Erfrischend anders

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Erfrischend anders

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In der Tradition der starken Aufsteiger erhebt auch Mattersburg den Anspruch ein solcher zu sein.

Das war schon vor Saisonbeginn kein großes Geheimnis. Denn die Burgenländer starteten mit einem de facto unveränderten Gesicht zur Vorsaison ihr Bundesliga-Comeback.

"Wir sind eine eingespielte Mannschaft, spielen so wie vergangenes Jahr", kennt Karim Onisiwo eines der Puzzlestücke zum sensationellen 2:1 gegen Meister und Cupsieger Red Bull Salzburg.

Der Offensivspieler selbst ist auch ein Puzzlestück. Überhaupt die Offensive, die sich mit ganz unterschiedlichen Typen präsentiert.

Verschiedene Typen harmonisch vereint

„Wir haben verschiedene Typen, die das Bestmögliche versuchen, um ihre Stärken einzubringen und sie auszunützen“, erklärt Trainer Ivica Vastic.

Der 45-Jährige steht dabei offenbar auf Spieler, die sich in den Dienst der Mannschaft stellen.

„Sie versuchen mitzuspielen, sehen auch andere, wenn sie besser positioniert sind. Auf der einen Seite sind sie zielstrebig, Tore zu machen, auf der anderen Seite kombinieren sie miteinander. Die Stürmer wissen auch, dass sie von ihren Mittelfeldspielern leben“, skizziert Vastic.

LAOLA1 hat mit dem Trainer einen Blick auf die Offensivwaffen des Aufsteigers geworfen.

IVICA VASTIC - DAS VORBILD

„Er geht wahnsinnig gut auf die Spieler ein, hat ein irrsinniges Händchen dafür, was sie brauchen und kann vor allem den Offensivspielern sehr viel mitgeben. Das ist sehr viel wert", sagt Michael Perlak über Ivica Vastic.

Mit dem Trainer hat die Mattersburger Offensivabteilung ein wirkliches Vorbild in ihren Reihen. Schließlich ist die Sturm-Legende mit 187 Toren Nummer zwei in der ewigen Torschützenliste der Bundesliga. Nummer eins ist freilich ein gewisser Hans Krankl (301).

Der Coach ließ auch das frühere "Holzhacker"-Image der Burgenländer in Vergessenheit geraten, will selbst gepflegten Fußball sehen und spielen lassen. "Ich bin jetzt schon länger hier und kann sagen, dass wir absolut keine Spielertypen in unseren Reihen haben, die solch eine Spielweise nur ansatzweise umsetzen wollen", sagte Vastic, der seit Dezember 2013 im Amt ist, unlängst.

Und der frühere Stürmer hat Recht: Unter ihm kam die Mehrzahl jener Offensivspieler, die nun für das Spiel verantwortlich zeichnen. Es sind verschiedene Typen, die gemeinsam harmonieren.

MARKUS PINK – DER VOLLSTRECKER

Der Kärntner kam im September 2013 von der Vienna, spielte davor schon für Austria Kärnten in der Bundesliga und erzielte bis vergangenen Samstag sein einziges Bundesliga-Tor gegen Mattersburg.

Zwischenzeitlich reichte es nur für Köttmannsdorf, wo Pink nebenbei auch Autos verkaufte und mit dem Profi-Fußball schon abgeschlossen hatte. Beim SVM blühte er wieder auf.

Vergangene Saison wurde der 24-Jährige Torschützenkönig, obwohl er wegen muskulärer Probleme fast ein Drittel seiner Spiele versäumte.

„Ich bin froh, dass ich fit bin und das schon über eine längere Zeit. Dafür tue ich auch sehr viel“, sagt Pink, der vergangene Saison 21 Mal traf.

Nur 16 Sekunden benötigte der Stürmer, um Salzburg das erste Tor dieser Saison einzuschenken.

„Es geht wirklich viel auf, das hat man schon vergangene Saison in der Ersten Liga gesehen. Aber das kommt nicht von irgendwo, wir trainieren wirklich extrem hart. Bislang sind wir belohnt worden“, stellt Pink die Mannschaft in den Vordergrund. „Und der Trainer hält uns bei Laune.“

Vastic über Pink: „Ich hoffe, dass er weiter so erfolgreich bleibt. Er gibt nie auf, glaubt immer daran, ist in jedem Training konzentriert und fokussiert. Wichtig ist, dass er gesund bleibt. Aber er ist nicht nur Vollstrecker, sondern auch Assistgeber.“

 

KARIM ONISIWO – DER UNIVERSELLE

Wäre Mattersburg nicht aufgestiegen, hätten sich die (Wiener) Großklubs in der Bundesliga weiterhin um die Dienste des 23-Jährigen bemüht. Kein Wunder, kann die Offensivkraft doch sehr viel.

Das sagt Vastic: „Seine Stärken sind die Schnelligkeit, seine Durchsetzungskraft, immer das Maximum herauszuholen. Er hat einen tollen Schuss, ist kopfballstark und verfügt über alles, was ein Stürmer braucht. Er arbeitet auch viel für die Mannschaft, auch sehr viel nach hinten.“

Onisiwo paart Schnelligkeit und Robustheit, so konnte der mannschaftsdienliche Spieler auch vergangene Saison mit 18 Toren und zehn Assists reüssieren.

Im Sommer 2014 kam der Linksaußen, der vorne überall spielen kann, von Austria Salzburg und hat es freilich nicht bereut. Zumal die Zusammenarbeit mit den Offensivspielern klappt: „Wir harmonieren sehr gut, das hat man gleich beim ersten Tor gesehen. Perlak steckt schön durch auf Pink und der zeigt, warum er vergangene Saison Torschützenkönig der Ersten Liga wurde.“

 

MICHAEL PERLAK – DER FÄDENZIEHER

Apropos Michael Perlak und sein Assist zum 1:0 nach 16 Sekunden. „Das war natürlich einstudiert“, grinste der 29-Jährige nach dem 2:1 gegen Salzburg („Das war fast schon kitschig“).

Wie Onisiwo kam Perlak auch vor der vorangegangenen Saison von Austria Salzburg zu Mattersburg und erwies sich wie sein defensiver Konterpart Jano ebenfalls als absoluter Goldgriff.

Vier Tore und nicht weniger als zwölf Assists hatte der Blondschopf am Ende zu Buche stehen. „Wir sind gewiss unterschiedliche Typen und harmonieren ganz gut. Jeder weiß um seine Aufgabe Bescheid“, bringt Perlak die Erfolgsformel auf den Punkt.

Das sagt Vastic: „Es braucht auch jemanden, der die Qualitäten der Spieler vorne einsetzen kann. Es braucht die Bälle und Perlak hat dieses Feingefühl, arbeitet viel für das Team, ist ein Kreativgeist.“

 

ALEXANDER IBSER – DER SCHNELLE

Wie schnell Alexander Ibser ist, bewies er gegen Salzburg, als er Paulo Miranda nach dessen Patzer in Minute 93 auf und davonlief. Auch bewies er, wie cool er sein kann. Eiskalt verwertete per Außenrist.

„Dass das 'Ibse' kann, hätte ich mir nicht gedacht“, lachte Goalie Markus Kuster. Kapitän Patrick Farkas ist indes glücklich, dass Ibser nach langwierigen Hüftproblemen zurückkam: „Mich freut es, weil er einiges durchgemacht hat. Das ist aber auch Mattersburg, nämlich dass an ihm festgehalten wurde.“

Der Protagonist selbst, der 2011 nach Mattersburg kam und seit Jänner 2014 endgültig im Profi-Kader aufscheint, freut sich freilich am meisten. „Ich war fast ein halbes Jahr verletzt, habe dann die Vorbereitung mitgemacht. Dass das dann so ausgeht, ist unbeschreiblich.“

Gegen Salzburg als Joker gekommen, weiß der 24-Jährige natürlich um die Situation Bescheid. „Der Konkurrenzkampf ist sehr groß, jeder Spieler hat genug Qualität, um eine Partie zu entscheiden oder Akzente zu setzen. Uns zeichnet auch ein starkes Kollektiv aus.“

Das sagt Vastic über Ibser: „Überrascht war ich über seinen Abschluss nicht, weil er es auch im Training probiert. Er hat eine Top-Einstellung und es freut mich, dass auch die Öffentlichkeit das nun gesehen hat. Er ist nach einer längeren Pause dran geblieben, der Lohn freut mich besonders. Er ist mental stark und sehr fokussiert.“

 

THORSTEN RÖCHER – DER UNBERECHENBARE

Einer, der ob der Umstellung auf ein 3-5-2 gegen Salzburg auf der Bank Platz nehmen musste, ist Thorsten Röcher. Ob des Spielverlaufs kam die Offensivkraft auch nicht in die Partie, doch seine Chancen werden zur Genüge kommen, zumal er mit Mattersburg auch schon Bundesliga spielte.

Vergangene Saison kam Röcher auf 31 Einsätze und verbuchte zwei Tore und drei Assists.

Das sagt Vastic: „Thorsten gehört auch zu den stärksten Offensivkräften, die Situation hat es verlangt, ihn gegen Salzburg draußen zu lassen. Er hat viele Ideen, ist unberechenbar, hat den Drang zum Tor und ist so für uns wertvoll.“

 

FLORIAN TEMPL & INGO KLEMEN – DIE (NOCH-)BACKUPS

Neuzugang Florian Templ (kam vom LASK) und Ingo Klemen müssen sich indes anstellen.

Das sagt Vastic über Templ: „Seine Einstellung passt zu uns, er gibt nie auf, wie wir auch vergangene Saison gesehen haben (zwei LASK-Minute-Tore gegen Mattersburg, Anm.). Er ist kopfballstark, arbeitet für die Mannschaft, hat die Präsenz und Aggressivität nach vorne. Er braucht noch Zeit, wird aber sicher bei uns bald seine Qualitäten zeigen.“

Das sagt Vastic über Klemen: „Er ist mehr Backup, da andere Spieler sehr gute bis ausgezeichnete Leistungen bieten. Da wird es für ihn schwer, aber er arbeitet auch sehr gut und trainiert fleißig.“

 

Bernhard Kastler

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