Die besten Finisher der Bundesliga

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Die Taktiken für die letzten Minuten einer Partie können von Team zu Team unterschiedlich aussehen.

Mauern, den Ball in den eigenen Reihen halten, absichern oder auf Teufel komm raus die Entscheidung erzwingen, sind nur einige Möglichkeiten, um ein Spiel über die Runden zu bringen.

Wie man Spiele in der Schlussviertelstunde zu seinen Gunsten entscheidet, beweist Aufsteiger Admira in dieser Saison eindrucksvoll. Grund genug für LAOLA1 zu klären, ob die Südstädter tatsächlich die besten Finisher der Bundesliga sind.

Wer schießt ab der 76. Minute die meisten Tore? Wer erobert in den Schlussminuten drei oder zumindest einen Punkt? Und wer kassiert die meisten Treffer in der Schlussphase?

Die Austria braucht sich in punkto Last-Minute-Tore nicht zu verstecken. Nur einmal weniger als die Admira, insgesamt acht Mal, schlugen die Favoritner in der Schlussviertelstunde zu. Der einzige große Unterschied: Die Austria hatte zu diesem Zeitpunkt die meisten Spiele bereits für sich entschieden. Genau drei Mal konnte noch der nicht mehr für möglich gehaltene Sieg eingefahren werden. Mit nur drei Gegentreffern führen die Violetten die Plus-Minus-Wertung zusammen mit Ried an.

Ried liegt in dieser Statistik gleichauf mit Rapid und konnte bisher sechs Mal zwischen der 76. Minute und dem Abpfiff einen Treffer erzielen. Als Experte für späte Tore erwies sich Robert Zulj, der bereits drei Mal in der Schlussphase seine Stürmerqualitäten unter Beweis stellte. Gegen Mattersburg konnte die Partie noch entschieden werden, gegen die Admira holte man durch Zuljs Treffer in der 78. Minute noch einen Punkt. Sicher stehen die Innviertler bis zur letzten Minute. Nur Austrias Markus Suttner schenkte der Gludovatz-Truppe in der Schlussviertelstunde einen Treffer ein.

Vor allem zu Saisonbeginn machten Rapid späte Treffer aus. Gegen die Admira sorgte Nuhiu in der 90. für die Vorentscheidung, in Wr Neustadt gelangen Nuhiu (92.) und Drazan (94.) sogar beide Treffer zum 2:0-Erfolg in der Nachspielzeit. Der Doppelschlag bei den Niederösterreichern war auch der einzige, der direkten Einfluss auf die Punkte-Ausbeute hatte. Gegen Kapfenberg waren das 4:1 und 5:1 Ergebniskorrektur, Salihis 3:3-Ausgleich gegen die Admira war schlussendlich zu wenig (3:4). Drei Mal schlug es aber auch im Rapid-Tor ein. Gegen Sturm und Admira gaben die Hütteldorfer dadurch ein Remis aus der Hand, gegen Wr. Neustadt einen Sieg.

Es ist tatsächlich so: Die Admira ist in der Schlussviertelstunde brandgefährlich. Das beweisen nicht nur die zwei Nachspielzeit-Treffer beim 3:2-Heimerfolg gegen Wacker Innsbruck. Insgesamt gelangen dem Team von Dietmar Kühbauer im ersten Saisondrittel neun Treffer in den letzten 15 Minuten oder in der Nachspielzeit. Vier davon waren entscheidende Treffer, die den Niederösterreichern in letzter Sekunde den Sieg oder zumindest ein Remis retteten. Patrik Jezek erwies sich bisher als Spezialist für späte Tore. Ingesamt schlug er drei Mal in dieser Phase zu. Admiras Kräfte reichen offensiv bis in die 90. Minute und länger. Aber defensiv? Immerhin kassierte der Spitzenreiter sieben Treffer in den Schlussminuten. Nur Sturm, Kapfenberg und Mattersburg bekamen mehr.

RB Salzburg hat mit dem Treffer von Svento (84.) gegen Sturm gerade noch die alleinige Rote Laterne abgegeben. Nun weisen auch die Bullen zumindest drei Treffer zwischen der 76. Minute und dem Schlusspfiff auf. Etwas am Ausgang der Partie verändert, hat es nur einmal. Im Heimspiel gegen Sturm rettete Wallner (89.) in letzter Minute noch einen Punkt (1:1). Entscheidungen zu später Stunde erzwingen, zählt somit nicht zu den Vorlieben des Vizemeisters. Dafür steht man defensiv stabil. Nur einmal wurde die Viererkette ab der 76. Minute überwunden. Alexander Grünwald geling dieses Kunststück beim 3:2-Erfolg in der 10. Runde.

Wiener Neustadt hat im Abstiegskampf einen Trumpf in der Hand: Die Niederösterreicher erzielen mehr Tore als die direkten Konkurrenten in der Schlussphase. Während Wacker, Mattersburg und Kapfenberg nur auf drei Treffer kommen, verbuchte Wr. Neustadt bisher vier Tore. Ein spätes Tor von Simkovic in Mattersburg sicherte den Gästen einen Auftaktsieg (76.), gegen Rapid bedeute der verwandelte Elfmeter von Helly (85.) den 1:1-Ausgleich. Zwei Treffer waren nicht spielentscheidend, zwei Mal handelte es sich um Tore zum 2:0. Nachdem es gleich am zweiten Spieltag gegen Rapid zwei Gegentore in der Nachspielzeit hagelte, bekam man seitdem nur noch einmal ein Tor nach der 76. Minute.

Wacker Innsbruck konnte bisher drei Mal als Finisher in Erscheinung treten, eine Entscheidung wurde kein einziges Mal erzielt. Vor allem das Admira-Trauma fand erst in der vergangenen Runde ihre Fortsetzung. In der 77. Minute erzielte Dakovic noch das 2:1, am Ende hieß es durch Treffer der Südstädter in der 89. und 92. Minute 3:2. Schon im ersten Saisonduell reichte Merinos Führungstreffer (90.) nicht zum Sieg. Endstand: 2:2. Hinten lassen die Innsbrucker aber einiges anbrennen. Sechs Mal zappelte der Ball in der Schlussphase bereits im eigenen Netz.

Bei Sturm Graz gibt es in der Nachspielzeit noch Verbesserungspotenzial. Nur vier der insgesamt zwanzig erzielten Treffer wurden in der letzten Viertelstunde erzielt. Gegen Mattersburg bewahrte Muratovic (82.) die Grazer vor einer Blamage, indem er das 2:2 erzielte. Im Heimspiel gegen Rapid sorgte "Joker" Bukva für den nicht mehr für möglich gehaltenen Siegtreffer in der Nachspielzeit (92.). Die Treffer gegen Wr. Neustadt und auswärts in Mattersburg waren nur mehr Draufgabe. Erschreckend sind die Gegentreffer. Acht Mal wurde die Hintermannschaft in der letzten Viertelstunde überrumpelt. Zu viele für die Ansprüche des Meisters.

Kapfenbergs Garantie für späte Tore hat einen Namen: Michal Ordos. Alle drei Treffer, die die Steirer in der Schlussviertelstunde verbuchen konnten, gehen auf das Konto des Sommer-Neuzugangs. Noch dazu waren es wichtige Treffer. Gegen die Admira rettete der Tscheche in der 93. Minute einen Punkt (1:1), gegen Mattersburg gelang ihm der so wichtige Siegtreffer gegen den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf (82.). So wie der steirische Konkurrent Sturm Graz kassierte Kapfenberg auch noch acht Tore in der Schlussphase. Erst wenn hinten bis zum Schlusspfiff mehr Sicherheit herrscht, könnten sich die Falken Luft im Abstiegskampf verschaffen.

Dass Mattersburg auf Patrick Bürger angewiesen ist, ist kein Geheimnis mehr. Sechs Treffer erzielte der Sturmtank bisher und führt damit die Torschützenliste zusammen mit Jezek, Hosiner und Linz an. Auch in der Schlussphase ist Bürger brandgefährlich. Zwei Mal schlug er schon zu, insgesamt war Mattersburg drei Mal erfolgreich. Die wichtigsten Nachspielzeit-Treffer waren jene gegen Sturm Graz. In der elften Runde sicherten Bürger (91.) und Naumoski (94.) nach 1:3-Rückstand noch ein 3:3. Mit neun Gegentreffern ab der 76. Minute ist Mattersburg das Schlusslicht aller Bundesliga-Vereine. Das kräfteraubende Spiel der Lederer-Elf zehrt anscheinend an den Kräften.

Wie die Statistik beweist, setzt nicht jeder das Hauptaugenmerk auf die Schlussphase. Abgesehen von der Admira (9 Treffer) und Austria (8 Treffer) sowie Rapid und Ried (je 6 Treffer) halten sich die Teams zurück bzw. können in den letzten Minuten nicht mehr zulegen. Bei der Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor ist es nur wenig verwunderlich, dass der beste "Finisher der Liga" derzeit an der Spitze steht. In punkto Gegentreffer sind der Tabellenletzte Mattersburg und der Vorletzte Kapfenberg ganz vorne, nur Meister Sturm überrascht als drittanfälligstes Team.


Alexander Karper

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