"Meckis" unwürdiger Abschied

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Von der Admira hingehalten und per SMS abgesägt

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Gelb-blau statt rot-schwarz. Hohe Warte statt Südstadt. Regionalliga Ost statt Bundesliga.

So kann man Markus Katzers Tapetenwechsel beschreiben. Der 35-jährige Routinier wechselte vor einigen Tagen ablösefrei von der Admira zur Vienna.

"Bei dem einen Klub spielt man um den Meistertitel in der Regionalliga, bei dem anderen geht es um den Abstieg. Ich habe immer gesagt, Fußball muss mir Spaß machen – ich spiele nicht um das Geld", begründet der Verteidiger bei LAOLA1 seine Entscheidung. Obwohl er sich nicht wirklich entscheiden musste, da die Admira ihm kein Angebot zur Vertragsverlängerung unterbreitete.

So ganz reibungslos verlief sein Abschied bei der Admira nämlich nicht. Nach dem letzten Saisonspiel in Grödig wurde dem langjährigen Rapid-Linksverteidiger gesagt, sein Vertrag werde verlängert. Erst knapp vor dem Ende seines Urlaubs erfuhr er per SMS, dass eine Vertragsverlängerung doch nicht so sicher sei.

"Das war nicht die feine englische Art", blickt "Mecki" zurück. Böse ist er jenem Verein, bei dem er groß geworden ist und sein Bundesliga-Debüt feierte, aber nicht: "Ich habe in den vielen Jahren gelernt, dass man niemandem vertrauen darf. Ich bin nicht nachtragend und niemandem böse. Wenn sich eine Tür schließt macht sich eine neue auf. Wie jetzt mit der Vienna - ich bin richtig happy."

Wie sich die Situation um seine Vertragsverlängerung wirklich abgespielt hat, die ominöse SMS im urlaub und warum er kein Freund vom Jugendwahn in der Bundesliga ist, verrät Markus Katzer im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Wie ist dein Wechsel zur Vienna zustande gekommen?

Markus Katzer: Ich war mit der Admira in Gesprächen, aber nicht bezüglich einer Vertragsverlängerung. Die Admira hat mir mitgeteilt, dass es aktuell finanziell nicht möglich ist, mir ein Angebot zu unterbreiten. Das wurde mir erst am Tag, an dem das Training wieder begonnen hätte (15. Juni/Anm.), per SMS mitgeteilt. Nach dem Grödig-Spiel wurde aber noch kommuniziert, dass ich bleiben soll, aber es Zeit braucht. Dazwischen hat mich Kurt Gager angerufen, mit dem ich mich daraufhin getroffen habe. Er hat mir ein Angebot in einem Paket unterbreitet, das für mich total interessant war. Es war so interessant, dass ich mit meiner Familie so entschieden habe, das zu machen. Ich will bei dem Projekt Aufstieg in die Erste Liga dabei sein. Ich kann mich sehr gut mit dem Verein identifizieren, die Vienna ist Kult. Ich musste nicht wirklich lange überlegen. Ich bin Wiener, wohne hier – bei der Vienna zu spielen hat schon seinen Reiz.

LAOLA1: Wenn noch ein Angebot der Admira gekommen wäre, hättest du noch ein Jahr in der Bundesliga angehängt?

Katzer: Ganz zum Schluss war es so, dass ich das Angebot der Vienna vorliegen hatte. Die Admira hat dann nochmals alles versucht, mir ein Angebot zu unterbreiten. Da war die Entscheidung aber eigentlich schon gefallen. Ich konnte mich einfach richtig gut mit dem Wechsel anfreunden. Bei dem einen Klub spielt man um den Meistertitel in der Regionalliga, bei dem anderen geht es um den Abstieg. Ich habe immer gesagt, Fußball muss mir Spaß machen – ich spiele nicht um das Geld. Ich will spielen, weil ich noch fit genug bin und es mir Spaß macht. Ich habe dann über das Wochenende überlegt, was ich machen würde und mich im Endeffekt klar für die Vienna entschieden. Die letzten zwei Jahre waren sehr schön, haben aber viel Substanz gekostet.

LAOLA1: Es sieht jetzt so aus, als würde dir die Vienna ein besseres Angebot unterbreiten, als die Admira. Wie kann es sein, dass ein Regionalligist besser zahlt, als ein Bundesliga-Klub?

Katzer: Es gab nur ein Angebot, das war von der Vienna. Somit gab es kein besseres und kein schlechteres, sondern nur eines.

LAOLA1: Angeblich gab es ja auch die Überlegung, dass du in anderer Position bei der Admira bleibst.

Katzer: Das wurde kurzzeitig besprochen. Unter dem Strich waren das alles nur Ideen, die nie konkretisiert wurden. Es wurde nie besprochen, welche Funktion ich genau einnehmen soll. Zum Schluss lautete die Abmachung, dass ich noch ein Jahr spielen soll und in diesem überlegt wird, in welcher Funktion ich im Verein tätig sein könnte. Dieses Thema ist jetzt vom Tisch - was in einem Jahr sein wird, kann man jetzt nicht sagen. Im Fußball ist immer alles möglich, das habe ich in den vielen Jahren gelernt. Im Moment geht es jedenfalls um die Vienna und den Aufstieg.

LAOLA1: Wie stehst du zum Verhalten der Admira, dich so lange hinzuhalten?

Katzer: Ich weiß nicht genau, was passiert ist. Oliver Lederer und der Verein haben mir mitgeteilt, dass ich sehr wichtig bin und mit mir geplant wird. Dann wurde ich zwei Wochen kaum kontaktiert, zu Beginn gab es noch ein paar Gespräche mit Lederer. Es wurde immer gesagt, man müsse zuwarten. Als ich noch im Urlaub war, bekam ich die SMS, in der stand, dass es schwer wird. Mir wurde dann gesagt, es gebe kein Geld, um mir ein Angebot zu unterbreiten. Zuvor wurden aber schon zwei Spieler (Neuhold, Starkl/Anm.) verpflichtet. Mit mir wurde nicht gesprochen, aber zwei anderen konnte ein Angebot gemacht werden. Man kann sich denken, dass ich nicht höchste Priorität genossen habe.

LAOLA1: Das Problem mit dem „Hinhalten“ scheint ein typisches für die Admira zu sein. Wie kann man sich das bei einem Bundesliga-Verein erklären?

Katzer: Dazu will ich mich nicht äußern. Wie gearbeitet wird, will ich nicht beurteilen. Ich kann nur sagen, wie es bei mir war. Das war alles etwas unglücklich.

LAOLA1: Mit Richard Windbichler, Stephan Auer und dir haben drei Führungsspieler den Verein verlassen. Ist die Admira in der kommenden Saison Abstiegskandidat Nummer eins?

Katzer: Drei Führungsspieler, sei es auf oder neben dem Platz, haben den Verein verlassen, das ist Fakt. Stephan Auer war jemand, der immer seine Leistung gebracht hat, er war Leistungsträger und ein sehr wichtiger Spieler. Richard Windbichler war der Kapitän, er war auf und neben dem Platz der Chef. Er war der beste Zweikämpfer der Liga und hat am Ende sogar im Mittelfeld richtig gut gespielt. Und dann gab es mich. Ich habe mit meiner Routine die Abwehr stabilisiert, das sieht man an der Statistik, da braucht man nicht der große Zauberer sein. Ich will gar nicht sagen, dass das nur an mir lag. Auer, Windbichler und ich haben aber sicher einen starken Beitrag geleistet, dass die Admira die Klasse hält. Jetzt sind wir weg. Es wurden zwar Spieler geholt, die Qualität haben, aber sich erst beweisen und die Mannschaft kennenlernen müssen. Außerdem sind sie jung und haben nicht so viele Spiele in den Beinen, wie wir es hatten. Deshalb wird es schwer, das war es aber auch letztes Jahr. Ich werde trotz allem der Admira die Daumen halten, weil ich den Verein ins Herz geschlossen habe.

LAOLA1: Bei der Admira wird, wie in Österreich allgemein sehr stark auf die Jugend gesetzt. Ein Spieler mit über 30 Jahren findet hingegen kaum mehr einen Verein. Wie beurteilst du diese Entwicklung?

Katzer: Ich glaube, man macht zwei Fehler. Zum einen spielt die Admira einfach immer hinten mit, dann heißt es, dass man den richtig Jungen in so einer Situation nicht bringen kann, weil es so brenzlig ist. Dazu müsste man gesichert im Mittelfeld stehen, das schafft die Admira in den letzten Jahren aber nicht. So wird es schwer, die jungen Spieler wirklich einzubauen. Zweitens wird unterschätzt, wie wichtig Spieler sind, die Routine auf den Platz bringen. Nicht nur beim Spiel, auch im Training. Es ist einfach so, dass in einer Mannschaft vernünftige Spieler stehen müssen, die wissen, worum es geht und den Weg vorgeben. Die Jungen ziehen dann mit. Es wird verkannt, wie wichtig Routiniers sind, zu denen unerfahrene Jungs aufschauen können und vor denen sie Respekt haben. Von diesen Spielern sollte vermittelt werden, was es heißt, Profi zu sein. Die jungen Spieler wissen das noch nicht, woher auch? Solche erfahrenen Spieler zu haben, ist einfach wichtig. Die Mischung macht es aus – nur junge Spieler werden nicht funktionieren und von lauter alten Spielern halte ich auch nichts. Ich bin aber der Meinung, dass ein junger Spieler besser sein muss als ein älterer. Es darf nicht sein, dass ein Junger spielt, nur weil er jung ist. Der Beste sollte spielen, egal wie alt er ist. Oft wird leider nur aufs Alter geschaut. Es müssen aber auch die richtigen Alten sein, die alle mitziehen. Wenn einer über 30 ist, heißt es oft: „Wir haben keinen Platz mehr für dich“.

LAOLA1: Das kennst du ja aus eigener Erfahrung.

Katzer: Vor zwei Jahren, als ich von Rapid wegging, war ich 33 Jahre alt und topfit. Es gab bis Mitte August keine einzige Anfrage! Erst dann hat die Admira ein paar Spiele verloren und mich angerufen, davor habe ich nur mit Horn (Erste Liga/Anm.) gesprochen. Jeder hat gemeint, er könne sich mich nicht leisten. Natürlich verdiene ich nicht so wenig ein 17-Jähriger, aber auch nicht das, was ich bei Rapid verdient habe. Bevor man mit jemandem spricht, kann man gar nicht wissen, ob man ihn sich leisten kann. Lustigerweise haben mich, nachdem bekannt wurde, dass ich nicht bei der Admira bleibe, sechs Vereine angerufen. Jetzt frage ich mich, was passiert ist. Ich bin 35 und nicht mehr 33 und von der Admira weg und nicht von Rapid. Es verwundert mich, dass ich jetzt mehr Anfragen habe, als nach meinem Abgang bei Rapid.

LAOLA1: Wird die kommende Saison endgültig deine letzte?

Katzer: Ob das mein letztes Jahr wird, kann ich nicht sagen. Ich muss jetzt die Mannschaft, den Trainer und den Verein kennenlernen. Wenn es in einem Jahr passt, kann man wieder reden. Ich bin in einem Alter, in dem man von Saison zu Saison neu entscheiden muss.

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