Kartnig jahrelang ins Gefängnis

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Kartnig-Prozess: Deftige Strafe für "Zar Hannes"

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Einst ist er als Retter des SK Sturm Graz und als erfolgreichster Klubpräsident der steirischen Fußball-Geschichte gefeiert worden.

Mit mehr als fünf Jahren Abstand weiß man um die unlauteren Methoden, mit denen sich Hannes Kartnig seinen Status erworben hatte.

Der 60-jährige Steirer wurde am Freitag wegen schweren Betrugs, grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen und Steuerhinterziehung erstinstanzlich zu fünf Jahren unbedingter Haft sowie einer Geldstrafe von 6,6 Millionen Euro verurteilt.

Unbedingte Geldsrafe für Schilcher

Der Ex-Sekretär des Vereins wurde zu einer Geldstrafe von 2,327 Mio. verurteilt. Sollte er nicht zahlen, muss er eine vorerst bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten antreten.

Der ehemalige Sturm-Sportdirektor Heinz Schilcher erhielt wegen Steuerhinterziehung eine unbedingte Geldstrafe in Höhe von 1,895 Mio. Euro.

Auch alle anderen Angeklagten sind für schuldig befunden worden. Die fünf ehemaligen Funktionäre des Vereins wurden am Freitag im Straflandesgericht Graz zu Geldstrafen von 1,3 Mio. bis 3,8 Mio. Euro verurteilt.

Urteile nicht rechtskräftig

Weiters wurden teilweise bedingte Haftstrafen in der Höhe von sechs bis zwölf Monaten verhängt. Vom Vorwurf der betrügerischen Krida wurden alle Angeklagten freigesprochen.

"Für die Beitragstäter genügt es, dass sie die Tat des Haupttäters kennen, was von den Vorstandsmitgliedern angenommen werden muss", begründete Richter Karl Buchgraber die Verurteilungen.

Kartnig habe "einen Personalaufwand getrieben, der in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Lage des Vereins gestanden ist", führte der Richter weiter aus.

Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Ende eines Gerichts-Marathons

42 Verhandlungstage hatte es gebraucht, bis es in dem Verfahren rund um den Bundesligisten Sturm Graz zu einem Urteil gekommen ist.

Der Schöffensenat hatte sich mehr als elf Monate lang zahlreiche Zeugen, Gutachter und immer wieder die Verteidiger angehört.

Hauptangeklagter war Hannes Kartnig, der laut Staatsanwalt nicht nur die Steuerhinterziehung begangen sondern auch bei den Schwarzeinnahmen und -zahlungen der Drahtzieher gewesen sein soll, war zu Beginn des Verfahrens noch guter Dinge gewesen.

Kartnig immer teil-geständig

Zur Steuerhinterziehung war er immer geständig, "aber ich habe keinen Betrug gemacht", wie er immer wieder lautstark betonte.

Der ehemalige Sturm-Sekretär hatte Kartnig belastet und angegeben, der damalige Präsident habe angeordnet, Eintrittskarten schwarz zu verkaufen.

Dadurch wurden sowohl die Bundesliga als auch der steirische Fußballverband geschädigt, da sie durch die falsche Abrechnung weniger an Abgaben für die einzelnen Spiele erhielten.

Doch Kartnig hatte seinerseits die Schuld auf den Sekretär geschoben und gemeint, dieser habe dieses System installiert, er habe es nur weitergeführt.

Konkurs vorhersehbar

Den angeklagten ehemaligen Funktionären wurde vorgeworfen, von den Schwarzzahlungen an die Spieler gewusst und nicht rechtzeitig die Zahlungsunfähigkeit des Vereins erkannt zu haben.

Ex-Sportdirektor Heinz Schilcher musste sich verantworten, weil er für die Aushandlung der Veträge mit den Fußballern - inklusive Sonderzahlungen, die an der Finanz vorbei getätigt wurden - verantwortlich gemacht wurde.

Der Konkurs des Fußballvereins erfolgte 2006, obwohl er bereits 2002 "objektiv errechenbar" gewesen wäre, so Gutachter Fritz Kleiner.

Wieviel ist ein Spieler wert?

Ein heiß umstrittenes Thema während des gesamten Prozesses war der tatsächliche oder fiktive Wert der Spieler. Es gebe dafür keine klaren Richtlinien, die Transferkosten seien keinesfalls mit stillen Reserven gleichzusetzen.

"Das heißt nicht, dass der Spieler nichts wert ist, nur, dass das in einer Bilanz nicht dargestellt werden kann", so Kleiner dezidiert.

Doch alle Rechnungen und Berechnungen hatten ein Ende, als es am 42. Tag nach vierstündiger Beratung endlich zu einem Urteil durch den Schöffensenat kam.

Untersuchungshaft 2007

Schon von Mai bis Juli 2007 saß Kartnig wegen seiner Vergehen in Untersuchungshaft.

Ein halbes Jahr zuvor hatte seine Präsidentschaft für Sturm in einer existenziellen Krise geendet.

Der Verein kam mit einem blauen Auge davon, schaffte den Zwangsausgleich und wurde 2011, nur vier Jahre nach der Konkurseröffnung, schon wieder österreichischer Meister.

Sturm kann es auch ohne "Zar" Hannes, der sich gerne als Alleinherrscher präsentiert hat.

Neigung zum Selbstdarsteller

Kartnig hat immer zur Selbstdarstellung geneigt - ob bei der Hochzeit mit seiner zweiten Frau Claudia, zu der er 2003 von seinem Trauzeugen Frank Stronach eine Weltreise geschenkt bekommen hat, oder im "Golden VIP Club" des damaligen Arnold-Schwarzenegger-Stadions, in dem er die Champions-League-Spiele von Sturm verfolgte.

Dreimal führte Kartnig die Grazer in die europäische Königsklasse, 2000/01 mit dem Gruppensieg sogar bis in die Zwischenrunde.

Auf der Erfolgswelle schwamm es sich leicht, "Polterer" Kartnig scheute auch keine Konfrontation. "Er hatte Mut. Und Eier wie Wassermelonen", sagte sein früherer Langzeit-Trainer Ivica Osim im Herbst in einem APA-Interview über den Ex-Präsidenten.

Kreative Finanzgebarung

Dabei war der legendäre Bosnier vor neun Jahren im Unfrieden mit Kartnig von Sturm geschieden. Auch die Champions-League-Einnahmen - mehr als 20 Mio. Euro brutto - waren schnell verprasst. 3,5 Mio. Euro gab Kartnig 2001 alleine für Transferflop Charles Amoah aus.

Der "Sonnenkönig" steckte aber auch eigenes Geld aus seiner Außenwerbungsfirma, in der mittlerweile Sohn Gerald (40) als Geschäftsführer fungiert, in den Verein.

Die Finanzgebarung bei "Kartnigs Perspektiven Ankündigungs GmbH" war mitunter eine ebenso kreative wie bei Sturm. Da wurden schon einmal ein Rolls Royce oder ein Aquarium samt darin befindlichem Hai als betriebliche Ausgaben angeführt.

Der Steuerhinterziehung hatte sich Kartnig in seinem zehnmonatigen Prozess für schuldig befunden.

Erster Meistertitel der Vereinsgeschichte

Bei Sturm hatte der Selfmade-Millionär, der von 1989 bis 1996 auch dem Eishockey-Erstligisten EC Graz vorgestanden war, im Dezember 1992 in einer schweren sportlichen und finanziellen Krise das Zepter übernommen.

Unter seiner Regentschaft wurden die Grazer 1998 als erster steirischer Klub österreichischer Fußball-Meister.

Neben einer erfolgreichen Titelverteidigung samt Champions-League-Teilnahmen gab es in der Kartnig-Ära auch drei Cupsiege zu bejubeln.

In Schülermannschaft des GAK

Durch die Erfolge verzieh man ihm sehr viel. Bis Kartnig im Oktober 2006 mit Tränen in den Augen den "schwersten Gang meiner Karriere" antreten musste - jenen zum Konkursrichter.

Sturm war dem ehemaligen Goldschmied-Lehrling aus Gleisdorf ans Herz gewachsen. Dabei hatte Kartnig in der Schülermannschaft des GAK zu spielen begonnen.

Dem jungen Kicker missfiel dort jedoch das Klima und er wechselte ins Lager des schwarz-weißen Stadtrivalen.

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