"Leipzig kauft, Salzburg setzt ein"

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Mit einer kolportierten Summe von neun Millionen Euro ist Salzburgs belgischer Neuzugang Massimo Bruno als teuerster Kauf der österreichischen Bundesliga bezeichnet worden. Das stimmt nicht ganz.

Wie aus der Transferliste der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vom Mittwoch hervorgeht, wurde der 20-Jährige von RasenBallsport Leipzig erworben und dann an den österreichischen Meister verliehen.

Damit hat das System kaufen, verleihen, tauschen zwischen dem deutschen Zweitliga-Aufsteiger und dem österreichischen Partnerclub, mit dem der für Leipzig und Salzburg in Personalunion verantwortliche Sportdirektor Ralf Rangnick Toptalente zu Red Bull bringt, ein weiteres Mal stattgefunden.

Nach Sabitzer auch Bruno

Das Transfermodell "Leipzig kauft, Salzburg setzt ein" sorgte schon einmal vor einigen Wochen im Fall von Österreichs Jungstar Marcel Sabitzer von Rapid Wien für Aufregung.

Den sechsfachen ÖFB-Teamspieler wollte Rangnick unbedingt für Salzburg verpflichten. Weil Sabitzer eine Ausstiegsklausel für einen Wechsel ins Ausland besaß, nahm er den Umweg über Leipzig.

Sportanwalt Christian Flick sprach damals von "schiefer Optik" und konstatierte die "Missachtung" von Compliance-Regeln.

U21-Teamspieler Bruno hatte bereits bei seiner Vorstellung in Österreich betont: "Mit Anderlecht konnte ich ja schon in der Champions League spielen, dasselbe mit meinem neuen Club zu erreichen, ist ein großes Ziel. Und auch die Perspektiven, die über RB Leipzig bestehen, sind für mich außerordentlich spannend."

"Synergien und Karriereperspektiven"

Dass ein deutscher Zweitligist zwei europäische Toptalente an einen Champions-League-Teilnehmer verleiht, wäre anderswo undenkbar.

In der Fußball-Welt von Red Bull nennen sie es "Synergien" und "Karriereperspektiven", die Rangnick sehr schätzt: "Wenn wir einen Spieler entdecken, dann geht es nur noch darum, dass ich entscheiden muss, ist es eher einer für Salzburg oder eher einer für Leipzig."

Neben Leipzig und Salzburg gehören noch eine Profimannschaft in New York, eine Akademie in Jarinu nördlich von Sao Paulo und eine - nicht aufstiegsberechtigte - Ausbildungsmannschaft im Salzburger Stadtteil Liefering zum Fußball-Imperium von Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz.

Der Austausch zwischen den Standorten gehört zum System. Die Verantwortlichen betonen bei internen Transfers, dass es von Vorteil ist, dass die Spieler bereits zur Familie gehören und die Philosophie kennen.

Konzerninterne Spieler-Wechsel

Das half im Winter, als sich Leipzigs Rechtsverteidiger Christian Müller in einem Testspiel schwer am Knie verletzte. Rangnick hatte für diese Position keinen Transfer geplant, doch bereits am nächsten Tag konnte er einen Ersatz präsentieren: Georg Teigl, zuvor Ersatzspieler in Salzburg, schloss die entstandene Lücke.

Im Sommer wechselte Stefan Hierländer aus Salzburg nach Leipzig. Die Brasilianer Felipe Pires und Lucas Venuto, beide bei Red Bull Brasil ausgebildet, spielen nun in Liefering, nachdem sie zuvor Leipzigs A-Jugend in die Bundesliga schossen.

Und auf der Torhüterposition gab es einen Ringtausch: Thomas Dähne ging nach Leipzig, nachdem er bisher bei Liefering spielte. Im Gegenzug soll Leipzigs Fabian Bredlow, deutscher U19-Nationaltorhüter, in Liefering als Stammtorhüter Erfahrung sammeln. Seinen Platz in der Leipziger A-Jugend nimmt Alexander Schlager ein, der wiederum bisher in Salzburg aktiv war.

Vorbild Andre Ramalho

Als Vorbild gilt der Brasilianer Andre Ramalho. Der 22-jährige Verteidiger hat den Sprung geschafft - von Jarinu über Liefering nach Salzburg.

"Wir versuchen, gute Spieler zu entwickeln und sicherzugehen, dass sie überall spielen können, jederzeit", sagt Nachwuchsleiter Carlos Andrade von Red Bull Brasil.

Egal also, ob in Leipzig oder bei Österreichs Zweitligist Liefering, Salzburg oder Sao Paulo.

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