Die Liga und ihr Tormann-Karussell

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Thomas Gebauer, Raphael Wolf und Jörg Siebenhandl gehören zu einer aussterbenden Spezies.

Zur Spezies der Stamm-Torhüter.

Nur dieses Trio hat bislang alle Spiele von Anfang bis Ende bestritten.

Der Rest? Ausgetauscht. Zwei Mal (Wacker, Sturm) verletzungs-, fünf Mal leistungsbedingt.

Die unumstrittene Nummer eins zwischen den Pfosten – es gibt sie immer seltener.

Erst vergangenes Wochenende mussten wieder zwei prominente Vertreter ihrer Art ihren Platz räumen: Eddie Gustafsson (Salzburg) und Helge Payer (Rapid) verloren ihr Stammleiberl.

LAOLA1 geht der Problematik zusammen mit ÖFB-Tormanntrainer Otto Konrad auf den Grund.

Königshofer, Novota und Payer

SK RAPID:

Die Situation:

Schon vor dem Saisonstart vermied es Trainer Peter Schöttel tunlichst, sich auf eine Nummer eins festzulegen. Dass er allerdings vehement auf eine Verpflichtung von Gebauer (Ried) bzw. Wolf (Kapfenberg) pochte, war schon das erste Indiz dafür, wie schwer es für Payer in dieser Saison werden könnte. Geworden ist es schließlich Jan Novota, der Payer erstmals in Runde sieben auf die Bank verdrängte. Der Slowake verletzte sich jedoch gegen Wr. Neustadt schwer und war damit vorerst kein Thema mehr. Richtig ausnutzen konnte Payer das Fehlen seines Konkurrenten aber nicht. Der Ex-ÖFB-Goalie zeigte stattdessen immer wieder Unsicherheiten, was Schöttel auch letztlich zum abermaligen Wechsel bewegte. „Helge hat zuletzt keine Sicherheit ausgestrahlt. Wir wussten, dass uns ein Tormann, der im Strafraum so präsent und selbstbewusst ist wie Lukas, guttun wird“, begründete der SCR-Coach seine Entscheidung.

Konrads Meinung:

„Ich finde den Wechsel gut. Ich begrüße es, dass Rapid einen neuen Weg gehen will. Das ist aber nichts gegen Payer, sondern ein Kompliment für Königshofer. Ich halte ihn für ein sehr großes Talent. Er hat absolut das Zeug, sich als Nummer eins zu etablieren. Er hat immer wie ein Wahnsinniger trainiert und bringt alles mit, was ein Top-Goalie braucht. Auf einem gewissen Niveau entscheiden dann nur mehr die Spielpraxis und die Routine. Jetzt liegt es an Luki, sich zu beweisen. Vorher war alles Theorie, nun kommt die Praxis.“

Die Zukunft:

Peter Zajicek, der Payer bei Rapid zum Teamtormann machte, rät seinem ehemaligen Schützling im „Kurier“ zum Abgang: „Helge muss das Kapital Rapid abschließen und woanders einen Neustart versuchen.“ Konrad will es nicht ganz so deutlich sagen, legt dem 32-Jährigen aber ebenfalls ans Herz, seine Situation zu überdenken: „Helge muss sich jetzt fragen, ob er sich das noch antut.“

Walke und Gustafsson

RED BULL SALZBURG:

Die Situation:

Nach sieben sieglosen Liga-Spielen war es nicht überraschend, dass Ricardo Moniz sein Team gleich an mehreren Positionen veränderte. Dass der Salzburg-Coach aber ausgerechnet Kapitän Eddie Gustafsson rasierte und stattdessen auf Alexander Walke baute, kam dann doch unerwartet. „Ich musste eingreifen. Du kannst nicht ewig warten. Eddie hat immer das Vertrauen bekommen, aber manchmal musst du gewisse Autoritäten draußen lassen“, rechtfertigte sich der Niederländer. Gustafsson fabrizierte zwar in den letzten Wochen keinen entscheidenden Patzer, zeigte aber ein ums andere Mal ungewohnte Unsicherheiten.

Konrads Meinung:

„Bei Salzburg habe ich mich nicht erkundigt, warum Moniz sich so entschieden hat, aber er wird sich etwas dabei gedacht haben. Bei einem Tormann-Wechsel musst du nicht groß die Taktik ändern und bringst dennoch frischen Wind hinein. Letztlich geht es immer um die Qualität. Vor zwei Jahren hat man über Gustafsson auch nicht diskutiert. Weil er gut gespielt hat. Jetzt gibt es eben Diskussionen. Wenn man als Trainer nicht 100-prozentig überzeugt ist, wechselt man eben.“

Die Zukunft:

Moniz hat schon im Frühjahr durch den Wechsel von Tremmel auf Gustafsson ein Zeichen gesetzt. Mit dem Deutschen verloren die „Bullen“ kein Spiel mehr und wurden noch Vizemeister. Sollte sich Walke nichts zu Schulden kommen lassen, wird er wohl Salzburgs Nummer eins bleiben.

Grünwald und Lindner

FK AUSTRIA:

Die Situation:

Pascal Grünwald hatte den Kampf ums Einserleiberl in der Vorbereitung für sich entschieden, der zwischenzeitliche ÖFB-Teamgoalie pendelte aber regelmäßig zwischen Genie und Wahnsinn. Einer Weltklasse-Parade folgte oft ein folgenschwerer Patzer. FAK-Coach Karl Daxbacher reagierte nach einem solchen gegen Kapfenberg und rotierte den Tiroler raus. „Pascal hat in Kapfenberg einen schlechten Tag erwischt, die Angriffe und Verurteilungen gegen ihn waren massiv, da ist es nicht einfach zu spielen. Außerdem hat der zweite Tormann auf seine Chance gewartet.“ Nun darf sich also wieder Heinz Lindner beweisen. Der 21-Jährige weiß selbst am besten, wie sich Grünwald fühlt, hat er doch vergangene Herbstsaison ebenfalls seinen Platz verloren. Damals an Robert Almer (Hintergründe in der Diashow).

Konrads Meinung:

„Heinz hat am Anfang sensationell gehalten, dann ist ein kleiner Einbruch gekommen. Es war auch in Ordnung, dass man ihn zwischenzeitlich rausgenommen hat. Die ganzen Diskussionen bei jungen Torhütern verstehe ich nicht. Wann soll er denn seine Erfahrungen machen, wenn nicht bei Spielen? Jeder muss den Prozess des Durchbeißens durchmachen. Erst wenn man den hinter sich hat, kann man sagen, ob man es schafft. Natürlich kommt der Druck dazu. Aber wenn ich mit dem Druck nicht umgehen kann, bin ich für dieses Geschäft zu schwach. Um mit dem Druck umgehen zu können, brauche ich allerdings Erfahrung.“

Die Zukunft:

Obwohl auch Lindner nicht immer den sichersten Eindruck macht, wird Daxbacher bei seinem Youngster bleiben. Vorerst. Denn der 58-Jährige stellt klar: „Ich bin dafür, dass man einem Tormann den ein oder anderen Fehler zugesteht. Wenn sich das aber häuft, müssen wir uns etwas überlegen.“ In der Winter-Vorbereitung werden die Karten beim FAK traditionell neu gemischt.

Schartner/Borenitsch und Tischler/Berger

ADMIRA und MATTERSBURG:

Die Situation:

Didi Kühbauer war neben Franz Lederer der erste Trainer, der freiwillig auf seine Nummer eins verzichtete. Der Admira-Coach verbannte Hans-Peter Berger (hier geht’s zum Interview) auf die Bank, obwohl dieser in vier Spielen ohne Niederlage blieb, der Aufsteiger damit Tabellenführer war. Kühbauer wollte seine Rotation nicht großartig erklären, sagte nur, dass er über zwei gleichwertige Goalies verfüge. Überzeugen konnte Berger-Ersatzmann Patrick Tischler allerdings nicht: Der 24-Jährige hat mit 48,5 Prozent die schlechteste Fangquote der Liga, konnte also nicht mal die Hälfte der Schüsse (16 von 33) entschärfen. Bei Thomas Borenitsch sieht es nicht besser aus. Der SVM-Keeper hat die zweitschlechteste Quote (63,8%). Darum setzte Coach Lederer schon früh auf David Schartner, der sich aber nach nur fünf Spielen eine Schulterverletzung zuzog. Jetzt steht wieder Borenitsch zwischen den Pfosten.

Konrads Meinung:

„Die Leistungen waren ja nicht so, dass man nicht über einen Wechsel nachdenken müsste. Es liegt einfach fast immer an der Qualität. Ich bin auch grundsätzlich dafür, dass man dann die Jungen spielen lässt. Wenn die Qualität der Älteren so gut wäre, hätten wir nicht so viele Tormann-Wechsel und dann würden sich auch mehr im Ausland durchsetzen. Die Qualität steigt aber nur dann, wenn man auf Junge setzt und ihnen auch die Chance gibt.“

Die Zukunft:

Bei der Admira wird Tischler trotz einiger Schwächen wohl weiter das Vertrauen von Kühbauer bekommen, bei Mattersburg hat Schartner nach seiner Verletzung dagegen guten Chancen, Borenitsch wieder zu verdrängen. Grundsätzlich hält Konrad zu den vielen Goalie-Rochaden fest, dass es „die klare Nummer eins über Jahre in Zukunft ganz selten geben wird.“ Die Liga-Schlussmänner müssen sich also weiterhin auf eine ungewisse Zukunft einstellen.

Kurt Vierthaler

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