Vereinsgelder für Casino- und Bordell-Besuche

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Am Grazer Straflandesgericht ist am Dienstag der Prozess gegen Hannes Kartnig und sieben Mitbeschuldigte aus dem Umfeld des Fußball-Bundesligisten Sturm Graz fortgesetzt worden - und das gleich mit einer Ausweitung der Anklage:

Nach einer Anzeige der Finanz im Sommer werden dem Ex-Sturm-Präsidenten nach 1,7 Mio. Euro Steuerhinterziehung noch weitere 1,557 Mio. Euro angelastet.

Kartnig plädiert weiter auf unschuldig

Kartnig wurde dabei emotional: "Ich bin nicht schuldig, das ist nach meiner Ansicht alles geklärt", worauf auch sein Verteidiger Michael Pacher bestand.

Dem ehemaligen Präsidenten des Clubs wird schwerer Betrug, betrügerische Krida, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Laut Staatsanwalt Johannes Winklhofer geht es um an der Finanz vorbeigeschleustes Geld aus Kartnigs Werbefirma - u.a. Geld aus Umsatz-, Kapitalertrags- und Körperschaftssteuer.

Kartnig-Verteidiger Pacher führte aus, dass dieser Vorwurf schon vor vier Jahren entkräftet werden habe können.

Gutachter Fritz Kleiner habe keinen Anlass gesehen, diese Angelegenheit miteinzubeziehen und seine Darstellung sei von den Finanzbehörden als "mehr als schlüssig anerkannt" worden.

Staatsanwalt Johannes Winkelhofer

Bordell-Besuche auf Vereinskosten

Bei der Befragung des früheren Inhabers eines Bordells, in das Spieler und Funktionäre und Schiedsrichter auf Vereinskosten gegangen sein sollen, brachte wenig: Der offenkundig sehr kranke, von der Rettung zur Verhandlung gebrachte Mann war zwar sehr launig, konnte sich aber an keine Gäste erinnern, weil er selten im Lokal gewesen sei.

Zudem widerrief der mitangeklagte Sturm-Sekretär seine seinerzeitige Angabe, Schiedsrichter wären ebenfalls dort gewesen: "Ich habe das damals in der ersten Emotion gesagt".

Fortsetzung erst im September

Der Prozess wird nun am 13. September um 9.00 Uhr mit der Befragung von Zeugen der Casinos und der Finanz fortgesetzt, ebenso am 14. September, Sachverständiger Fritz Kleiner wird dabei sein Gutachten vortragen.

Am 20. September folgen die Schlussvorträge, am Tag darauf die Beratung des Gerichts unter Vorsitz von Karl Buchgraber.

Das Urteil soll am 22. September verkündet werden.

Liegt das Geld am Roulette-Tisch?

Ein als Zeuge aufgerufener Finanzprüfer äußerte den Verdacht, dass das Geld im Casino eingesetzt worden sein könnte. Dies war auch bereits bei der Verhandlung am 15. Juni erörtert worden.

Der Finanzbeamte erklärte anhand von Casino-Unterlagen, dass der Ex-Sturm-Zampano in den Jahren 1998 bis 2006 rund 2,7 Mio. Euro verspielt hatte. Die Herkunft dieses Geldes sei nicht nachvollziehbar, so der Beamte.

Kartnig dazu in gewohnt emotionaler Art: "Na, das kann nicht stimmen, da handelt es sich nur um Hilfsaufzeichnungen der Croupiers, ich hab' schon verloren, aber die Summe ist mir nicht bekannt. Ich bin immer fleißig gewesen und habe immer genug verdient, ich habe mir das Spielen leisten können".

Sachverhalt schwierig zu klären

Man wolle ihn nur anpatzen, so Kartnig in Richtung Staatsanwalt.

Verteidiger Pacher wollte von dem Beamten wissen, ob er Kartnig je befragt habe, ob das Geld auch von anonymen Sparbüchern gekommen sein könnte.

Dieser antwortete, er sei davon ausgegangen, dass Kartnig alle Konten offengelegt habe, denn waren vorzulegen, auch anonyme.

Der Sachverhalt zu den ungeklärten Geldflüssen dürfte schwierig zu klären sein, da es nach übereinstimmender Ansicht von Gutachter und Finanzprüfer keine Buchhaltung im privaten Bereich Kartnigs gebe, "keinen geschlossenen Kreis".

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