"Austria ist nicht FC Bayern"

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"Wir werden jetzt nicht durchdrehen"

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Nach einer historischen Woche für Fußball-Österreich mit der erstmaligen sportlichen Qualifikation für eine Europameisterschaft steht am Wochenende wieder Bundesliga-Alltag am Programm.

Und so wie das Nationalteam schwimmt auch die Wiener Austria auf einer Erfolgswelle – wenngleich im Vergleich mit dem A-Team auf einer wesentlich kleineren.

Platz zwei in der Tabelle hätte den Veilchen nach sieben Runden wohl nur die wenigsten zugetraut.

14 Punkte und 17 geschossene Tore lesen sich gut und machen die Wiener erst recht zum großen Favoriten im kommenden Duell mit Schlusslicht SV Ried.

Doch gerade in der klaren Ausgangsposition sieht FAK-Coach Thorsten Fink die größte Bedrohung.

Die größte Bedrohung

„Wir sind Tabellenzweiter und Ried ist Letzter. Genau darin liegt die Gefahr. Bei uns sind die Ansprüche mittlerweile höher, jeder denkt, wir können Ried 3:0 oder 4:0 schlagen. Wenn man dann nach einer halben Stunde nicht führt, wird der eine oder andere nervös“, warnt der Deutsche, der offen lässt, ob der wieder spielberechtigte Lukas Rotpuller oder Vance Shikov den Platz neben Richard Windbichler in der Verteidigung einnehmen wird.

„Für Lukas spricht, dass er die ganz Zeit da war, er topfit ist. Vance hatte zwei Spiele und wir wissen, dass Lukas schneller unterwegs ist. Dafür hat er im taktischen Bereich noch ein paar Defizite. Doch dafür bin ich da, ich möchte ihn besser machen. Lassen wir uns überraschen, wer spielen wird.“

So oder so fordert der Trainer: „Wir müssen Geduld haben, egal ob es die Spieler oder die Fans sind. Der Gegner wird mit dem Messer zwischen den Zähnen kommen, denn sie brauchen jeden Punkt.“

Fighten und Teamwork

Daher lautet seine Appell: „Wir haben Selbstvertrauen, klar. Dennoch wird es ein gefährliches Spiel. Wir müssen auf unsere Tugenden setzen. Das heißt Fighten und Teamwork. Das ist das, was uns in den ersten Spielen ausgezeichnet hat, sonst werden wir gegen Ried nicht gewinnen.“

Als warnendes Beispiel nennt der 47-Jährige das 0:3 im Test gegen den FAC am vergangenen Samstag – für ihn ein Warnschuss zur richtigen Zeit.

„Es geht nicht, ein Freundschaftsspiel zu bestreiten und nur darauf zu achten, sich nicht zu verletzen. Man sieht, dass wir eine 100-prozentige Einstellung benötigen, um eine Partie zu gewinnen. Egal wie der Gegner heißt. Daher war dieser Test für den Kopf sehr gut. Es muss jedem bewusst sein, dass eine Topleistung notwendig ist, sonst gewinnen wir gar nichts – wir sind nicht Bayern München, das so ein Freundschaftsspiel durch seine spielerische Qualität locker gewinnt. Das geht nicht, noch nicht. Wir müssen über den Charakter die Spiele gewinnen.“

Lob für Almer

So einen Charakter attestiert Fink seinem EM-Teilnehmer Robert Almer. Laut dem Chefcoach bringt der Tormann alle Qualitäten mit, die einen Vorzeige-Profi ausmachen.

„Er ist eine Stütze und einer der Führungsspieler. Ich bin froh, dass der Klub so einen Mann im Sommer verpflichten konnte. Für mich ist es unverständlich, warum er nicht in der deutschen Bundesliga spielt. Er ist top und hat viel Qualität. Da kann man den Leuten bei uns nur gratulieren, so einen Mann geholt zu haben.“

Generell freut sich der Deutsche mit den Erfolgen der österreichischen Nationalmannschaft. “Ich möchte dem ÖFB-Team zur Qualifikation für die Europameisterschaft gratulieren. Das war ein beeindruckendes Spiel gegen Schweden. Es waren ja mehrere Spieler mit Austria-Bezug  (Almer, Lindner, Suttner, Klein, Dragovic, Alaba, Baumgartlinger, Junuzovic, Okotie, Anm. d. Red.) dabei. Das ist eine tolle Sache und zeigt, dass wir gute Arbeit leisten. Darauf darf man stolz sein.“

Fink von ÖFB imponiert

Der Ex-HSV-Betreuer traut Rot-Weiß-Rot bei der Endrunde in Frankreich einiges zu. „Ich habe von Deutschland schon lange nicht mehr so ein gutes Spiel gesehen, wie jenes von Österreich in Schweden. Das war imponierend: Schnelles Umschalten, Ballbesitz. Es war alles dabei: Spielwitz, Freude am Fußball. Man sieht den Spaß, den diese Mannschaft hat. Wenn sie das Beibehalten, können sie eine gute Rolle bei der EURO spielen. Es gibt immer ein Überraschungsteam.“

Weiterhin überraschen möchte Fink mit der Austria – eine Kampfansage bleibt allerdings aus: „Ich habe niemals vom Titelkampf gesprochen. Wir werden bescheiden bleiben. Unser Anspruch ist Platz drei. Das ist unser Ziel. Salzburg ist noch nicht da, wo sie hingehören. Sie haben noch Probleme. Wir werden jetzt nicht durchdrehen und sagen: Wir holen die Meisterschaft.“

 

Martin Wechtl

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