Ende gut, alles gut

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"Für das trainierst du jeden Tag und gibst immer alles"

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Die Erleichterung war spürbar.

Nach einer Saison Pause ist die Meisterschaft wieder zurück in Salzburg. Der Teller wandert wieder in die Mozartstadt. Zum Liga-Krösus. Zum Favoriten.

Mit dem ganz klaren 5:1-Sieg in Wiener Neustadt fixierte Red Bull Salzburg den siebenten Titel in der Vereinsgeschichte, den vierten seit der Getränkehersteller 2005 groß eingestiegen ist.

„Ein Traum“

„Es ist ein Traum, ich bin froh für die Mannschaft, für Salzburg, für Red Bull“, freute sich Trainer Ricardo Moniz, der zum ersten Mal in seiner Karriere als Chefcoach solch einen Titel einheimste.

Während der 47-jährige Niederländer gewohnt besonnen die gerade errungene Meisterschaft erlebte, feierte die Mannschaft deutlich mehr. Für die große Ausgelassenheit fehlte es an der Bühne.

„Einen Meistertitel in Wiener Neustadt zu feiern ist auch etwas Besonderes“, sprach Goalie Alexander Walke den eher tristen Rahmen an. Nur 2100 Zuschauer waren zugegen.

Die rund 250 Salzburger Fans tanzten auf der Tribüne, die Spieler unten am Feld. Bierduschen durften ebenso wenig fehlen wie die Sekunden nach Schlusspfiff übergezogenen Meisterleibchen.

„Dieser Titel wird komplett aufgeteilt. Ein Teil gehört der Mannschaft, ein Teil den Ärzten, ein Teil den Physiotherapeuten, ein Teil dem Zeugwart, ein Teil dem Trainer-Team. Den Busfahrer nicht zu vergessen, die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle. Jeder hat einen Anteil“, fasste Walke zusammen.

„Auf und Abs machen diesen Titel besonders“

Die Spieler wiesen auf den Zusammenhalt hin. Vor allem nach dieser Saison, nach der sich aus Salzburger Sicht sicherlich sagen lässt: Ende gut, alles gut.

„Es waren schon sehr viele Auf und Abs dabei und das macht diesen Titel besonders“, hielt etwa Andreas Ulmer fest. Das mehr als bescheidene zweite Meisterschaftsviertel ist vergessen.

„Wir haben es uns verdient, auch wenn wir einmal ein paar Spiele im Herbst ausgelassen haben. Aber das interessiert keinen mehr. Wir sind oben und das zählt“, jubelte Georg Teigl über seinen ersten Meistertitel. Schon realisiert? „Ja, da bin ich relativ schnell“, grinste der 21-jährige Teigl.

Sein Kollege Martin Hinteregger braucht dafür länger, nicht minder war aber die Freude darüber: „Es ist geil. Mit 19 Jahren Meister zu sein ist einfach schön, das ist nicht vielen gelungen. Das vergisst man nicht, man erzählt es seinen Enkeln. Wir werden ordentlich feiern und die Sau raus lassen.“

Maierhofer on fire

Wenn es darum geht, die Sau rauszulassen, ist Stefan Maierhofer nicht weit. Und das nicht zu Unrecht, hatte der Stürmer doch mit seinen Treffern im Finish maßgeblichen Anteil am Titel.

Im großen Showdown gegen Rapid erzielte der 29-Jährige den Siegtreffer, beim 2:0 gegen Kapfenberg traf der 2,02m-Angreifer auch und in Neustadt besorgte der „Lange“ einen Doppelpack.

„Es ist ein tolles Gefühl. Für das trainierst du jeden Tag, gibst jeden Tag alles. Wir haben es uns verdient“, war Maierhofer nach den 90 Minuten glücklich.

Am Muttertag bewies der Niederösterreicher wie schon in seinen Rapid-Zeiten Formstärke. Bei seinem zweiten Treffer ließ der „Bulle“ auch seine technische Beschlagenheit aufblitzen.

„Waren extrem zusammengeschweißt“

Danach konnte er sich einen Seitenhieb auf seine 1000-prozentige Chance im Herbst nicht verkneifen, als er in Neustadt den Ball im Rutschen nicht ins Tor unterbrachte sondern „klärte“.

„Damals habe ich ihn noch von der Linie gekratzt, heute mache ich ihn perfekt. Wenn es läuft, dann läuft es“, lachte Maierhofer, der in der Torschützenliste mit dem verletzten Jakob Jantscher gleichzog.

„Wenn Jakob nicht da ist, muss ich eben als ‚Man of the Match‘ einspringen. Nein, im Ernst: Wir agieren als Mannschaft momentan einfach überragend.“ Und holt sich Maierhofer nun auch die Torjäger-Krone? „Wir haben jetzt beide 14 Treffer und teilen uns einfach das Ding.“

Wie alle seine Kollegen stellt der öffentliche Reibebaum, der sich zum Nachspiel des Duells mit Rapid nicht mehr äußern will, das Team in den Vordergrund: „Wir waren im Frühjahr extrem zusammengeschweißt, wir wollten als Kollektiv unbedingt die Meisterschaft holen. Es sind lauter ‚verrückte‘ Typen hier, das ist das Entscheidende. Und wir haben den Spirit aus den letzten Spielen mitgenommen.“

Einen solch einen Spirit erlebte Maierhofer auch 2008, als er im Winter zu Rapid stieß und dann seine erste Meisterschaft holte: „Einfach ein jeder Titel ist etwas Besonderes.“

Genugtuung zu spüren

Auch für Franz Schiemer, der sich schon über seinen dritten im Oberhaus freuen durfte. Mit der Austria jubelte der Oberösterreicher 2006, mit den Salzburgern 2010 und nun heute.

„Wir haben im Frühjahr gezeigt, was wir können und sind verdient Meister geworden. Die Klasse hat sich am Ende durchgesetzt“, analysierte der 26-jährige Innenverteidiger. „Die Freude ist umso größer, es war wirklich eine turbulente Saison und nun sind wir Meister und stehen im Cup-Finale.“

Wie Erleichterung war auch etwas Genugtuung gegenüber den Kritikern (Maierhofer: „Die Kritik kommt immer von außen“), die sich vor allem während der großen Herbst-Krise äußerten, zu spüren.

„Es war wichtig, aus der Krise zu kommen und in den entscheidenden Spielen gepunktet zu haben“, meinte etwa Walke. Trainer Moniz hat dahingehend seine Mannschaft reifen sehen.

„Wir haben am Ende mentale Härte gezeigt. Wir wissen, wie stark die Liga ist. Das wird immer unterschätzt. Man ist immer verleitet zu sagen, dass man mit so einem Budget die Liga dominieren muss. Da braucht es mehr. Die Mannschaft hat sich aber weiterentwickelt. Es war ein Lehrjahr für uns, die Mannschaft wurde erwachsener.“

Es wartet die Geschichtsschreibung

Und sie kann noch weiter wachsen. Schließlich wartet am kommenden Sonntag das Cup-Finale. Noch nie hat es Salzburg geschafft, das Double einzufahren.

„Am Sonntag können wir Geschichte schreiben. Gerade jene Mannschaft, an die nicht geglaubt wurde“, weiß Linksverteidiger Andreas Ulmer. In Wiener Neustadt dachte freilich noch keiner ans Endspiel. Auch Ulmer nicht, der sich als Hauptverantwortlicher für Bierduschen entpuppte.

„Jetzt lassen wir einmal die Sau raus“, gab Jungspund Teigl den Ton an. Routinier Schiemer: „Ich freue mich schon auf die kommenden Tage, denn die sind auch immer sehr schön.“

Mit einem Cup-Titel wären sie freilich noch schöner. Und mit einem Einzug in die Champions-League-Gruppenphase sowieso. Doch das ist noch ganz leise zu hörende Zukunftsmusik.

Jetzt feiert Salzburg erst einmal die Meisterschaft. Denn die war ohnehin schwierig genug einzufahren.

 

Bernhard Kastler/Kurt Vierthaler

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