Im Zimmer mit Takumi Minamino

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Enge Ballführung, Zug zum Tor und flink wie ein Wiesel.

Takumi Minamino gehört bislang zu den Gewinnern der Vorbereitung von Red Bull Salzburg.

Mit dem 20-jährigen Japaner könnten die Mozartstädter genau jenen Spieler gefunden haben, der nach dem Mane-Abgang die Lücke auf der Außenposition schließt. Zumindest hat es den Anschein, schließlich trug er sich in den ersten drei Testspielen jeweils in die Schützenliste ein und gilt als heißer Kandidat, auf Anhieb einen Stammplatz zu erobern.

Dabei wird der Flügelspieler sicher noch seine Zeit benötigen, um sich vollends auf sein neues spielerisches, sprachliches und kulturelles Zuhause einzustellen.

Im Winter-Trainingslager in Doha sollte allen voran Stefan Ilsanker bei der Eingewöhnung helfen. Der 25-Jährige teilte sich dort nämlich das Zimmer mit dem Neuzugang.

Nicht der geborene Deutschlehrer

Stefan Ilsanker hatte die Ehre, sich mit Minamino das Zimmer zu teilen

Mit Minamino im Zimmer stellte für Ilsanker eine neue Herausforderung dar. Das fing schon bei der Kommunikation an. „Er versteht kaum Englisch und Deutsch auch sehr wenig. Deshalb haben wir mehr mit Händen und Füßen gesprochen“, schildert der gebürtige Halleiner im Gespräch mit LAOLA1.

Diese Art der Verständigung soll laut Ilsanker aber genügend Raum gelassen haben um ausreichend „herumzuflaxen“. Als Teilzeit-Deutschlehrer ließ der Mittelfeldspieler aber die notwendige Konsequenz vermissen. Auf die Frage, was er Minamino bislang Sinnvolles beigebracht habe, muss er lange überlegen, um schließlich mit einem Lacher zuzugeben: „Das war dann doch hauptsächlich Blödsinn.“

Auch umgekehrt funktioniert das Sprachenlernen. Hallo, Tschüss und ein paar Zahlen könne Ilsanker auf Japanisch schon. Minamino selbst fühlt sich bei seinem neuen Klub gut aufgehoben. „Es herrscht eine super Atmosphäre.“ Beleg dafür ist etwa eine kleine Aufmerksamkeit von Kapitän Jonatan Soriano, der dem Youngster an dessen 20. Geburtstag einen Kuchen mitbrachte. „Das hat mich sehr gefreut“, so Minamino über das Präsent an seinem ersten Ehrentag fern ab der Heimat.

Lieber Wuchtel statt Nudeln

Weitere kulturelle Hürden bauen sich für Minamino am Esstisch auf. Messer und Gabel sind noch nicht die großen Freunde des vom japanischen Erstliga-Absteiger Cerezo Osaka gekommenen Talents. „Vor allem wenn es Nudeln gibt, wären ihm Stäbchen schon lieber“, weiß Ilsanker.

Spätestens auf dem grünen Rasen sind die kulturellen Unterschiede dann aber passé. Mit dem runden Leder ist er auf Du und Du. Sein Potenzial ist seinen Mitspielern nicht verborgen geblieben. „Er hat ein gutes Spielverständnis, eine schnelle Auffassungsgabe und ist ein intelligenter Bursch‘“, erklärt sein Zimmerkollege. „Aufgrund seiner lustigen Art und seines Spielstils hat er das Zeug zum Publikumsliebling.“

Die Salzburger Spielidee ist für Minamino kein Neuland. „In Japan hab ich ihre Spiele schon verfolgt, die Strategie gefällt mir sehr gut. Hundert Prozentig kann ich das Offensiv-Pressing aber noch nicht umsetzen“, so der Japaner.

Interessante Neue

Auch von den anderen Neuzugängen erwartet sich Ilsanker einiges. Mit dem von Liefering gekommenen Brasilianer Felipe Pires hat man einen weiteren sehr schnellen Spieler mit Zug zum Tor verpflichtet. „Er wird sicher um ein Leiberl kämpfen. In der Kabine macht er gerne Spaß, singt mit, wenn Musik läuft.“

Beim erst 18-jährigen David Atanga handelt es sich hingegen um einen Spieler, der noch seine Zeit benötigen werde. Ilsanker: „Er ist sehr bemüht, alles richtig zu machen.“

Ein etwas „ruhigerer und zurückhaltender“ Zeitgenosse sei derweil Duje Caleta-Car. „Aber das ist bei einem Innenverteidiger nicht verkehrt.“

Welcher der Neuen – den in der Liga bekannten Stürmer Marco Djuricin miteingeschlossen – der Sprung in die Stammelf gelingen wird, werden die ersten Spiele der am 14. Februar beginnenden Frühjahrsaison weisen.

 

Reinhold Pühringer

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