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"Wir können uns auf keinen Poker einlassen"

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Nach der vom 1. FC Köln nicht erteilten Freigabe für Manfred Schmid beginnt die Suche nach einem neuen Trainer bei der Wiener Austria von vorne.

Der 43-jährige Wiener galt als Wunschkandidat Nummer eins und hätte den Veilchen das Veto seitens der Domstädter nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht, hätte es wohl im Laufe der nächsten Tage eine Vollzugsmeldung gegeben.  

„Ich gebe zu, dass das Gespräch mit Manfred Schmid in der vergangenen Woche sehr positiv war. Wir hätten wahrscheinlich in einer zweiten Runde bezüglich Vertragslaufzeit, Bezüge, Trainerteam eine Lösung gefunden“, gesteht AG-Vorstand Markus Kretschmer bei LAOLA1.

Doch daraus wird jetzt nichts.

Nach den Ereignissen der letzten 24 Stunden ergeben sich in Wien-Favoriten einige neue Fragen. Warum sind die Verhandlungen so schnell abgebrochen worden? Gibt es in der „Causa Schmid“ noch ein Hintertürl? Wie sieht Plan B aus?

LAOLA1 gibt gemeinsam mit Kraetschmer die Antworten:

Wieso scheiterten die Gespräche mit Köln?

Bereits nach recht kurzer Zeit war abzusehen, dass sich die beiden Parteien bezüglich der Ablösesumme nicht einigen können. Daher wurden die Verhandlungen am Montagnachmittag als beendet erklärt. „Ich habe zwei Mal mit Herrn Schmadtke telefoniert. Wir sind relativ schnell zum Punkt gekommen. Das Angebot von uns und jenes von Köln liegt soweit auseinander, dass es wohl keine Möglichkeit gibt, eine Brücke zu bauen. Köln wollte daraufhin den Schmid-Verbleib medial bekanntgeben. Das ist in Ordnung. Aus diesen Gründen – und das wusste auch Manfred – haben wir immer gesagt, dass wir mit mehreren Kandidaten Gespräche führen. Es bringt nichts, sich nur auf einen zu konzentrieren, der auch noch wo anders unter Vertrag steht“, berichtet Austrias Finanz-Experte.

Wird es einen weiteren Versuch geben, Schmid noch nach Wien zu lotsen?

Grundsätzlich ist im Fußball alles möglich. Beispiele bestätigen die Regel. Der Transfer von Philipp Hosiner von der Admira zur Austria vor zwei Jahren galt ebenfalls bereits als gescheitert. Schlussendlich landete der Burgenländer doch bei den Violetten. Diesmal dürfte die Entscheidung jedoch endgültig sein, auch, weil den Veilchen die Zeit davonläuft. „Wir haben unseren Standpunkt erklärt, Herr Schmadtke seinen. Wir sind so realistisch und sagen: Das geht dann nicht. Wir konzentrieren uns auf andere Namen auf unserer Liste, wollen weiterhin die Trainerfrage bis Ende Mai geklärt haben. Wir können uns nicht auf einen wochenlangen Poker einlassen.“

Empfindet man die Kölner Vorgehensweise als eine Retourkutsche für Peter Stöger?

Ob tatsächlich etwas dahintersteckt, werden nur die betroffenen Personen wissen. Es konnte einfach finanziell keine Übereinkunft getroffen werden. Köln verlangte kolportierte 400.000 Euro Ablöse. Ob zu hoch oder nicht, Kraetschmer hält von der Retourkutschen-Theorie gar nichts: „Alles ist sehr professionell abgelaufen. Es gab nicht einmal den Anflug einer Retourkutsche. Nachdem von beiden Seiten die Standpunkte am Tisch waren, hat man einfach nicht zueinander gefunden. Wir haben letztes Jahr rund um unseren Meistertrainer Peter Stöger sehr hart verhandelt. Wir wussten einfach welche Kraft und Kapazität er hat. Schmid durfte damals zwar ablösefrei nach Deutschland gehen, hat jetzt aber einen laufenden Vertag. Köln hat um ihn gekämpft und in den Verhandlungen einfach Härte gezeigt – That’s it."

Welcher Trainer liegt nun in der Pole Position?

Namen wie Gerald Baumgartner, Damir Candir, Franco Foda oder Thorsten Fink geistern schon länger durch die Medien. Doch so wie in den vergangenen Jahren lassen sich die FAK-Verantwortlichen nicht in die Karten schauen. „Ich beteilige mich nicht am "Name-Dropping". Es gibt eine Liste von nationalen und internationalen Kandidaten, die von uns in den Fokus gerückt wurden. Eine spezifische Reihenfolge gibt es nicht“, kommentiert der 42-Jährige.

Welches Anforderungsprofil ist gesucht?

Nach einigen Fehlgriffen in der Trainerbestellung in jüngerer Vergangenheit sollte ein weiterer vermieden werden – noch dazu nach einer enttäuschenden Liga-Saison, wie die letzte eine war. Daher muss der neue Mann einige Aspekte erfüllen. „Für die Gespräche ist der Fragen- bzw. Themenkatalog länger geworden, weil wir aus den letzten Jahren viel gelernt haben. Die darauf aufgeführten Themen werden mit den Kandidaten durchgesprochen. Wir wollen einen Trainer, der zum Klub passt. Es geht nicht nur um ein Spielsystem oder sportliche Sachen, sondern das Repräsentieren der Marke Austria Wien und seinem Umfeld. All das versuchen wir einfließen zu lassen. Dann treffen wir die Wahl.“

Kraetschmers Reaktion auf Bjelicas Kritik:

Ex-Austria-Coach Nenad Bjelica nahm sich zuletzt im LAOLA1-Interview kein Blatt vor dem Mund und kritisierte das Umfeld der Veilchen. Kraetschmers Reaktion: „Ich hatte mit Nenad Bjelica im Zuge der Vertragsmodalitäten noch ein persönliches Gespräch in der letzten Woche. Was ich mit ihm intern besprochen habe, soll intern bleiben. Nur soviel: Bei seiner Bestellung habe ich ihm gesagt: Austria Wien ist wahrscheinlich ein anderer Klub, als jene, die du bisher kanntest. Egal ob als Spieler oder Trainer. Das ist ein Geheimnis, warum die Austria nach der Stronach-Ära dort ist, wo sie ist. Es gibt Strukturen mit Klub-Gremien. Damit muss man sich befassen. Es gibt einen Aufsichts- und einen Verwaltungsrat  sowie ein Kuratorium. Das gibt uns die wirtschaftliche Basis. Dadurch ist es legitim, das etwa die Trainerfrage in solchen Gremien entschieden werden. Ein Trainer bei der Austria muss sich dem stellen. Das wusste Nenad aber bereits nach unserem ersten Gespräch im letzten Sommer. Ich wünsche ihm für seine Zukunft jedenfalls alles Gute. Vielleicht profitiert er irgendwann von den gesammelten Erfahrungen."

 

Martin Wechtl

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