"Das ist diskriminierend"

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Streit um Verlesungen verzögert Kartnig-Prozess

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Im Grazer Straflandesgericht hat sich am Mittwoch das Urteil im Prozess gegen Hannes Kartnig und sieben Mitbeschuldigte aus dem Umfeld des Bundesligisten Sturm Graz wieder verzögert.

Da die Verteidiger einzelne Teile aus dem Akt wörtlich vorgelesen haben wollen, konnten vorerst keine Plädoyers stattfinden.

Kartnig wird schwerer Betrug, betrügerische Krida, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Richter spricht Drohung aus

Nach fast einem Jahr Verhandlung ist zwar das Beweisverfahren abgeschlossen, doch dann gab es plötzlich keine Einigung darüber, was aus dem Akt nun noch verlesen werden soll und was nicht.

Richter Karl Buchgraber drohte bereits mit der Verlesung des gesamten Konvoluts, doch das hätte eine mehrwöchige Verzögerung bedeutet.

Am Mittwoch versuchte man also, sich auf bestimmte Teile zu einigen, was nicht so einfach war, kochten doch die Emotionen immer wieder hoch.

Schrei-Duell der Anwälte

Die Verteidiger wollten alle möglichen Teile hören, andere Passagen wiederum auf keinen Fall.

"Sie kommen mit Ihrer Verteidigung nicht zusammen", ätzte Staatsanwalt Johannes Winklhofer, was empörte Schreie von der Verteidigerbank zur Folge hatte.

"Das ist keine Talkshow, sondern eine Gerichtsverhandlung", rief ein Anwalt schließlich. "Vielleicht ist es sinnvoller, wenn nur einer spricht", brachte sich der Richter in gewohnter Milde in die verbalen Auseinandersetzungen ein.

"Das ist diskriminierend"

Um den Streit wegen der Verlesung abzukürzen, schlug der Ankläger vor, gleich den gesamten Akt zu verlesen.

"Der Herr Staatsanwalt führt die Justiz in den Abgrund mit seinen Anträgen", kam es daraufhin äußerst dramatisch von einem Verteidiger.

"Das ist diskriminierend", ermahnte ihn der Richter, doch die Schreiereien nahmen kein Ende.

Urteil noch in dieser Woche?

Immerhin einigte man sich nach über einer Stunde darauf, dass man gemeinsam - aber außerhalb der Verhandlung, die auf Donnerstag vertagt wurde - eine Liste mit jenen Teilen des Akts erstellen werde, die dann vorgelesen werden sollen.

Sollte das tatsächlich klappen, könnten am Donnerstag nach den Verlesungen schon erste Plädoyers folgen.

Die restlichen würden dann am Freitag zu hören sein, und dann würde es tatsächlich in dieser Woche noch ein Urteil geben.

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