS CUPFINALE IST:

Nein, ist es nicht. Es ist für uns einfach eine weitere gute Möglichkeit, damit wir uns weiter in die richtige Richtung bewegen. Aber der Ausgang ist nicht entscheidend für das Cupfinale. Aber natürlich sorgt jeder Sieg für Selbstvertrauen und deswegen wollen wir gewinnen.

 

Martin Wechtl

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