Von Heesen: "Werde mich väterlich um ihn kümmern"

Aufmacherbild
 

An den vergangenen Samstag wird sich Michael Gregoritsch wohl noch lange zurückerinnern.

Nicht nur, weil der 17-Jährige an diesem Abend seinen Maturaball besuchte und einen solchen niemand so schnell vergisst, sondern auch aufgrund des vorangegangenen Fußball-Spiels.

Erstmals bestritt der Stürmer nämlich eine Bundesliga-Partie, in der ihn nicht sein Vater Werner auf das Feld schickte, sondern jemand anderes: Thomas von Heesen.

„Ich glaube schon, dass man von einem Trainer-Effekt sprechen kann“, meinte Gregoritsch junior nach dem 0:0 gegen Rapid.

„Habe beiden vieles zu verdanken“

Es mutet etwas eigenartig an, diese Worte aus dem Munde jenes Sohnes zu hören, dessen Vater wenige Tage zuvor als Trainer in der Böhlerstadt aufhörte. Nicht für den Jungspund.

„Jeder weiß, was mein Vater und ich für ein Verhältnis haben. Er hat hier hervorragende Arbeit geleistet. Ich habe ihm sehr viel zu verdanken, aber ich habe auch Thomas von Heesen sehr viel zu verdanken – er hat mir vor dem Rapid-Spiel sehr viel Selbstvertrauen eingeimpft. Mein Vater hat mich zudem gepusht und gesagt, dass er ein sehr guter Trainer ist“, schildert der Angreifer.

Zusatz: „Natürlich blickt man skeptisch, wenn der eigene Vater als Trainer entlassen wird. Aber Thomas von Heesen war mir von Beginn weg sehr sympathisch, ich bin bislang sehr zufrieden.“

Selbstverständlich war aber auch für den Junior der Abschied seines Vaters als Trainer nicht von einer Sekunde auf die andere wegzustecken.

Gregoritsch junior musste schlucken

Unter ihm hatte der angehende Maturant am 14. April 2010, vier Tage vor seinem 16. Geburtstag, sein Bundesliga-Debüt gegeben und gleich gegen die Austria (1:1) getroffen. Seither ist er der jüngste Oberhaus-Torschütze in Österreich.

„Wie er sich verabschiedet hat und Tränen in den Augen hatte, musste ich natürlich auch schlucken“, gesteht der Jungspund, der sich aber auch professionell zeigt.

„Nun ist er eben ‚nur‘ mehr mein Vater und nicht auch Trainer. Wir haben nach dem ersten Training ohne ihn sofort telefoniert, er wollte auch gar nichts über das Training wissen, sondern fragte, wie es mir geht. Es ist auch einmal gut, wenn wir abseits des Fußballs über etwas sprechen können.“

Weg vom Protektionskind-Image

Auch in einer anderen Hinsicht hat der Trainerwechsel für den Offensiv-Youngster wohl etwas Gutes. Nicht selten wurde Michael vom kritischen Kapfenberger Publikum, das sich des Öfteren ein Wortgefecht mit dem Vater via Tribüne lieferte, als Protektionskind betrachtet.

„Es ist vielleicht jetzt leichter für mich, wenn nicht alle sagen können, dass ich ein soloches sei. Ich habe auch früher schon bewiesen, dass ich kein Protektionskind bin, nur haben es eben viele so gesehen, weil ich hin und wieder schlechte Leistungen gebracht habe. Ich will mich da auch nicht auf das Alter rausreden. Denn wenn man Bundesliga spielt, muss man konstante Leistungen bringen.“

Diese will Gregoritsch junior bis Sommer in Kapfenberg abliefern, auch im Interesse seines Vaters.

„Es wäre ein Geschenk für ihn, wenn wir den Klassenerhalt schaffen, so dass er kein Abstiegstrainer sein muss. Er hat mit neun Punkten seinen Teil dazu beigetragen. Auch wenn es nach wenig klingt, diese neun Punkte werden uns noch retten.“

Mit Klassenerhalt gen Hoffenheim

Mit dem geschafften Klassenerhalt und der bestandenen Matura will sich der 1,91-Meter-Stürmer dann nach Hoffenheim verabschieden. Beim deutschen Oberhaus-Klub hat der vierfache Bundesliga-Torschütze bereits im diesjährigen Sommer einen Vertrag bis 2015 unterschrieben.

Seinem neuen Trainer wäre ein Verbleib lieber gewesen.

„Ich persönlich glaube, es wäre noch besser, wenn er hier noch länger spielen würde, als zu Hoffenheim zu gehen. Denn dort gibt es eine Konkurrenz, die Namen wie etwa Babel oder Sigurdsson trägt. Das ist schon die Frage, wie man damit umgeht“, beurteilt Von Heesen.

Der Deutsche, den die bisherige Vater-Sohn-Konstellation nicht überraschte („Das wird es im Weltfußball nicht nur einmal gegeben haben“) verspricht mit einem Lächeln: „Ich werde mich, so lange er hier ist, väterlich um ihn kümmern. Werner wird das sicher auch tun.“

Völlig ernster Zusatz: „Ich bin überzeugt von dem Jungen. Er hat riesige Qualitäten, ist ein super Talent und hat vieles, was man nicht lernen kann.“

Er sei ein Typ wie Karsten Bäron, der langjährige HSV-Stürmer mit einer Größe von 197 Zentimetern.

Auch wenn es bereits die dritte Bundesliga-Saison für Gregoritsch junior ist, steht der Reifeprüfling noch am Anfang.

Aber ab jetzt will er es den Kritikern beweisen.

Nämlich, dass er auch ohne seinen Vater als Cheftrainer reüssieren kann.

 

Bernhard Kastler  

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen