Wenn die Uhren anders ticken

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Drei Mal gewann Red Bull Salzburg in seiner zehnjährigen Ära das Double. 

Zum dritten Mal verabschiedet sich der Trainer danach. Alle gingen freiwillig. Mehr oder minder. 

2012 überwarf sich Ricardo Moniz mit der medizinischen Abteilung und ging von sich aus. 

2014 ließ sich Roger Schmidt die Chance namens Leverkusen per Ausstiegsklausel nicht nehmen. 

2015 trennten sich nun Salzburg und Adi Hütter einvernehmlich ob unterschiedlicher Auffassungen. 

In Salzburg ticken die Uhren eben anders. 

Die „Nahrungskette“ bei Red Bull 

Im Fall des Vorarlbergers, der eigentlich Vertrag bis 2016 gehabt hätte, stellt sich die Situation wie folgt dar: Salzburg geht ab kommender Saison den Ausbildungs-Weg noch konsequenter als zuvor. 

„Der Kader wird sich in diesem Sommer wieder verändern. Es werden immer neue Spieler eingebaut und entwickelt. Dauerhaft Aufbau- und Ausbildungsarbeit zu leisten, erfordert ein hohes Maß an Identifikation mit dieser Aufgabe, die obendrein bei uns auch mit einer sehr großen Erwartungshaltung gepaart ist“, gab Christoph Freund in einer Aussendung am Montag Einblick. 

Der Karriere-Plan in Gefahr? 

Unlängst hielt der erste österreichische Meister-Trainer in der Red-Bull-Ära diesbezüglich in einem LAOLA1-Interview fest: „Ich werde hier nicht die nächsten zehn Jahre Trainer sein.“ 

Es waren 18 Tage. 

Vielleicht hat Hütter nach dieser Saison nun auch ein anderes Eisen im Feuer. Aufschluss darüber wird eine Pressekonferenz am Dienstag geben. Um 13 Uhr geben sich Jochen Sauer, Christoph Freund und auch Adi Hütter ein Stelldichein. Das Signal: Wir gehen in Frieden auseinander. 

Hütter legt stets großen Wert auf die Außendarstellung, sagte am Montag bereits: „Nach einem sehr erfolgreichen Jahr, kann ich mich mit einem guten Gefühl von Red Bull Salzburg verabschieden.“ 

Klingt nach einem Double-Gewinn komisch, ist aber so. In Salzburg ticken die Uhren eben anders. 

Vor allem wieder von neu. Die Trainer-Suche soll schon längst losgegangen sein. Bereits am Freitag berichteten spanische Medien von einem möglichen Engagement von Oscar Garcia bei Salzburg. 

Der Spanier (42) war zuletzt im September nur einen Monat bei Watford, nachdem er aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Seine erfolgreichste Zeit verbrachte er bei Maccabi Tel Aviv in der Saison 2012/13, damals kam er mit offensiver Spielweise auf einen Punkteschnitt von 2,22.

 

Bernhard Kastler

Der sportliche Leiter folgte gemeinsam mit General Manager Jochen Sauer Ralf Rangnick nach, der beim Schwesternklub RB Leipzig nun auch das Traineramt für die neue Saison übernommen hat. 

Leipzig ist das Stichwort. Die fußballerische „Nahrungskette“ bei Red Bull sieht den Weg von den Akademien über die Amateurteams hin zu Salzburg und nach Leipzig. Stefan Ilsanker ist mit dem Umweg Mattersburg den Weg gegangen, spielt nun zur neuen Saison in der zweiten deutschen Liga. 

Mehr und mehr junge Spieler

Erfahrenere Spieler gehen, junge Spieler kommen. „Gegenseitiges, uneingeschränktes Verständnis und Commitment in Bezug auf die gemeinsamen Ziele sind dabei eine unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit“, hält Freund fest. Hütter konnte das offenbar nicht bieten. 

Obwohl der 45-Jährige in der vergangenen Saison – ob wegen Verletzungspechs oder einfach wegen fehlender Alternativen – immer wieder junge Spieler (aus Liefering) einbaute. Das hob der Trainer gerne hervor und betrieb so nicht nur mit der Arbeit am Feld Werbung in eigener Sache. 

Die Nachricht der Trennung kam per se nicht überraschend. Während der Saison gab es immer wieder Gerüchte, wonach auch ein Double-Gewinn vielleicht nicht reichen könnte. 

Viele Stammspieler gingen 

Rangnick äußerte etwa öffentliche Kritik wegen zu vieler Gegentore. Nach der Ära Roger Schmidt – das zweite Jahr stellte den bisherigen Höhepunkt in der Red-Bull-Ära dar – waren die Schuhe für den Nachfolger freilich enorm groß. Nicht nur bei den Anhängern, auch innerhalb der Mannschaft. 

Nach „Trainer-Vater“ Schmidt wehte unter Hütter ein etwas anderer Wind. Diesen mochte nicht jeder Spieler, aber am Ende des Tages wurde mit Erfolg Fußball gespielt. Und darum ging es. 

Doch mit Sadio Mane, Kevin Kampl, Alan und nun Andre Ramalho, Stefan Ilsanker sowie Peter Gulacsi verlor Hütter binnen eines Jahres sechs Stammspieler. Mit Marcel Sabitzer dürfte der siebente gehen. Möglicherweise war dies Hütter zu viel. 

Denn nach einem Double-Gewinn und einer mehr als anständigen Europa-League-Saison samt Torrekord in der Gruppenphase könnte der Vorarlberger mit vielen Talenten, die eben Zeit brauchen, an guter Reputation einbußen. Und Hütter hat seinen eigenen Karriereweg, den er glasklar verfolgt. 

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