FC Wacker trennt sich von Oliver Prudlo

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Der FC Wacker trennt sich von seinem Sportdirektor Oliver Prudlo.

Die überraschende Entscheidung teilt das Bundesliga-Schlusslicht in einer Presseaussendung mit.

Trainer Roland Kirchler, Geschäftsführer Gerald Schwaninger und Teammanager Gogo Feistmantl übernehmen ab sofort interimistisch Prudlos Aufgaben.

"Wesentlicher Anteil am Aufstieg"

"Oliver Prudlo hat in den vergangenen vier Jahren Großartiges für den Verein geleistet."

"Ihm gebührt ein wesentlicher Anteil am Aufstieg und der Etablierung in der Bundesliga. Dafür möchte ich mich im Namen des Vereins bei ihm bedanken", sagt Klub-Präsident Kaspar Plattner.

"Faszinierende Zeit"

Prudlo wird in der Aussendung wie folgt zitiert: "Wie der Fußball für mich schon immer war, so war auch meine Zeit beim FC Wacker Innsbruck faszinierend. Offenbar ist der Druck von außen auf den Verein zuletzt sehr groß geworden."

"Ich wünsche nun der Mannschaft sowie dem Trainerstab alles erdenklich Gute im Kampf um den Klassenerhalt. Bedanken möchte ich mich bei allen, die in dieser Zeit Loyalität und Charakter bewiesen haben."

Der 44-Jährige war bei den Tirolern seit März 2010 im Amt.

LAOLA1 hat mit Geschäftsführer Gerald Schwaninger gesprochen:

LAOLA1: Wie haben Sie die Trennung von Sportdirektor Oliver Prudlo erlebt?

Gerald Schwaninger: Der Präsident hat am Mittwoch ein Gespräch mit ihm geführt und beide sind zu dem Entschluss gekommen, die Zusammenarbeit zu beenden. Vermutlich ist das ein Stück weit der Situation geschuldet, dass der Druck auf den Verein in den letzten Wochen und Monaten sehr, sehr groß war. Über den Inhalt des Gesprächs kann ich nichts sagen, ich war nicht dabei, wurde nur anschließend informiert.

LAOLA1: Was genau heißt, dass der Druck sehr groß geworden ist?

Schwaninger: Wenn man von der ersten Runde an mit dem Tabellenende zu tun hat, ist das pausenlos mit Druck behaftet und es gibt sehr viele Kritiker im Umfeld. Das hat dazu geführt, das wir auf diese Weise unseren vormaligen Trainer (Anm.: Walter Kogler) verloren haben. Die Situation hat sich wirklich stabilisiert, Gott sei Dank haben wir dann den Anschluss geschafft. Aber die Geister waren trotzdem immer wieder rund um den Verein zu hören. In den letzten Wochen hat sich die Lage wegen der Ergebnisse noch einmal zugespitzt, alles ist wieder hochgekocht. Ohne den Inhalt des Gesprächs genau zu kennen, geht es, glaube ich, darum, dem Verein jetzt möglichst viel Energie zu geben, um den Klassenerhalt zu schaffen. Das kann die Grundlage dieser Entscheidung gewesen sein.

LAOLA1: Und nach dem Trainer ist eben der Sportdirektor das schwächste Glied…

Schwaninger: Das würde ich so gar nicht sagen. Fußball ist halt leider Gottes sehr emotional und da ist die Halbwertszeit auf diesen Positionen sehr gering – nicht nur in Innsbruck, sondern weltweit. Fußball prägt die Region in Innsbruck – da ist für österreichische Verhältnisse immer sehr viel Bewegung und Energie da. Da nehmen die Dinge leider Gottes einen schnelleren Lauf, als vielleicht sonst wo. Davor können wir uns auch nicht verstecken.

LAOLA1: Kann man Oliver Prudlo – auch angesichts dessen, dass nicht wirklich Geld für Transfers vorhanden war – irgendetwas vorwerfen?

Schwaninger: Ich kann nur sagen, dass es schwer in Ordnung war, mit ihm zu arbeiten. Er ist ein Vollprofi auf seinem Gebiet. Auch menschlich ist er eine sehr angenehme Person. Außerdem hat er eine lange Geschichte im Tiroler Fußball. Ich kann nur Danke sagen. Mehr will ich dazu eigentlich nicht sagen.

LAOLA1: Kann man aber sagen, dass er es aufgrund der finanziellen Lage nicht leicht hatte?

Schwaninger: Wir haben, was wir haben. Und grundsätzlich ist das in Ordnung. Das ist Gegenstand des Vereinslebens, diesen Dingen haben wir uns zu stellen. Es nützt ja nichts. Es ist unsere eigene Entscheidung, diese Dinge mitzutragen. Und wenn wir das nicht können, sind wir sowieso fehl am Platz. Das ist mein persönlicher Zugang zu dem Thema. Wir können das Geld leider nicht drucken, sondern müssen hart arbeiten. Aber natürlich sind die Voraussetzungen bei anderen Vereinen vielleicht besser. Aber es ist, wie es ist. Wenn ich mich entscheide, für diesen Verein tätig zu sein, muss ich mich den Rahmenbedingungen ein Stück weit unterwerfen. Aber es ist unser aller Aufgabe, diese Rahmenbedingungen zu verbessern. Am Ende des Tages ist das eine sehr sachliche und nüchterne Frage.

LAOLA1: Laut Tiroler Medienberichten soll der Abgang auch eine Forderung der Geldgeber, die lieber eine „Tiroler Galionsfigur“ in der Rolle des Sportdirektors sehen wollen, gewesen sein. Was ist da dran?

Schwaninger: Das muss man die Geldgeber fragen, ich kann das nicht beantworten. In Situationen, in denen personelle Veränderungen stattfinden, gibt es einen großen Nährboden für Gerüchte. Ich bin schon lange in diesem Geschäft und habe es noch nie anders erlebt. Solche Gerüchte kommentiere ich nicht.

LAOLA1: Abschließende Frage. Vorerst werden die Aufgaben des Sportdirektors klubintern aufgeteilt. Wird es einen Nachfolger geben?

Schwaninger: Da bin ich überfragt. Anfang nächster Woche tagt der Vorstand, da wird dieses Thema zur Sprache kommen. Danach werden wir mehr wissen.


Das Gespräch führte Harald Prantl

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