Ein Dorfklub spielt Bundesliga

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Die denkwürdige Bundesliga-Geschichte der Grödiger

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Es ist vollbracht, in Grödig rollt wieder der Ball!

Die zuletzt heimatlosen Salzburger können nach erfolgreichen Umbauarbeiten und Erhalt der Zulassung von Seiten der Bundesliga im Nachtrag gegen Sturm Graz (Mi., 18:30 Uhr LIVE im LAOLA1-Ticker) wieder in "Das.Goldberg-Stadion" zurückkehren.

Eine Episode, die nicht nur eine hohe Geldstrafe mit sich zog, sondern auch eine Menge Unannehmlichkeiten für den Verein bedeutete, kann damit abgehakt werden.

Eineinhalb Jahre spielt der SV Grödig erst in der Bundesliga und doch hat der Dorfklub schon viele Spuren hinterlassen.

Vom Stadion in der Maisfeldidylle über den Wettskandal rund um Dominique Taboga bis zur zuletzt verhängten Platz-Sperre. Die Salzburger haben schon viele Geschichten geschrieben.

LAOLA1 fasst die denkwürdigsten Episoden zusammen und blickt auch in die ungewisse Zukunft des Vereins:

  • DER AUFSTIEG

Während in Grödig die Freude riesengroß war, fielen die Beurteilungen im Rest von Österreich kritisch aus. Ein Dorfklub in der Bundesliga?  „Einige wollen uns nicht, das ist uns bewusst. Aber das motiviert uns noch mehr“, erklärte Manager Christian Haas 2013, kurz bevor der Aufstieg fixiert wurde. Zehn Jahre davor war der Verein noch in der 1. Klasse (sechsthöchste Liga) beheimatet. Verantwortlich für den steilen Weg nach oben ist das Vater-Sohn-Duo Toni und Christian Haas. Gemeinsam mit Hautsponsor und Metallverwerter Scholz, der das Unternehmen der Familie Haas vor ein paar Jahren übernommen hatte, führten sie den Klub aus der 7.000-Einwohner-Gemeinde nach oben. Sportlich hatten sich die anfangs als „Village People“ belächelten Grödiger den Aufstieg in die Bundesliga absolut verdient, vom infrastrukturellen Umfeld konnte man das jedoch nicht behaupten.

Bauarbeiten für die Stadionzufahrt

  • DIE STADIONZUFAHRT

Symptomatisch für das provinzielle Image des Klubs waren die Diskussionen rund um die Erneuerung der Stadionzufahrt. Um die damals noch „Untersberg-Arena“ genannte Heimstätte des Klubs bundesligatauglich zu machen, mussten nicht nur Zusatztribünen und ein zweistöckiges VIP-Zelt errichtet werden. Auch eine neue Straße musste her. Der einzige Weg, der bis zum Zeitpunkt des Aufstiegs zum Stadion führte, verlief mitten durch den Ort und danach einspurig entlang zahlreicher Korn- und Maisfelder. Die neue Zufahrt wurde jedoch erst im Laufe der Saison asphaltiert. Ein provisorisch eingerichteter Kreisverkehr sowie eine als Parkplatz fungierende Wiese rundeten die kuriose Anfahrt zur Grödig-Heimstätte ab.

  • DIE CAUSA TABOGA

Sportlich sorgten die Grödiger in der Bundesliga von Beginn weg für Furore. Mit ihrem turbulenten Angriffspressing spielte die Mannschaft von Adi Hütter im oberen Tabellendrittel mit. Im November erschütterte jedoch ein Manipulationsskandal den gesamten Verein. Im Zuge des Wettskandals wurde Kapitän Dominique Taboga, der auch 5.000 Euro aus der Mannschaftskassa entwendet hatte, verhaftet. Mit Thomas Zündel trennten sich die Salzburger aufgrund der Affäre von einem weiteren Stammspieler. Mit einer Notelf, ohne die entlassenen  Zündel und Taboga sowie zahlreichen Verletzten, gewann das Hütter-Team Ende November gegen Meister Austria 1:0. Nach dem Spiel flossen Tränen. „Ich bin stolz, wie meine Spieler kämpfen, wie sie spielen, dass sie es schaffen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren“, zeigte sich der Trainer angetan.

  • DAS EUROPACUP-WUNDER

Während im Umfeld einige Dinge nicht zufriedenstellend verliefen, gelang sportlich der große Coup. Mit Platz drei in der ersten Bundesliga-Saison hinter RB Salzburg und Rapid löste man das Ticket für die Europacup-Qualifikation. Was anfangs keiner für möglich hielt, wurde Realität. Doch mit dem Erreichen des internationalen Geschäfts war es noch nicht genug. Cukaricki Belgrad wurde in der zweiten Quali-Runde zur Europa League mit einem Gesamtscore von 5:2 aus dem Bewerb verabschiedet. Die in der Red-Bull-Arena ihre Heimspiele austragenden Grödiger hielten auch gegen Zimbru Chisinau aus Moldawien gut mit, schlussendlich war aufgrund der Auswärtstorregel beim Gesamtscore von 2:2 jedoch Endstation. Trotz allem überstieg der Ausflug nach Europa jegliche Vorstellungskraft und wird wohl nicht allzu schnell zu wiederholen sein.

  • DER RASEN

Die vorerst letzte Episode des SV Grödig in der Bundesliga wurde mit dem Entzug der Stadion-Zulassung geschrieben. „Die aktuelle Beschaffenheit des Spielfeldes entspricht nicht den Stadionbestimmungen“, erklärte die Liga in einer Aussendung. Angesichts der im Internet kursierenden Bilder eine verständliche Entscheidung. „Wir können nichts dafür, dass es 40 cm geschneit hat“, verteidigte sich Haas (LAOLA1-Interview). Die beiden Heimspiele gegen den WAC und Sturm mussten deswegen in den März (11. bzw. 18.) verschoben werden. Aus der Not machten die Grödiger eine Tugend: Die Platz-Sperre wird dazu genutzt, dem Stadion eine Rasenheizung zu verpassen. "Nun erfüllen wir alle Anforderungen der Bundesliga vollständig", jubelte Haas, der von einem "Meilenstein" sprach. Installiert wird die Rasenheizung von "Bull-Bau", einer Red-Bull-nahen Firma. Im Gegenzug wird Liefering künftig seine Heimspiele in Grödig austragen. Während des Umbaus wurde die Salzburger Red-Bull-Arena als Ausweichstadion genutzt, im Nachtrag gegen Sturm wird das neue Grün in Grödig erstmals eingeweiht.

  • UNGEWISSE ZUKUNFT?

Sportlich hat sich der Dorfklub in der Bundesliga zweifellos etabliert und doch stehen einige Fragezeichen hinter der Zukunft des SV Grödig. Neben der Stadionfrage stellte die Vereinsverantwortlichen der Ausstieg von Hauptsponsor Scholz vor Probleme. Nun befinden sich die Salzburger auf der Suche nach neuen Geldgebern. „Ich gehe davon aus, dass wir das Budget halten können“, gibt sich Manager Haas optimistisch. Mit den Einnahmen durch den Ticket-Verkauf wird sich der Dorfklub jedenfalls nicht über Wasser halten können. Mit durchschnittlich 1.856 Fans im Stadion hat Grödig den niedrigsten Zuschauerschnitt aller Bundesliga-Klubs. Beim 0:5 gegen die Admira im Dezember kamen gar nur 862 Gäste in die Grödiger Arena. Der Grund ist für einen Dorfklub typisch: Zeitgleich besuchten mehr als 1000 Menschen den Grödiger Krampuslauf im Ortszentrum.

 

Jakob Faber/Alexander Karper

  • DIE TRIBÜNEN

Nur 1.065 überdachte Sitzplätze fasste die Untersberg-Arena zu Beginn der Saison 2013/14. Eigentlich zu wenig für die Bundesliga, doch Übergangsbestimmungen gaben den Grödigern bis zum 15. März 2014 Zeit, um für die vorgesehenen 3.000 überdachten Sitzplätze zu sorgen. Mittlerweile erfüllt das „DAS.GOLDBERG-Stadion“ – seit kurzem auch inklusive des Rasens – alle A-Kriterien der Bundesliga. Im Februar 2014 wäre es aufgrund einer fahrlässig errichteten temporären Tribüne fast zu einer Tragödie gekommen. Beim Spiel gegen Wolfsberg (3:0) knickten Teile des Gästesektors ein. Mit einem Leichtverletzten endete der Zwischenfall glimpflich. Man will sich gar nicht vorstellen, was passiert wäre, hätte der Gegner Rapid geheißen und wären statt 50 Anhängern mehr als 1.000 auf der unsicheren Stahlkonstruktion gestanden.

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