"Habe schnell gelernt, was in einem Wr. Derby los ist"

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Für Wiener Fußballfans und darüber hinaus stellt sich früh in ihrem Leben die Frage: Grün-Weiß oder Violett?

Rapid und Austria prägen die Fußballszene in der Bundeshauptstadt und machen das Derby zum Höhepunkt einer jeden Saison.

Steffen Hofmann wurde erst 2002 im Alter von 22 Jahren damit konfrontiert, als er seine Zelte im Westen Wiens aufschlug und am 7. August erstmals in einem Derby auf dem Platz stand.

Seitdem weiß der gebürtige Würzburger, wie der Hase läuft. Im 311. Wiener Derby wird der Rapid-Kapitän seinen 40. Einsatz (39 in der Liga, 1 Cup-Finale) gegen den Erzrivalen bestreiten, nur Peter Schöttel (48), Michael Konsel (45) und Reinhard Kienast (41) liefen öfters im Duell um die Nummer eins in Wien auf.

„Man lernt schnell kennen, was im Derby los ist“

„Ich beschäftige mich eigentlich nie damit und hätte es auch nicht gewusst. Es war mir aber klar, dass es doch schon einige waren. Es waren viele Spiele dabei, in denen es heiß hergegangen ist“, erinnert sich Hofmann vor seinem Jubiläum im LAOLA1-Gespräch.

1:1 auswärts im Horr-Stadion, das war seine erste Berührung mit dem Spiel der Spiele in Österreich. Das ist zwölf Jahre her.

„Wenn man so wie ich neu herkommt, hat man natürlich noch nicht ganz so viel Bezug zum Wiener Derby. Aber man lernt dann schnell kennen, was los ist. Es sind einfach tolle Spiele“, so der vereinstreue Mittelfeld-Stratege.

Seitdem liest sich seine Bilanz wie folgt: 12 Siege, 15 Remis, 12 Niederlagen, also komplett ausgeglichen. Zudem trug er sich acht Mal in die Torschützenliste ein.

Positive und negative Derby-Erinnerungen

Hofmann erinnert sich an viele Auf und Abs, an positive wie negative Serien, will aber kein bestimmtes Highlight-Derby herauspicken.

„Woran ich mich erinnern kann, ist, dass wir am Anfang lange, lange gebraucht haben, um endlich einmal ein Derby zu gewinnen. Wie wir dann im Hanappi gewonnen haben, war das schon eine große Erleichterung für uns alle.“

Serien könnten auch diesen Sonntag im Happel-Stadion zu Ende gehen. Während Rapid seit sechs Derbys ungeschlagen ist, blickt die Austria auf sechs Duelle im Wiener Prater ohne Niederlage zurück.

Zahlen, denen im Vorfeld einer solchen Standortbestimmung meist aber nur wenig Bedeutung zugemessen wird – zumindest von Seiten der Spieler.

Von Austrias Formkurve nicht blenden lassen

Auch Hofmann will der Unbesiegbarkeit in Derbys seit Februar 2013 nicht allzu viel Bedeutung schenken.

„Das ist zwar schön, aber die Statistiken sind immer so eine Sache. Es waren sehr viele Spiele dabei, die sehr knapp waren und in denen wir auch Glück hatten. Ich hoffe, dass wir das am Sonntag nicht brauchen.“

Die Austria rangiert derzeit nur auf dem siebenten Tabellenplatz und kämpft mit großen Leistungsschwankungen. Doch auch die Formkurve des Gegners lässt Hofmann kalt.

„Am Sonntag ist alles vergessen, was davor war. Da geht es nur um die 90 Minuten und darum, dass man eine gute Leistung bringt. Wie viele Punkte die Austria dann Rückstand auf uns hat, ist eigentlich nicht wichtig.“

Ausfälle bereiten Hofmann keine Sorgen

Schließlich galt es nach dem 0:2-Dämpfer in Altach, die zweite Niederlage in den letzten neun Liga-Spielen, wegzustecken. Dieser belastet Rapid aber mental nicht.

„Mit dem Ergebnis waren wir natürlich nicht zufrieden, aber wir haben trotzdem einiges Positives mitnehmen können, was sehr wichtig ist. Etwa, wie wir auch zu zehnt phasenweise richtig gut gespielt haben“, blickt Hofmann auf den 88-minütigen Kampf in Unterzahl zurück.

Die Rote Karte von Mario Sonnleitner wiegt aufgrund seiner Sperre für das Derby schwer. Über einen Einsatz von Christopher Dibon wird erst entschieden, auch Max Hofmann ist mit einer Sprunggelenks-Entzündung fraglich. Sollte einer der zwei ausfallen, hieße die erste Innenverteidiger-Alternative wohl Thanos Petsos. Fallen beide aus, wäre guter Rat teuer.

Hofmann weiß, dass mit Abwehrchef Sonnleitner ein Stabilitätsfaktor verloren geht, ist sich aber sicher, dass „richtig gute Spieler“ als Ersatz bereit stehen.

„Relativ schnell klar, welche Farben man nicht zu tragen hat“

Auch sonst blickt der verlängerte Arm von Trainer Zoran Barisic dem Showdown im Happel-Stadion zuversichtlich entgegen.

„Es ist schon etwas Besonderes und kein Spiel wie jedes andere. Natürlich erwartet man immer, dass man gegen jeden Gegner gleich motiviert ist und die gleiche Leistung bringt. Aber ein Derby ist dann doch schon etwas, in das man mit mehr Emotionen und mehr Vorfreude hineingeht.“

Mit bisher 39 Einsätzen hat er Austrias Derby-Dauerbrenner Markus Suttner (21 Einsätze) einiges voraus. Grün-weiß oder violett steht für Hofmann seit seinem Debüt nicht mehr zur Debatte.

„Das wird einem relativ schnell erklärt bei uns, welche Farben man nicht zu tragen hat. Das ist auch jetzt noch so. Anlaufzeit hat es nicht gebraucht, weil ich es ja gekannt habe, dass – wenn es zwei Vereine in einer Stadt gibt – man für den einen und gleichzeitig gegen den anderen sein muss.“

Für Hofmann stellte sich die Frage „Grün-Weiß oder Violett?“ somit nie.


Alexander Karper

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