"Schlaflosigkeit war normal"

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"Schlaflosigkeit war für mich ein normaler Zustand“

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Druck, Stress, Erschöpfung.

Die Amtszeit von Paul Gluovatz bei Sturm Graz dauerte gerade einmal drei Monate.

Dann war der mittlerweile 66-Jährige mit seinen Kräften am Ende. Der Vertrag mit dem Geschäftsführer Sport wurde daraufhin einvernehmlich aufgelöst.

„Für mich war es überraschend und unerwartet, nach 47 Arbeitsjahren diesen Erschöpfungszustand zu erleben“, stellt sich Gludovatz im „Sport und Talk im Hangar 7“ auf „ServusTV“ erstmals der Öffentlichkeit.

Symptome falsch wahrgenommen

Erst nach einem Schwächeanfall gönnte sich der ehemalige langjährige ÖFB-Nachwuchs-Trainer im Krankenstand eine Auszeit.

Die Symptome hatte der Burgenländer bis dahin unterschätzt bzw. falsch wahrgenommen.

„Als ich Hilfe gesucht habe, ist mir gesagt worden, dass auch Schlaflosigkeit dazu zählt. Schlaflosigkeit war für mich ein normaler Zustand“, gibt Gludovatz zu.

Der Leistungsdruck ließ den Erfolgs-Coach, der mit der SV Ried 2011 den Cup-Titel holte, nicht einmal im Schlaf los.

„Ich habe so etwas noch nicht gekannt“

Entscheidungen, ob Hoffer oder Okotie bei der U20-WM stürmt oder ob Nacho oder Lexa bei Ried die rechte Seite beackern, gingen Gludovatz zu später Stunde durch den Kopf.

„Druck legen wir uns hundertprozentig selbst auf. Stress ist für mich was Positives gewesen – bis dato zumindest. Ob das letztlich zur Erschöpfung geführt hat, weiß ich auch nicht. Ich habe so etwas noch nicht gekannt.“

Bei Sturm Graz schlüpfte er nach etlichen Trainerjahren in eine neue Rolle, die mit der Entlassung von Trainer Franco Foda einen unglücklichen Anfang nahm.

Der Druck nahm stetig zu und war schlussendlich nicht mehr zu bewältigen.

„Das habe ich auf die Goldwaage gelegt“

„Ich habe bis zum Schluss diese hundert Prozent durchgeführt. Ich habe noch um 21 Uhr mit dem Trainer und Tormann Focher gesprochen, dann einen U21-Spieler von Dortmund angerufen. In der Früh ist es einfach nicht mehr gegangen.“

Spätestens zu diesem Zeitpunkt äußerten sich 12.000 in einem Monat gefahrene Kilometer, Arbeit, Druck und Stress in Form von Verschleißerscheinungen.

„Ich habe mich nicht mehr so wohl gefühlt, diesen Job – eben mit einem Hintern auf vier Hochzeiten zu tanzen – 80 Stunden die Woche durchzuführen. Das muss man sich so kompakt vorstellen, dass es nicht mehr möglich war.“

Zudem outet sich Gludovatz nicht gerade als Fan des Delegierens.

„Ich habe immer alles top erledigen wollen, weil ich die Verantwortung dafür hatte und nicht nur die Kompetenz. Jeder Schritt und Kilometer war für mich wichtig. Das habe ich auf die Goldwaage gelegt und mich voll und ganz hineintheatert.“

Keine Balance zwischen Belastung und Regeneration

Auch die kleinen Erfolge und Bestätigungen gingen ihm in seiner neuen Rolle ab. Zudem nahm der Druck der Öffentlichkeit und der Medien immer mehr zu.

Das musste auch Gludovatz am eigenen Leib erfahren. Zudem fehlten die Verschnaufpausen in einem nervenaufreibenden und schweißtreibenden Job.

„Während ich bei Sportlern auf die Balance zwischen absoluter Belastung und Regeneration geschaut habe, habe ich nie an mich gedacht.“

In Zukunft will er sich mehr um sich kümmern, Sturm Graz will er allerdings in einer Position erhalten bleiben. Um welche genau es sich handelt, wollte Gludovatz vorerst aber noch nicht verraten.

Mittlerweile geht es ihm aber gesundheitlich wieder so gut, dass er ankündigt: „Ich bin zu hundert Prozent da, das ist eine Drohung.“

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