Allen Widerständen zum Trotz

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Meistertrainer Moniz: Allen Widerständen zum Trotz

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Irgendwie scheint es Ricardo Moniz fast unangenehm zu sein.

Teilnahmslos, regungslos, emotionslos sieht er sich das Meistertreiben seiner Mannschaft am Rasen des Wiener Neustädter Stadions an.

Den Bierduschen läuft er immer wieder gekonnt davon, beim offiziellen Titelfoto steht er ganz am Rande, ein Lächeln ist selten zu sehen.

„Ich bin zu sehr in einem Tunnel drin“

Hat er es noch nicht richtig realisiert, dass Salzburg gerade Meister geworden ist?

Oder ist in den vergangenen Monaten einfach zu viel passiert?

„Ich kann schon feiern, aber immer erst nachher. Ich werde im Urlaub alles genießen können. Jetzt bin ich zu sehr in einem Tunnel drin“, erklärt der Niederländer in seiner gewohnt analytischen Art.

Viel Kritik

Hinter der Fassade kann man jedoch erkennen, dass die viele Kritik, die der 47-Jährige immer wieder einstecken musste, doch Spuren hinterlassen hat.

„Ich habe die Kritik nie verstanden. Für mich war das lächerlich, was geschrieben wurde. Ich sei ein Kindertrainer und könne kein Cheftrainer sein. Ist es eine Beleidigung, wenn man Nachwuchscoach war? Ich finde nicht. Die Kinder sind doch unsere Zukunft. Wieso ist es negativ, wenn man alle Spieler des U14-Teams kennt?“, fragt Moniz wohl nicht zu unrecht.

Genugtuung verspüre er dennoch keine. Er sieht lieber das Positive. So wie er es immer macht. Das Glas ist für ihn eben halbvoll und nicht halbleer.

„Ich habe in der Krise Stärke gezeigt. Wenn du dich von der Hektik anstecken lässt, wirst du zu empfindlich. Für mich war es ein großer Test. Wenn du ein großer Trainer werden willst, musst du auch bestehen können, wenn alle auf dich eintreten.“

Erfolgreichster Salzburg-Trainer?

Und Moniz hat bestanden. Allen Widerständen zum Trotz.

„Er hat einen sehr großen Anteil am Titel, er ist unser Trainer und hauptverantwortlich, dass wir die Meisterschaft geholt haben“, meint Fränky Schiemer.

Auch Youngster Martin Hinteregger versteht nicht, warum Moniz weiterhin umstritten ist: „Ein Trainer wird nach Erfolgen gemessen: Er hat nicht nur die Meisterschaft mit uns geholt, er hat uns ins Europa-League-Sechzehntelfinale geführt, wir haben eine super Gruppenphase gespielt, auf die auch er stolz sein kann. Wenn er mit uns noch das Cup-Finale gewinnt, ist er Salzburgs erfolgreichster Trainer.“

Mateschitz-Aussage sorgt für Unruhe

Und womöglich der Erste, der trotz Double gehen muss.

Denn erst kürzlich sorgte Big Boss Dietrich Mateschitz mit einer Aussage in den „Salzburger Nachrichten“ für Aufsehen: „Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, wenn er drei Spiele hintereinander verliert, gehört er weg, und ich gehöre aber auch nicht zu denen, die sagen, wenn er den Meister macht, wird der Vertrag automatisch verlängert.“

Kryptischer Nachsatz: „Es soll auch Mannschaften geben, die ohne Trainer Meister werden.“

„Ich liebe Widerstand“

Moniz hat sich mittlerweile an die ständigen Nebengeräusche gewöhnt. Zu Herzen nimmt er sich die schon lange nicht mehr.

„Es wird nach wie vor jeden Tag von meinem Abschied geschrieben. Immer wieder lese ich andere Namen. Damit unterstützt man nicht unbedingt einen konstruktiven Prozess. Wir wollen doch etwas aufbauen.“

Aber Moniz wäre nicht Moniz,  würde er nicht auch in diesem Fall etwas Positives finden.

„Ohne schlechte Zeiten, keine guten Zeiten. Ich liebe schlechte Zeiten, ich liebe Widerstand.“

Den hat er in Salzburg auf jeden Fall. Egal, wie erfolgreich er ist.

Kurt Vierthaler/Bernhard Kastler

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