Nothing else Matters(burg)

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"Jetzt wollen wir einfach die Früchte ernten"

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Es ist anders. Anders als vergangenes Jahr. Und noch viel anders als vor zwei Jahren.

2011 hielt der SV Mattersburg nach fünf absolvierten Runden in der neuen Spielzeit bei zwei Punkten. 2010 bei exakt null. 2012 stehen bereits neun Zähler auf dem Konto der Burgenländer.

„Das ist ungewohnt“, lacht Manager Ernst Simmel während die Spieler am Nebenfeld des Pappelstadions ihre Trainingseinheit bei brütender Hitze abspulen.

„Ich bin so stolz auf die Burschen“, freut sich Ines Pucher, Obmann-Tochter und Bürochefin der Grün-Weißen, die zu diesem Zeitpunkt der Meisterschaft eine andere Atmosphäre als früher erkennt.

Keine Überraschung

Sie hat wie alle anderen im Verein mitbekommen, wie die drei vergangenen Jahre an den Nerven gezehrt haben. Jedes Mal gab es nur ein Thema unter den Pappeln: Abstiegskampf.

In dieser Spielzeit ist vieles anders: Drei Siege haben die Burgenländer bereits eingefahren, einen davon zuletzt beim WAC und sie sind als letztes (!) Team der Liga zu Hause ungeschlagen.

„Es ist für mich keine Überraschung“, hält Patrick Bürger klipp und klar fest. Und tatsächlich ist es einfach nur das logische Resultat einer Entwicklung. Kontinuität ist und war das Leitwort des SVM.

„Die Spieler sind gleich geblieben, das ist sicher ein Pluspunkt. Die Jungen haben zwei Jahre Erfahrung sammeln können und jetzt wollen wir einfach die Früchte ernten“, findet es auch der ÖFB-Teamspieler logisch.

Erste Früchte geerntet

Freilich ist es auch für den Feldherrn keine Überraschung, wie die Mannschaft nun auftritt. Vor Jahren hat Trainer Franz Lederer samt den tragenden Vereinsfunktionären den Umbruch gestartet.

„Die Jungs sind nun abgebrühter“, erkennt der längstdienendste Coach der Liga, dem dank seines Obmannes Martin Pucher kein Kampf gegen den Abstieg den Job kostete, die so genannten Früchte.

Bürger beschreibt die vergangenen beiden Jahre mit dem Wort „lernen“, jetzt ginge es ums „Weiterzelebrieren“. Natürlich auf seriöser Ebene. Größenwahnsinnig wird in Mattersburg keiner.

„Ich kenne jeden in meiner Mannschaft, alle werden auf dem Boden bleiben“, so der 25-Jährige. Alle seien sie erdige Spieler, hört man hier immer wieder. Und Ilco Naumoski sei eben „der Ilco“.

Alle zusammen haben sich weiterentwickelt und sind auch dabei, sich vom lästigen „Holzfäller“-Image, das ihnen aufgrund ihrer aggressiven Spielweise immer wieder nachgesagt wird, zu lösen.

Seidl ist der Mann der Stunde

Auch weil die spielerische Linie überhandnimmt. Dafür zeichnet vor allem ein Spieler verantwortlich: Manuel Seidl.

Der Mann der Stunde bei den Mattersburgern, der gegen den WAC den Siegestreffer erzielte und davor beim 1:2 in Innsbruck (Bürger: „Ein Schönheitsfehler“) die Führung besorgte.

Lederer blickt einer noch rosigeren Zukunft entgegen

Der 23-Jährige, der wegen einer Erkrankung für das Heimspiel gegen Ried fraglich ist, gehört neben Bürger zu den heißesten Aktien der Mattersburger.

Nicht erst seit dieser Saison. Aber in jener zeigt sich die Laufmaschine von seiner offensiveren Weise. Er ist nicht mehr starr an seine frühere Sechser-Position gebunden, sondern beackert im Idealfall die rechte Seite.

Hinter ihm kommt ihm mit Patrick Farkas ein offensiv eingestellter Rechtsverteidiger zu Gute. Lederer bezeichnet Seidl als seinen „geheimen Chef“ im Mittelfeld, schließlich ist der bald 130-fache Bundesliga-Spieler kein Didi Kühbauer, der zu schreien weiß.

Noch lange nicht am Ziel

Vor allem diese Umstellung sorgt für neue Mattersburger Höhenflüge, dazu kommen Spieler wie Martin Rodler oder Manuel Prietl, die aus der Ersten Liga kommen, und perfekt ins Gefüge passen. Ein Florin Lovin, von größeren Klubs gejagt, hat sich zudem bewusst für den Dorfklub entschieden.

Eine Art Auszeichnung für den Klub, das weiß auch der Trainer, der sich bereits auf die kommenden Monate freut: „Mattersburg beginnt die Mannschaft zu werden, die wir uns vorstellen. Aber es geht noch besser.“

 Demut wird dabei nicht vernachlässigt, der Trainer betont es oftmals. Aber auch die Spieler.

„Wir wollen mit dem Abstieg weiter nichts zu tun haben, Platz fünf bis sieben ist unser Ziel und wir wollen uns weiterentwickeln“, gibt Bürger den Tenor vor.

Doch eines ist klar: Die Kontinuität, die Mattersburg an den Tag gelegt hat, trägt ihre ersten Früchte.

Und es werden nicht die letzten sein.

 

Bernhard Kastler

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