Gregoritsch zog von sich aus die Reißleine

Aufmacherbild
 

Die erste vorzeitige Trainer-Trennung in der laufenden Bundesliga-Saison hat Werner Gregoritsch auf seine Kappe genommen.

"Ich habe die Reißleine gezogen und das Gespräch mit Präsident Erwin Fuchs gesucht", sagte der Steirer am Mittwoch, einen Tag nach der einvernehmlichen Lösung der seit 2006 mit dem Kapfenberger SV dauernden Ehe.

Er habe schon seit einigen Monaten eine gewisse Stimmung im Verein gegen seine Person gespürt.

Funktionäre aus der zweiten Reihe hätten nicht verkraftet, dass er so stark sei und ein gutes, freundschaftliches Verhältnis zu Clubchef Fuchs gehabt habe.

"Die Ratten sind aus ihren Löchern gekrochen"

Dazu kam die sportliche Erwartungshaltung, die mit dem letzten Tabellenplatz nicht konformgingen. Das 1:3 zuletzt daheim gegen Cupsieger SV Ried war die sechste Runde ohne Sieg. Er sei der "Minus-Mensch" gewesen und habe das zu akzeptieren.

"Die Ratten sind aus ihren Löchern gekrochen. Da war mir klar, dass man das nicht laufen lassen darf, sondern etwas unternehmen muss, um die negativen Strömungen zu beenden. Ich habe Schluss gemacht", meinte Gregoritsch, der zuletzt auch den nötigen Respekt im Verein gegenüber seiner Person vermisst hatte.

Man habe ihn nicht mehr an seiner Arbeit, sondern nur noch an den Resultaten gemessen, sagte der in Graz geborene frühere Stürmer.

Tränen beim Abschied

Der Rückstand auf den Tabellenvorletzten beträgt derzeit vier Punkte und wäre vielleicht noch größer geworden, hätte der Trainer nicht von sich aus das Handtuch geworfen.

"In den letzten vier Spielen des Jahres entscheidet sich die Zukunft des Vereins. Wenn die Spieler im Kopf frei sind, traue ich ihnen zu, dass sie da unten rauskommen", glaubt Gregoritsch, der seinen Ex-Schützlingen, von denen viele bei seinem Abschied Tränen in den Augen gehabt hätten, ein Erfolgserlebnis wünscht.

Verstärkungen nicht erforderlich

Das muss spätestens in der 18. Runde am 10. Dezember her, wenn der KSV gegen den neuntplatzierten SV Mattersburg im Pappel-Stadion antritt.

Wenn sein Ex-Klub mit einem Minus von fünf oder sechs Punkten überwintere und alle an einem Strange zögen, dann sei nach einer guten Vorbereitung nichts verloren, meinte der 53-Jährige, dessen Vertrag mit den "Falken" noch bis Sommer 2012 gelaufen wäre.

Verstärkungen für das Frühjahr sind für ihn nicht unbedingt erforderlich.

"Es war meine schönste Zeit als Trainer"

Trotz der Querelen und Missstimmungen am Ende verließ Gregoritsch die Kapfenberger nicht im Zorn. Im Gegenteil.

"Es war meine schönste Zeit als Trainer, weil einander Präsident, Betreuer und Spieler optimal verstanden haben", resümierte der "Gregerl", der den KSV 2007/08 von der Ersten Liga in die Bundesliga geführt und dort mit ihm schon die vierte Saison in Angriff genommen hatte.

"Wir stiegen mit einem Regionalliga-Budget von 1,2 Millionen Euro auf", erinnerte sich der Coach, der 2011/12 rund 3,5 Millionen zur Verfügung hatte.

Leere Akkus

Er gestand, dass seine Akkus nun leer seien. Diese wolle er nun in Ruhe wieder aufladen. Derzeit keinen Job zu haben kann ihn nicht umhauen. Vor über 14 Jahren hatte er ein wirklich schwerwiegenderes Schicksal bravourös gemeistert und den Krebs besiegt.

Das machte ihn stark. "Ich habe eine Superfamilie und zwei Söhne, ich spiele Tennis, halte mich viel in meinem Fitness-Raum auf und fange an, Italienisch zu lernen", erzählte der ausgebildete Deutsch- und Turn-Lehrer, der sich aber auch auf dem Fußball-Sektor weiterbilden will.

Besuch bei Wenger

Er möchte im Ausland hospitieren und zum Beispiel Arsenal London besuchen.

"Trainer Arsene Wenger hat mich schon dreimal eingeladen und ich musste ebenso oft aus Zeitmangel absagen", erzählte der mit einer Ärztin (Susanne) verheiratete Gregoritsch, dessen Sohn Michael in der Winterpause mit der TSG 1899 Hoffenheim auf Trainingslager fahren wird.

Der talentierte Stürmer wird nach Ablauf seines Kontrakts im Sommer von Kapfenberg in den Kraichgau wechseln.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen