"Das Beste sind nicht die Siege"

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"So ein Hochgefühl hatte ich nie wieder"

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Nach vier Meistertiteln, vier Cup-Triumphen, 187 Bundesliga-Spielen und 25 Partien für das ÖFB-Team zieht Franz Schiemer einen Schlussstrich unter seine aktive Karriere.

Mit gerade einmal 28 Jahren. „Den Mut, in diesem Alter die Karriere zu beenden, muss man erst einmal aufbringen“, sagt Sportchef Ralf Rangnick.

Dem Wunsch, den Vertrag vorzeitig aufzulösen, habe man in Salzburg „sehr schnell entsprochen“, so der Deutsche. Er sei überrascht gewesen, als Schiemer diesen Wunsch erstmals geäußert hatte: „Das kam unerwartet.“

Freilich nahm auch der Oberösterreicher selbst ausführlich Stellung zu seiner Entscheidung.

Fränky Schiemer über…

Sein Karriereende:

Die letzten zwei Jahre waren für mich aufgrund meiner zahlreichen Verletzungen nicht leicht. Ich habe das Gefühl, ich bin nicht mehr so belastbar, wie ich das gerne sein möchte. Zusätzlich habe ich große Freude und Neugier auf das Leben nach dem Kicken entdeckt. Deswegen bin ich zu dem Entschluss gekommen, um eine vorzeitige Auflösung des Vertrages zu bitten. Es war keine leichte Entscheidung. Es hört sich mit 28 Jahren zwar schlimm an, aber ich habe doch zwölf Profi-Jahre hinter mir und hatte eine sehr erfolgreiche Zeit. Ich sehe das gar nicht so wehmütig wie manch andere. Ich freue mich wirklich auf die nächste Zeit.

Seine Entscheidung:

Es war ein Prozess, ganz klar. Es gab kein Erlebnis, nach dem ich mir gesagt habe, ich will nicht mehr. Das hat sich über die letzten zwei Jahre entwickelt. Vor ein paar Monaten war das schlussendlich für mich geklärt. Wir haben das erste Gespräch darüber, dass es in diese Richtung gehen wird, schon vor eineinhalb, zwei Monaten geführt. Ich möchte mich auch herzlich bedanken, dass mir das so möglich gemacht wurde. Ich bin nicht der Typ, der bis Sommer hinaus mit ein paar Prozent weniger Fußball spielt. Vielleicht wäre es noch möglich gewesen, mich zwei, drei Jahre durchzukämpfen. Aber bei den Anforderungen meiner Spielweise ist das einfach nicht möglich. Ich wäre meinem Anspruch nicht gerecht geworden.

Seine Zukunft:

Ich möchte jetzt mal Zeit mit meiner Familie genießen. Es ist eine besondere Situation, weil meine Frau noch in Karenz und der Kleine schon sehr aktiv ist. Ich habe mir eine fixe Zeit vorgenommen, in der ich mich nur um meine Familie kümmern möchte. Ich will mir selbst keinen Zeitdruck machen. Es kann passieren, dass meine Frau nach zwei Jahren sagt, sie hält es mit mir nicht mehr aus und ich soll wieder arbeiten gehen. Ich habe nebenbei einen Master in Projekt- und Sportmanagement gemacht – einfach, weil es mich interessiert hat. Ich kann aber noch gar nicht sagen, in welche Richtung es geht. Aber das ist auch das Schöne, dass alles noch unbestimmt ist. Ich möchte auch nicht sagen, dass ich irgendwas niemals machen würde. Aktuell kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, Trainer zu werden, aber ich möchte nicht sagen, dass ich das nie machen werde.

Seine Karriere:

Es hat viele persönliche Highlights gegeben. Was immer ein bisschen vergessen wird, ist, dass meine erste Meisterschaft in der zweiten Liga mit Ried war. Das war etwas Besonderes, mein erster Titel. Das war ein extremes Hochgefühl, dass ich im Nachhinein nie wieder hatte. Trotzdem ist jeder Meistertitel und jeder Cupsieg etwas Besonderes. Das ist ein enormer Schatz an Erinnerungen. Auch das Nationalteam ist immer etwas Besonderes – mein erstes Länderspiel war gegen die Elfenbeinküste mit Didier Drogba, gegen den ich mich sehr gut geschlagen habe. Auch meine zwei Tore gegen Belgien sind etwas, das mir in Erinnerung bleiben wird. Natürlich hätte es mehr sein können, es kann immer mehr sein. Aber man muss mit dem zufrieden sein, was man erreicht hat. Ich bin überhaupt nicht wehmütig, weil ich eine tolle Zeit hatte. Das Allerbeste sind nicht die Siege und Erfolge, sondern das, was einen als Mensch im Leben weiterbringt. Ich habe in dieser Zeit so viele Menschen kennengelernt und enorm viel von ihnen profitiert. Die letzten Jahre in Salzburg haben mich als Person am meisten geprägt.

Seine Cuts:

Ich glaube, es waren 15. Das trifft sich gut mit meiner Rückennummer, die ich meistens getragen habe. Das ist aber nicht der Grund, warum ich aufgehört habe.

Einen Fehler:

Mir wurde damals in den Mund gelegt, dass ich von der Austria aus niemals innerhalb Österreichs wechseln würde. Das habe ich aber nie gesagt. Ich habe das aber auch nicht korrigiert. Dann bin ich zu Salzburg gewechselt. Die Austria-Fans nehmen mir das immer noch übel, weil ich das gesagt haben soll. Ich möchte mich bei den Austria-Fans entschuldigen. So war das nicht.

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