"Habe Hyballas Methoden noch nicht gekannt"

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Beim SK Sturm ist der Wurm drin.

Fünf Spiele sind die Grazer ohne Sieg, der Anschluss an die Tabellenspitze wurde längst verpasst und am Dienstag war auch im Cup Endstation.

„Das war eine Riesen-Enttäuschung“, klingt Michael Madl ein paar Tage nach dem 1:2 zu Hause gegen Wacker Innsbruck im Gespräch mit LAOLA1 noch immer etwas geknickt.

„Rapid ist der richtige Gegner“

„Wir hatten nicht den nötigen Killerinstinkt und haben uns nach dem Ausgleich aus dem Tritt bringen lassen“, resümiert der Kapitän die schwache Leistung.

Und jetzt kommt Rapid. „Das ist der richtige Gegner, um sich wieder aufzurichten“, hat der 24-Jährige sein Selbstvertrauen noch lange nicht verloren. „Noch dazu, weil ein volles Haus auf uns wartet.“

Geht die Partie allerdings daneben, wird der ohnehin schon scharfe Ton im medialen Umfeld der Schwarz-Weißen noch rauer. Unter der Woche hat auch Trainer Peter Hyballa mit seinen Aussagen alles andere als zur Beruhigung der Lage beigetragen.

Hyballas Welt der Taktik

„Die Spieler waren taktisch nicht gut geschult“, wurde der Deutsche in der „Kleinen Zeitung“ zitiert. Tags darauf entkräftete er die Kritik an Ex-Trainer Franco Foda, sprach aber immer noch von einer „anderen Ausbildung“, die die Spieler vor seiner Zeit bekamen.

Den neuen sportlichen Weg geht Hyballa bei Sturm nun schon ein Meisterschaftsdrittel lang. Die richtige Spur hat man aber noch nicht gefunden.

„Taktisch ist jeder von uns gut geschult“, sagt Madl, der die Aussagen seines Trainers nur am Rande mitverfolgt hat. „Peter Hyballa ist aber ein Trainer, der ganz andere Sachen verlangt, die wir noch nicht so verinnerlicht haben, wie es sein soll.“

Sind die Methoden des 36-Jährigen derart revolutionär, dass er sein Team damit überfordert? „Ich kann nur von mir sprechen und ich muss sagen, dass ich seine Methoden noch nicht gekannt habe“, so Madl, der immerhin schon auf 110 Bundesligaspiele kommt und in Wien, Innsbruck und Wiener Neustadt mehrere Trainer erlebt hat.

Ohne vollen Einsatz im Training wird man bei Sturm schnell aussortiert

Stammplatz? „Das kann man bei unserem Trainer nie sagen“

Der Obersteirer glaubt aber an das neue System. „Es ist schon besser geworden, wir brauchen einfach endlich wieder ein Erfolgserlebnis.“

Immer öfter in der Kritik steht die dauernde Rotation des Sturm-Trainers. Das Wort „Stammelf“ ist in Graz auch nach elf gespielten Ligapartien ein Fremdwort. Hyballa begründet das mit seiner Forderung nach permanenter Leistung. In Spielen und im Training. Keiner darf sich ausruhen, keiner hat, egal ob Nationalteamspieler oder Klublegende, einen Vorteil.

Geht das auf Dauer nicht gegen die Eingespieltheit einer Truppe? „Wir haben viele gleichwertige Spieler und jeder weiß, was zu tun ist. Ich halte diese Kritik für überbewertet“, meint Madl.

Er bekam fast als einziger permanent das Vertrauen seines Trainers geschenkt und hat sich die Kapitänsbinde erarbeitet. Sicherheit gibt ihm das aber nicht: „Wer spielt kann man bei unserem Trainer wirklich nie sagen.“

Weitere Umstellungen geplant

Von den Wechsel-Spielen des Sturm-Trainers wissen schon so einige Spieler ein Lied zu singen. Darko Bodul etwa. Zu Saisonbeginn noch als „Zehner“ hinter den Spitzen ein Fixpunkt in den Überlegungen von Hyballa, kam er erst zuletzt gegen Innsbruck wieder zu einem Einsatz von Beginn an. Seine Verunsicherung war ihm deutlich anzumerken.

Auch vor der Torwartposition machte das Rotations-Prinzip keinen Halt. Johannes Focher hat Teamgoalie Christian Gratzei, der momentan an einer Knieverletzung laboriert, den Rang abgelaufen.

Für das Spiel gegen Rapid hat der Trainer wieder Änderungen parat. „Es gibt Überlegungen, mit welcher ersten Elf wir Chancen auf den Sieg haben“, formuliert es Hyballa.

Und für diesen Sieg wird es in Graz auch langsam Zeit. Damit nach dem Quecksilber nicht auch der Frust bei den Fans noch weiter in den Keller sinkt. 

Andreas Terler

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