Haas: "Auch mit Verletzten hat er noch extra trainiert"

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Marchanno Schultz war einer von zwei Neuzugängen beim SK Sturm im Jänner 1993. Der Surinam-Holländer sollte für eine technisch feine Klinge im Mittelfeld der Truppe von Ladislav Jurkemik sorgen. „Ich glaube, der schlägt ein“, wagte Präsident Hannes Kartnig zu behaupten.

Der zweite neue Spieler, der den Schwarz-Weißen im Mittleren Play-Off entscheidend helfen sollte, war ein gewisser Darko Milanic. Als Leihgabe mit einer Kaufoption wechselte der damals 25-jährige von Partizan Belgrad an die Mur. Es sollte der Beginn einer acht Jahre langen Ära werden.

Gleich zum Auftakt seiner Spieler-Karriere stand Milanic in der Startformation. Gegen den Stadtrivalen GAK gab es aber ein herbes 0:2. Kartnig tobte. Wie schwer das Fußball-Pflaster Graz sein kann, erlebte der neue Sturm-Trainer als Spieler also bereits nach wenigen Monaten.

Ein Vorbild für den jungen Haas

Jedoch war der Slowene in einem harten Frühjahr einer der wenigen Spieler, der selbst den dauer-polternden Sturm-Boss überzeugen und somit langfristig in Graz bleiben sollte.

„Ich war ein junger Spieler und er war bereits ein Routinier. Ein Profi durch und durch. Wir Jungen haben immer zu ihm aufgesehen. Er hatte eine große Vorbildwirkung. Die hatte er seine gesamte Karriere über“, erinnert sich Sturm-Legende Mario Haas im Gespräch mit LAOLA1.

Der Stürmer tauchte im selben Frühjahr, in dem Milanic bei den Grazern Fuß fasste, erstmals im Kader der Kampfmannschaft auf und kennt den ehemaligen Manndecker daher schon lange.

Verletzungspech und Fodas Wunschmann

„Er war ein starker Lauftyp, auch sehr kopfballstark. Für die damalige Zeit war er überhaupt ein sehr moderner Fußballer. Er war immer darauf bedacht, von hinten herauszuspielen“, erzählt Haas von einem im Lauf der 90er-Jahre unverzichtbar gewordenen Stammspieler.

Nach einigen Verletzungen war im Frühjahr 2001 Schluss. Aber nur als Spieler. Fünf Jahre später sollte das Comeback als Co-Trainer folgen. Nach dem Abschied von Mischa Petrovic wurde er im Gespann mit Franco Foda installiert. Zuvor versuchte er sich bereits als Betreuer beim NK Primorje.

Das Duo Foda-Milanic, schon auf dem Feld ein unzertrennliches, sollte es auch am Spielfeldrand werden. „Er war mein Wunschmann“, sagte Foda damals.

Haas erlebte das junge Trainerduo damals nach seiner Rückkehr aus Japan. Eines war für ihn damals überraschend und wird auch für die aktuelle Sturm-Truppe nicht anders sein. Die Intensität des Trainings.

Als Foda aufhören wollte, machte Milanic weiter

„Er ist ein harter Trainierer. Das wird sicher nicht einfach. Wenn der Franco gesagt hat, dass es zeitlich genug ist, hat er gesagt, dass wir noch ein bisschen mehr arbeiten sollen und weiter Gas geben müssen“, schildert Haas. „Auch mit den Spielern, die eigentlich noch verletzt waren, hat er extra noch trainiert, damit sie schneller dort hinkommen, wo sie hinsollen.“

Nicht für jeden Spieler war das leicht. „Er war ein richtiges Vorbild. Das hat er einfach vorgelebt. Für viele war das aber nicht so leicht, so zu viel zu trainieren, weil du das auch erst einmal verkraften musst“, ahnt Haas, was auf seine Ex-Kollegen zukommt.

Trotz allem schätzt Sturms Rekordspieler auch die menschlichen Qualitäten des neuen Trainers seines Herzensklubs. „Er war immer korrekt und er ist sicher keine schlechte Wahl als Trainer bei Sturm.“

Vorteil Stallgeruch

Besonders von Vorteil für Milanic sei, so der 38-Jährige, die vertraute Umgebung. „Er hat ein Sturm-Herz, er weiß wie die Fans sind und wie das Umfeld ist. Das ist schon wichtig. Außerdem kennt er die österreichische Liga. Wenn ein Trainer von irgendwo her kommt und die Liga und die Mannschaft nicht kennt, dann muss der ganz von vorne anfangen. Daher ist es gut, dass einer da ist, der schon einmal da gewesen ist und weiß wie der ganze Verein tickt“, spielt Haas auf den vielzitierten „Stallgeruch“ an. „Es hat sich sicherlich viel geändert, aber die wichtigste Zeit hat auch er mitgeprägt, da war er mittendrin.“

Mittendrin war Milanic auch im Rennen um den slowenischen Teamchefposten. Im Dezember 2006 hatte sein Heimatland reges Interesse den Co-Trainer aus Graz zurückzuholen. Nach einem Gespräch mit dem damaligen Verbandspräsidenten blieb er den „Blackies“ erhalten.

Beeindruckende Bilanz in Maribor

Aber nicht besonders lange. Ein Frühjahr später waren es dann private Gründe, die Milanic seinen Vertrag, der eigentlich bis 2008 gelaufen wäre, lösen ließen. „Wenn es im Sinne der Familie ist, dann muss man das natürlich akzeptieren“, wird sein Freund Foda damals in der „Kronen Zeitung“ zitiert.

Während Foda bei Sturm weitermachte und einen Cup- sowie den Meistertitel einheimste, landete Milanic über ND Gorica beim NK Maribor, feierte in seiner Debütsaison 2008/09 gleich die Meisterschaft. Bei seinem Abschied kann er eine Bilanz von vier Meisterschaften und drei Cupsiegen vorweisen.

Nun kommt er zurück nach Graz in seine zweite Heimat. Und wie damals als Spieler, ist die Situation auch jetzt als Trainer eine alles andere als leichte.

 

Andreas Terler

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