Neue Position, alte Stärke

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Leonardo: Neue Position, alte Stärke

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171 Zentimeter. Nicht gerade viel für einen Mittelstürmer.

Vor allem, wenn man ansonsten den 2,02-Meter-Riesen Stefan Maierhofer gewohnt ist.

Aber Leonardo de Vitor Santiago war der Größen-Nachteil gegen Slovan Bratislava herzlich egal.

Der Brasilianer köpftelte (!) Red Bull Salzburg gegen den slowakischen Meister in Führung und bereitete das vorentscheidende 2:0 durch Zarate mustergültig vor.

Lob von allen Seiten

Die ungewohnte Rolle erwies sich also als absoluter Glücksgriff, wenngleich der 28-Jährige am Ende etwas ausgepumpt war.

„Es ist lange her, dass ich im Sturm gespielt habe. Im Zentrum kostet es viel mehr Kraft.“

Die Gala-Vorstellung ließ die müden Beine jedoch schnell vergessen machen, zumal Leonardo von seinen Teamkollegen mit Lob überhäuft wurde.

„Er war der Allergrößte“, meinte etwa Simon Cziommer.

„Leo kann ein Spiel entscheiden und das ist für uns ganz wichtig“, ergänzte Fränky Schiemer.

Wie Somen Tchoyi

Der ÖFB-Teamkicker fühlte sich bei der Breda-Leihgabe auch ein bisschen an einen anderen Edeltechniker erinnert.

„Ich vergleiche ihn gerne mit Somen Tchoyi. Er hat uns vor zwei Jahren fast im Alleingang zum Gruppensieg geschossen, dafür hast du ihn gegen Kapfenberg oft nicht ansehen können. Aber Spieler mit dieser Kreativität haben eben ihre Auf und Abs.“

Und die hatte auch Leonardo in den letzten Wochen.

Alan fehlt Leonardo

Nach einem verheißungsvollen Start tauchte der Linksfuß in den letzten Wochen etwas ab.

Ein maßgeblicher Faktor für den Durchhänger war der Ausfall von Alan.

Leonardos Landsmann, der mit einem Kreuzbandriss lange ausfällt,  ist nicht nur privat der engste Vertraute, sondern war auch am Spielfeld ein kongenialer Partner.

Kein Verständnis mit Maierhofer

Mit Ersatzmann Maierhofer wurde der Brasilianer bislang noch nicht richtig warm. Vor allem, dass der „Lange“ technisch äußerst limitiert ist, frustrierte den Südamerikaner in den vergangenen Partien immer wieder.

Einfachste Spielzüge klappten nicht so, wie sich Leonardo das vorstellte.

Nach dem Slovan-Spiel konnte man zwischen den Zeilen heraushören, dass die Umstellung von Trainer Ricardo Moniz absolut richtig war.

Leonardo: „Wir haben wieder mehr kombiniert, vor allem mit Zarate hat es gut geklappt. Für mich war es sehr angenehm zu spielen.“

Schwere Zeiten für den „Langen“

Auch Cziommer war froh, dass mit Leonardo als Mittelstürmer die Spielfreude zurückkehrte: „In den letzten Wochen hatten wir Probleme, unser Spiel zu finden. Mit Leonardo als Spitze hat das Kurzpassspiel auch wieder gut funktioniert.“

Maierhofer stehen also schwere Zeiten bevor, denn das Experiment mit Leonardo als Stoßspitze könnte nach Zarates Rückkehr zum Dauerzustand werden.

Die schweren Zeiten hat der UEFA-Cup-Sieger von 2002 dafür endlich hinter sich gelassen.

Moniz verärgert

In Holland war Leonardo als schwieriger Typ verschrien, legte sich mit Trainern und Fans an, war bei den Medien unten durch.

Sehr zum Ärger von Moniz, der Leonardo schon seit Jugendtagen kennt.

„Alle Leute in Holland haben ihn falsch gesehen, deswegen bin ich auch böse. Wie kann man nur ein Talent so falsch einschätzen?“

„Bei Red Bull darfst du deine Individualität zeigen“

Natürlich hätte auch Leonardo Fehler gemacht, aber der 47-Jährige nimmt mehr seine Trainerkollegen in die Pflicht.

„Ich kenne viele Talente wie Leonardo, die kaputt gemacht worden sind. Du musst als Trainer sehr verantwortungsbewusst mit jungen Talenten umgehen. Nicht jeder ist gleich. Bei Red Bull darfst du deine Individualität zeigen“, so Moniz.

Und Leonardo will auch in den nächsten Monaten zeigen, dass sich sein Mentor zu Recht für ihn stark macht.

Kurt Vierthaler

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