Tränenreich in eine höhere Liga

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Milanic: "Ich bleibe immer ein Fan vom SK Sturm"

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Die Zusammenarbeit zwischen Darko Milanic und dem SK Sturm Graz ist offiziell beendet.

Der 46-jährige Slowene folgt dem Lockruf des englischen Championship-Teams Leeds United. Am Montag geht sein Flieger an die Elland Road.

Was sich in den vergangenen Tagen anbahnte, ist nun Realität. Milanic unterschreibt bei den "Whites" einen Vertrag über zwei Jahre und kehrt seinem langjährigen Stammverein den Rücken.

"Ein trauriger Anlass für Sturm"

Schon nach dem 1:0-Erfolg über Ried verabschiedete sich der ehemalige Sturm-Kicker - den Tränen nahe - von seinen Schützlingen.

"Ein trauriger Anlass aus unserer Sicht, aber im Fußball geht es oft schnell", ist es auch für General-Manager Gerhard Goldbrich ein emotionaler Abschied.

"Wir haben uns zusammengesetzt und es war relativ schnell klar, dass, wenn so eine Chance kommt, man es in einer Form lösen wird, dass man dem Ehrenmann Darko Milanic nichts in den Weg legt", erklärt er die Vorgehensweise der Grazer.

Die Letztbestätigung von Leeds ist zwar noch ausständig, es kann sich aber nur noch um Stunden handeln, bis diese publik wird.

Davor steht der Dank an Milanic im Vordergrund.

"Er ist in einer sehr schwierigen Zeit gekommen. Der Verein war im Umbau und es war schwer, ein Budget zu konsolidieren. Das trifft auch immer den Trainer, weil den Finanzen Grenzen gesetzt sind. Wir haben keine Transfers mit Ablösen tätigen können, außer einen mithilfe eines Gönners. Darko hat alles mitgetragen und dafür immer wieder Kritik geerntet. Diese Zeit ist jetzt vorbei. Das ist auch der Fußball, wenn es mich berührt und das will ich gar nicht verbergen", kämpft Goldbrich mit den Tränen.

"Die Mannschaft ist sehr gesund"

Milanic selbst, der von seinem Vorgesetzten zum Abschied ein One-Way-Ticket von Leeds nach Graz geschenkt bekommt, trägt es mit Fassung.

"Mein Plan war, länger hier zu bleiben. Dann kommt ein Angebot von einem Verein, einer Liga, einer anderen Welt. Da kannst du nicht nein sagen. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich nicht weiß, wann wieder so eine Chance kommt", sagt der Slowene.

Er geht aber nicht ohne Wehmut. "Wir haben gut zusammengearbeitet. Ich habe immer wieder die Unterstützung gespürt von Gerhard und allen anderen. Das ist extrem wichtig. Auch für die Zukunft. In der Tabelle fehlen vielleicht zwei oder drei Punkte, aber das, was wir hier gehabt haben, war mehr als drei oder sechs Punkte", streut er den Schwarz-Weißen Rosen.

Auch das Team sei auf einem guten Weg. "Die Mannschaft ist sehr gesund. Es ist kein leichter Job für die Jungs. Sie sind auch nach einer Niederlage gut zurückgekommen", spielt er auf den 1:0-Sieg am Samstag in Ried an.

Vom Trainer zum Fan

Der war nicht wirklich verdient und auch unerwartet. Denn die Gerüchte gingen nicht an den Spielern vorbei.

"Ich habe gespürt, dass sie unruhig sind. Aber sie haben Charakter gezeigt. 15 Monate sind eine lange Zeit, da kommst du näher zu den Spielern. Ich gehe nicht so einfach weg von den Jungs. Ich habe mich wohl gefühlt und das habe ich auch bei ihnen gesehen", beschreibt er die Beziehung zu seiner Mannschaft.

Zum Abschied betont er auch noch einmal seine Verbundenheit zu den "Blackies". "Das ist mein Verein, das habe ich immer betont. Ich habe als Spieler hier super Zeiten erlebt. Als Trainer habe ich auch neue Freunde gefunden und das ist sehr wichtig für mich. Ich bleibe immer ein Fan vom SK Sturm", sagt Milanic.

Der Nachfolger des 46-Jährigen auf der Grazer Trainerbank wird bereits gesucht. Seit Freitag soll es zu ersten Kontaktaufnahmen gekommen sein.

"So wie es vorgegeben ist, werden wir dem Präsidium einen Dreier-Vorschlag präsentieren", so Goldbrich, der aber erwartungsgemäß auf keine Namen näher eingeht. 

Schopp bleibt Amateur-Trainer, Neukirchner Interimslösung

Peter Schöttel ist einer dieser Vorschläge. Der ehemalige Rapid-Coach bestätigt am Sonntag den Kontakt mit Sturm. "Ich habe Gespräche mit Gerhard Goldbrich geführt. Es gibt aber auch andere Kandidaten", sagt der 47-Jährige bei "Sky".

Ein Engagement bei den Steirern würde den ehemaligen Rapid-Trainer freuen. "Ein Verein wie Sturm ist immer reizvoll. Das ist eine interessante Mannschaft", sagt Schöttel.

Nicht auf der Grazer Shortlist zu finden ist der Name Markus Schopp. Der Amateur-Trainer des SK Sturm war der erste Ansprechpartner von Goldbrich, verzichtete aber freiwillig auf eine Beförderung.

"Wir sind nach einem langen Gespräch zu einer Entscheidung gekommen. Er sagt, dass er sein Ziel bei den Amateuren bis jetzt nur zu 70 oder 75 Prozent erreicht hat. Er will das fertig machen. Eine respektable Entscheidung, auch wenn es mir leid tut", so Goldbrich.

Da schon am Dienstag das Cup-Gastspiel bei Austria Salzburg wartet, muss eine schnelle Interimslösung her. Diese wird wohl Günther Neukirchner heißen. Der 42-Jährige ist derzeit Schopps Assistent bei den Amateuren.

Unter Umständen darf der ehemalige Verteidiger, der 426 Spiele für Sturm bestritten hat, auch gegen Altach die Grazer coachen. "Die Entscheidung soll gut sein, da kommt es auf ein paar Stunden nicht an. Aber wir sind auf viele Eventualitäten vorbereitet und schon sehr weit", kündigt Goldbrich an.

Auch wenn die Grazer Verantwortlichen über den Abgang ihres Trainers trauern, so dürfen sie sich zumindest über eine finanzielle Entschädigung freuen. Da Milanic noch bis 2016 Vertrag gehabt hätte, kann der Slowene die Grazer nur mittels Ausstiegsklausel verlassen.

"Diese hat Leeds zur Gänze erfüllt", sagt Goldbrich.

 

Andreas Terler

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