Die ganze Bundesliga muss bluten

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Es ist ein blutiges Ritual. Fast schon grausam.

Tausende Menschen werden Jahr für Jahr am Ohr aufgeschnitten. Wir kennen die Bilder, doch niemand tut etwas dagegen…

Okay, das war jetzt überzeichnet. Doch mit einer Portion mehr Ernst: Warum müssen sich Profi-Kicker rund um den Globus tatsächlich zu Beginn jeder Vorbereitung einem Laktat-Test unterziehen?

Diese Frage dürfte sich auch so mancher Fußballer selbst stellen. Fakt ist, dass er in der heimischen Bundesliga stets den Auftakt der Vorbereitung darstellt.

Doch was bringt das Bescheidwissen über Laktat-Werte nun genau? Wir gehen den Kernfragen rund um die Tests nach:

Was ist Laktat?

Laktat ist das Salz der Milchsäure. Um zu erklären, was es in unserem Körper verloren hat, müssen wir ein wenig ausholen: Im Wesentlichen gibt es im Muskel zwei Arten des Energie-Stoffwechsels. Mit Sauerstoff (aerob) oder ohne Sauerstoff (anaerob), wobei der Übergang fließend ist. Umso schneller ich laufe, desto mehr muss ich atmen, um meine Muskeln mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen.

Komme ich über eine gewisse Intensität hinaus, reicht die aerobe Energie-Bereitstellung nicht mehr aus, der anaerobe Teil nimmt zu. Unter Sauerstoff-Schuld entsteht das Stoffwechsel-Endprodukt Laktat. Dieses wird zwar fortwährend abgebaut, doch ab einem Laktat-Wert von rund 4 mmol/l (Mengen-Angabe Milli-Mol pro Liter Blut) überwiegt der Aufbau. Man spricht von der anaeroben Schwelle.

Der Muskel „übersäuert“ in Folge. Dies kann soweit führen, dass die fraglichen Muskelgruppen sogar den Dienst verweigern. Jeder kennt das Gefühl, wenn die Beine beispielsweise nach einem 400m-Sprint schwer wie Blei sind.


Was wird bei einem Laktattest ermittelt?

Es wird festgestellt, bei welcher Belastung die anaerobe Schwelle eines Sportlers liegt. Dafür gibt es verschiedene Test-Anordnungen. Eine mögliche: Ein Kicker muss jeweils drei Minuten lang zehn, zwölf, 14, 16, 18 und 20 km/h schnell laufen. Nach jeder Belastung wird ein kleiner Bluttropfen zur Laktat-Überprüfung genommen. Aus praktischen Gründen wird dazu gerne das Ohrläppchen gewählt.

Nach Auswertung der Ergebnisse wird eine Kurve errechnet, aus der sich ablesen lässt, bei welcher Geschwindigkeit bzw. bei welcher Herzfrequenz (die Probanden tragen während des Tests Pulsmesser) die anaerobe Schwelle liegt.

ERKLÄRUNG GRAPHIK: Es sind zwei Lauftests (rot und blau) abgebildet. Auf der linken vertikalen Achse ist die Herzfrequenz (Schläge/Min) vermerkt, auf jener rechts das Laktat (Millimol/Liter). Auf der X-Achse die gelaufenen km/h. Die Zickzack-Linie oben ist der Verlauf der Herzfrequenz während des Tests, die ansteigende Kurve unten die Entwicklung der Laktat-Bildung.


Generell gilt:

-          Je besser der Ausdauer-Zustand eines Sportlers ist, umso später überwiegt im Test-Ablauf der anaerobe Stoffwechsel-Anteil. (Kurven oben: rot bei 18 km/h und blau bei fast 20 km/h)

-          Je besser der Ausdauer-Zustand eines Sportlers ist, umso höher sind die Belastungen, die er im überwiegend aeroben Bereich meistern kann.

-          Je besser der Ausdauer-Zustand eines Sportlers ist, umso schneller baut er nach einer Belastung Laktat wieder ab.

-          Je "bauchiger" die Kurve ist, umso besser die Ausdauer-Fähigkeit eines Sportlers. (Kurven oben: blau ist besser als rot)

 

Wozu werden die Ergebnisse verwendet?

Mithilfe der Kurven und Schwellen einzelner Sportler können sich Betreuer ein objektives Bild über den Fitness-Zustand von Spielern machen. Zudem werden die Kenntnisse zur Trainingssteuerung verwendet.

Schwachstellen im konditionellen Bereich können identifiziert und mit Schwerpunkt-Einheiten in den jeweiligen Belastungs-Segmenten zielgerichtet behoben werden.

Reinhold Pühringer/Harald Prantl

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