Matej Jelic: So tickt der untypische Beric-Nachfolger

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Eine undankbare Rolle.

Er ist neu, kam in den letzten Stunden des mittlerweile geschlossenen Transferfensters und weiß selbst noch nicht so recht, wie ihm geschieht.

Und trotzdem wird Matej Jelic bei Rapid vorerst einmal mehr als jeder andere Neuzugang bzw. Kaderspieler im Blickpunkt stehen.

Schließlich soll er jene Lücke schließen, die Robert Beric aufgrund seines Wechsels zum französischen Rekordmeister St. Etienne hinterließ.

Wahrlich keine einfache Aufgabe, wenn man sich das vom Slowenen Geleistete vor Augen führt. Außerdem ist sein kroatischer Nachfolger anders, ganz anders.

Jelic strebte nach Höherem

Seine ersten Schritte auf neuem Terrain erschweren sprachliche Barrieren. Kein Deutsch, kaum Englisch - da müssen Dolmetscher her.

Zoran Barisic etwa, aber auch Srdjan Grahovac, Deni Alar und Mario Pavelic können helfen. Letzterer erledigte dies beim ersten offiziellen Auftritt mit Bravour, in Zukunft soll ein Deutschkurs die Kommunikation erleichtern.

"Ich weiß seit mittlerweile einer Woche von Rapids Interesse. Ich wollte unbedingt zu einem größeren Klub, in einer stärkeren Liga", verrät Jelic nach dem ersten Trainings-Auftritt gegenüber LAOLA1.

Die internationalen Auftritte Rapids imponierten ihm, über die Bundesliga weiß er jedoch wenig, außer:

"Ich wusste, dass der Trainer und ein paar andere kroatisch können. Außerdem haben mich die Rapid-Fans im TV extrem überzeugt. Es wird ein Traum, vor so einer Kulisse zu spielen."

Ein Henry-Fan auf Jelavic' und Kranjcars Spuren

Mehr Vorwissen hat er bezüglich seiner Vorgänger. Er will sich mit ähnlich vielen Toren wie Beric ins Rampenlicht spielen und Rapid helfen.

Vor allem Nikica Jelavic und Zlatko Kranjcar verbindet Jelic mit seinem neuen Arbeitgeber. Dabei gibt es eine interessante Parallele: Bei seinem Ex-Klub Karlovac spielte er mit Tihomir Jelavic zusammen, dem Bruder des heutigen West-Ham-Legionärs.

Die ersten Eindrücke von Wien und Neo-Klub Rapid sind durchaus positiv: "Ich weiß, dass es der beste Verein in Österreich ist, der auch auf Platz eins steht. Hier wird guter Fußball gespielt."

Jelic outet sich als Arsenal- und Barcelona-Fan, hat zu seinen aktiven Zeiten am liebsten Thierry Henry auf die Beine geschaut.

Bei seiner Vorstellung in der Kabine mit den Worten "Ich bin Matej" gab es Applaus von seinen neuen Kollegen. Er selbst bezeichnet sich als offenen Typen, der sich auch im Ausland und einem neuen Umfeld schnell zurecht findet.

In der Heimat Kroatien gescheitert

Beric kannte die Bundesliga vor seinem Rapid-Engagement bereits, auch wenn er bei Sturm Graz schlussendlich nicht glücklich wurde. Zudem kam er aus seinem Heimatland, spielte bereits bei NK Maribor eine gute Rolle und profitierte von Darko Milanic.

Jelic hingegen – mit 24 Jahren gleich alt wie sein Vorgänger – hat bereits viele Vereine auf seiner Vita stehen.

Alleine in seiner Heimat waren dies sein Jugend- und Dorfklub NK Belisce, danach die U19 von Dinamo Zagreb, NK Lokomotiva, NK Lucko, Karlovac 1919 und NK Rudes. Bei keinem Klub hielt er sich länger als ein Jahr auf, meist endete das Gastspiel bereits nach wenigen Monaten.

Die Torausbeute? Mager. Für die damaligen Erstligisten Lokomotiva, Lucko und Karlovac erzielte der Angreifer zwischen 2009 und 2012 in insgesamt 44 Spielen nur zwei Tore.

Bei seiner Zweitligastation Rudes kam Jelic immerhin auf fünf Tore in 23 Einsätzen – doch der Durchbruch in seinem Heimatland blieb ihm versagt.

Erst in der Slowakei für Rapid empfohlen

Deshalb musste ein Ausweg her. Schlussendlich sollte sich der Gang in die Slowakei zu MSK Zilina als goldrichtig herausstellen. Denn aus dem harmlosen Stürmer wurde ein Goalgetter, der sich in den Notizblock der Rapid-Verantwortlichen spielte.

Nach vier Liga-Toren (32 Spiele) in der Premierensaison wurde er in der vergangenen Spielzeit mit 19 Volltreffern in 29 Spielen Torschützenkönig und hinterließ auch zum Saisonbeginn 2015/16 mit sechs Toren in sechs Spielen seine Duftmarke.

Zusätzlich netzte Jelic in sieben Spielen der Europa-League-Quali sieben Mal und scheiterte mit Zilina erst aufgrund der Auswärtstorregel im Playoff gegen Athletic Bilbao.

Rapids Sportdirektor Andreas Müller war sich lange Zeit nicht sicher, ob ein Transfer in letzter Sekunde Sinn macht und sprach Deni Alar, Philipp Prosenik und Tomi das Vertrauen aus.

Kann Jelic die Lücke füllen?

Im Endeffekt ließ sich die sportliche Führung aber doch dafür feiern, in so kurzer Zeit zumindest von der Torquote her einen vielversprechenden Ersatz zu präsentieren.

Die Scouting-Abteilung hatte den Spätstarter schon länger auf der Kandidaten-Liste, auch Co-Trainer Carsten Jancker wurde bei einer Spionage-Reise überzeugt.

„Ich blicke der Zusammenarbeit mit Zuversicht entgegen und bin sicher, dass er für uns ein sehr wichtiger Spieler werden kann“, schätzt Barisic die Situation ein.

Gerade ihm und seinem Team steht nun aber viel Arbeit bevor. Denn jenes System, das zuletzt gegriffen hat und für die lange Erfolgsserie verantwortlich zeichnete, muss nicht jenes sein, in dem Jelic am besten zur Geltung kommt.

Eine Frage des Systems

In der Vergangenheit wurde immer wieder betont, dass alle vorhandenen Stürmer unterschiedliche Stärken hätten.

Prosenik als kopfballstarker Stoßstürmer, Alar als technisch versierter Spielgestalter mit Torriecher und der routinierte Tomi, der Ruhe und Finesse ins Spiel bringen kann. Jene Rolle, die Beric erfüllte, können aber weder diese, noch Jelic ausfüllen.

Ballhalten, Gegner binden, Räume aufreißen, weite Wege gehen, Mitspieler gekonnt einsetzen und trotzdem in der Gefahrenzone eiskalt sein – das zeichnete den slowenischen Top-Torjäger aus.

Beim neuen Mann an vorderster Front ist die Frage, ob man ihn an das System anpassen kann oder ob dieses für ihn adaptiert werden muss.

Anpassungszeit als Chance für Konkurrenz

Dies benötigt Zeit, in welcher die anderen Angreifer, welche die Mechanismen in- und auswendig kennen, ihre Chancen bekommen werden.

Erst dann wird sich herausstellen, welchen Wert Jelic tatsächlich für Rapids Spiel haben wird.

Schnelligkeit ist ein Punkt, der dem Newcomer einen Vorteil verschaffen könnte. Zudem ist er das ruppige, zum Teil von Zilina noch praktizierte Kick-and-Rush-Spiel mit hohen Bällen gewohnt. Dies kann bei der spielerischen Ausrichtung Rapids jedoch ausgeschlossen werden.

"Ich bin ein Spieler, der sehr aggressiv im Pressing ist, keinen Zweikampf scheut und immer gerne den Ball haben will", gesteht der Neueinkauf.

Laut Einschätzung einiger Experten ist Jelic kein Beric, auch kein Nikica Jelavic, von den Anlagen her am ehesten vielleicht noch ein Terrence Boyd. Einer der mit körperlichem Einsatz punktet und laut Müller „weiß, wo das Tor steht“.

"Ich bin keiner, der nur im 16er wartet. Ich biete mich gerne an - in der Mitte, auf den Seiten und suche die Löcher in der gegnerischen Abwehr", so Jelic weiter.

Ein gutes Händchen

Andererseits wiesen die oben Genannten Eigenschaften auf, die man bei Jelic vergeblich sucht. Man darf gespannt sein, wie er sich bei Rapid präsentiert.

In den vergangenen Jahren bewiesen die Hütteldorfer ja immer wieder ein gutes Händchen in puncto Neuverpflichtungen. Auch diesmal ist man davon überzeugt, dass die Ablöse von weniger als einer Millionen für die neue Nummer neun gut investiert wurde.

Aus der ersten Trainingseinheit ergaben sich wenig überraschend noch keine großen Schlüsse. Viel Zeit bleibt aber nicht, um Beric zu vergessen und Jelic an die großen Fußstapfen zu gewöhnen.

Eine undankbare Rolle – die Rapids Neuzugang nur mit Leistung und seinen durchaus vorhandenen Qualitäten abschütteln kann.


Alexander Karper

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