Dauerpatient Mendes und die fehlende Balance

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David Mendes da Silva wird regelrecht verfolgt. Und das schon länger. Er ist offenbar das „Lieblingsziel“ des Verletzungsteufels.

Seit seiner Ankunft im Sommer 2010 verbrachte der Niederländer fast mehr Zeit im Reha-Zentrum als am Spielfeld.

Sprunggelenksverletzung, Bauchmuskelzerrung, Schambeinentzündung, Zehenbruch, Muskelfaserriss, Nasenbeinbruch – und das sind nur die größeren Verletzungen, mit denen sich Mendes herumschlagen musste.

Mister 50 Prozent

„Es ist nicht normal, was mir in Salzburg bislang widerfahren ist. Dieses Verletzungspech macht mich verrückt. Ich war davor eigentlich kaum verletzt“, sagt der 30-Jährige sichtlich geknickt gegenüber LAOLA1.

Die Zahlen belegen Mendes‘ Aussagen.

In seiner Heimat absolvierte er von 1999 bis 2010 für Sparta Rotterdam, NAC Breda und AZ Alkmaar insgesamt 282 Liga-Spiele, also im Schnitt über 25 Partien pro Saison.

Die Bilanz in Salzburg ist dagegen erschreckend: Mendes hat lediglich die Hälfte aller Spiele bestritten.

In der Bundesliga stand er in 40 Partien (von 80 möglichen) am Platz, insgesamt war er in Pflichtspielen 57 Mal (von 117 möglichen) im Einsatz.

Erneute Pause

Und jetzt als er endlich heil durch die Vorbereitung kam, die Misere hinter sich zu haben glaubte, schlug der Verletzungsteufel wieder zu.

Gegen die Admira brach sich der siebenfache Teamspieler Nasenbein und Zehe – wieder sechs Wochen Pause.

„Sein Ausfall trifft uns hart“, meint RBS-Coach Roger Schmidt, „auf seinen Kapitän verzichtet man ungern, zumal er eine zentrale Rolle in unserem System spielt.“

Wichtigster Mann im Schmidt’schen System

In der Tat hat man den Eindruck, das Salzburger Spiel steht und fällt mit dem Niederländer.

Er ist das Bindeglied zwischen Defensive und Offensive, technisch beschlagen und mit einem hervorragenden Verständnis ausgestattet.

Gerade im schnellen Umschaltspiel, das Schmidt immer wieder sehen möchte, ist Mendes unverzichtbar. Fünf Torvorlagen in sechs Partien sind unter anderem ein Beleg dafür.

Verstärkungen sind geplant

Nicht nur, aber auch weil Mendes in Salzburg so verletzungsanfällig ist, wird der Double-Sieger noch einmal am Transfermarkt tätig werden und sich mit einem defensiven Mittelfeldspieler verstärken.

Möglicherweise wird Sportchef Ralf Rangnick wieder in Norwegen fündig.

Die beiden Tromsö-Profis Kara (22) und Ruben Jenssen (24), die beim norwegischen Erstligisten das zentrale Mittelfeld organisieren, sollen auf Rangnicks Zettel stehen.

Abwehr als Groß-Baustelle

Dringender wären aber eigentlich Verstärkungen in der Abwehr, denn dort hat Schmidt die größten Baustellen.

Salzburg lässt ligaweit nicht nur die meisten Torschüsse (88) zu – Rapid im Vergleich nur 55 -, sondern hat auch schon acht Gegentore kassiert. Bewerbsübergreifend sind es sogar 13.

„Wir müssen unser Defensiv-Verhalten und vor allem das Absichern deutlich verbessern“, so Schmidt.

Probleme mit dem neuen System

Der 45-Jährige weiß auch, warum sich Schiemer und Co. schwer tun.

„Für viele ist die Ausrichtung, die wir haben, neu. Die Innenverteidiger stehen breiter, die Außenverteidiger höher. Dadurch wollen wir Tiefe schaffen – gerade gegen defensiv ausgerichtete Gegner.“

In Schmidts Spielidee kommt vor allem den Innenverteidigern eine zentrale Rolle zu.

Zu viele Fehler

„Sie sollen das Spiel von hinten heraus gestalten. Aber leider werden oft Bälle gespielt, wo sie eigentlich noch nicht gehen. Durch Fehlpässe entstehen dann die Gegenangriffe.“

Überzeugt hat im Abwehrverbund bislang keiner so richtig - Ibrahim Sekagya und Douglas da Silva fielen zuletzt gegen die Admira sogar in die Kategorie inferior.

Knapp eine Woche bleibt Salzburg aber noch Zeit, um nachzubessern. Nach den bisherigen Defensiv-Vorstellungen wäre das auch dringend nötig.

Kurt Vierthaler

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