Gerson lebt bei Rapid den Traum aller Brasilianer

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Statt angefressen zu sein, präsentiert sich Rapid-Neuzugang Gerson locker, mit einem Lächeln auf den Lippen und scherzt mit seinen Kollegen.

Dabei hätte er allen Grund dazu. Denn Trainer Peter Schöttel hat ihm untersagt, in der kommenden Saison mit seiner Lieblingsnummer aufzulaufen. Obwohl diese frei wäre.

Aber kein Wunder, ist die Nummer 5 doch seit dem Karriereende des Ex-Abwehrchefs nicht mehr vergeben worden. Und das liegt immerhin schon elf Jahre zurück.

Um die Wogen zu glätten, kündigt Schöttel aber einen Kompromiss an: „Wir schauen uns das ein Jahr an. Wenn er wirklich gut spielt, können wir über den Fünfer reden.“

Gerson verdankt Kapfenberg viel

Der brasilianische Verteidiger kann aber auch mit der Nummer 35 leben, schließlich brachte ihm diese bei seiner ersten Österreich-Station in Kapfenberg Glück.

Dem steirischen Klub, allen voran Thomas von Heesen, hat er viel zu verdanken. Auch, dass er jetzt bei Rapid nach den Sternen greifen kann.

„Kapfenberg war mein erster Klub, wo ich wirklich profimäßig gespielt habe. Es war eine sehr wichtige und gute Erfahrung für mich als Spieler, aber auch als Mensch. Von Heesen ist ein super Freund. Ich muss mich bei ihm bedanken, dass ich mich so entwickelt habe“, schickt Gerson im Gespräch mit LAOLA1 Grüße in die Steiermark.

Bei einem Turnier mit Botafogo wurde er ins B-Team von Atletico Madrid geholt und ebnete so seinen Durchbruch in Europa. Ein Traum, den laut Gerson in Brasilien jeder Fußballer hat.

Deutsche Vereine hatten das Nachsehen

Der 20-Jährige lebt derzeit seinen Traum bei Rapid, wo er große Ziele verfolgt.

Die Aussichten bei den Grün-Weißen waren dafür entscheidend, dass Gerson Guimarães Ferreira Junior – wie er mit vollem Namen heißt – Österreich treu blieb.

„Ich hatte auch Angebote aus Deutschland, aber ich wollte zu einem großen Verein, wo ich spielen und Erfahrung sammeln kann, die mir später weiterhilft.“

An Wien und vor allem Rapid hat er längst Gefallen gefunden. Die Unterschiede zum Absteiger aus Kapfenberg sind kaum zu übersehen.

„Rapid ist ein Riesenverein, der sich auf seine Chance in Europa freut. Für mich ist es ein Neuanfang in meiner Karriere“.

„Gegenspieler in Europa sind stärker und robuster“

Die Uhren werden auf Null gestellt, denn der Konkurrenzkampf in Rapids Viererkette ist ungleich höher als noch bei seinem Vorgängerverein.

„Es wird sehr schwierig, weil Rapid mit Sonnleitner und Pichler ein wirklich starkes Duo mit Erfahrung hat. Ich bin aber erst 20 Jahre alt. Ich will nur arbeiten und dann bereit sein, wenn sich der Trainer für mich entscheidet. Es wird ein harter Kampf.“

Um voll angreifen zu können, will der Samba-Kicker, der auch einen spanischen Pass besitzt, noch zulegen – vor allem im körperlichen Bereich, wo er noch Defizite sieht.

„Ich muss noch an Muskulatur dazugewinnen, weil die Gegenspieler in Europa stärker und robuster sind. In Brasilien ist das ein bisschen anders.

„Ich will etwas Großes erreichen“

Eine hervorzuhebende Eigenschaft, die auch in den Plänen des Trainerteams eine große Rolle spielte, ist das Spielverständnis, der Umgang mit dem Ball und die Versuche, Situationen spielerisch zu lösen.

Das zeichnete den Innenverteidiger bereits bei Kapfenberg aus. Bei Rapid tritt er damit in die Fußstapfen von Ragnvald Soma, der auch für seine gute Spieleröffnung bekannt war.

„Meine Stärken sind die Technik und dass ich sehr gut mit dem Ball umgehen kann“, hat Gerson Vertrauen in seine Fähigkeiten.

Das Ziel bei Rapid ist klar. Zuerst will er sich einen Stammplatz erarbeiten und dann so viele Titel wie möglich abstauben.

„Ich will etwas Großes erreichen. Rapid und Salzburg duellieren sich immer, das sind große Spiele. Aber Rapid hat das Potenzial, Meister zu werden.“

Mit viel Spaß, aber auch dem nötigen Ernst

Vorerst gibt es noch leichte Verständigungsschwierigkeiten innerhalb der Mannschaft, aufgrund der ausbaufähigen Deutsch- und Englischkenntnisse.

Aber die Sprache des Fußballs sei überall gleich, ist sich Gerson, der sich in seiner Freizeit am Liebsten dem Einkaufen, der Playstation und dem Kontakt mit seiner Verwandtschaft via Internet widmet, sicher.

Aufgrund seiner Frohnatur ist er bei Rapid von vielen mit offenen Armen empfangen worden. Die Freude am Spiel ist dem Brasilianer immer anzusehen und fördert das Klima.

„Ich lache schon gerne, aber ich muss jetzt am Anfang seriös bleiben, damit die Mannschaft nicht glaubt, dass ich nur Spaß haben will. Ich will hart arbeiten, das ist mein Ziel. Aber wenn es gut läuft, lache ich gerne und bin ein glücklicher Mensch.“

Auch wenn er sich die Nummer 5 erst verdienen muss.


Alexander Karper

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