„Wir befinden uns in einer prekären Situation“

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Sie stehen im Abseits.

Während sich die Bundesliga-Klubs auf den Saison-Start vorbereiten, stehen einige heimische Ballkünstler, die in der abgelaufenen Spielzeit in den beiden höchsten Spielklassen ihr Können unter Beweis gestellt haben, noch ohne Verein da.

Diese Spieler, ohne Vertrag und damit arbeitslos, wollen den Sprung zurück ins Profi-Geschäft schaffen.

Unterstützt werden sie dabei von der VdF, der Vereinigung der Fußballer, und dem AMS, die das erste Camp für arbeitslose Fußballer ins Leben gerufen haben.

Die Kicker sollen sich während des sechswöchigen Kurses in den Sommermonaten fit halten, um jederzeit wieder ins Profi-Geschäft einsteigen zu können.

Betreut werden sie vom ehemaligen Bundesliga- und ÖFB-Trainer Paul Gludovatz..

Im Gespräch mit LAOLA1 zeigt sich der Burgenländer von der Moral seiner Schützlinge begeistert.

„Die Einstellung ist toll, ich habe sie nicht in dieser Intensität erwartet. Die Spieler eifern förmlich danach, sind geil auf dieses Training.“

Spieler im gutem Zustand

Neben der Motivation zeigt sich Gludovatz von der physischen Verfassung seiner Truppe beeindruckt, von körperlichen Schwächen keine Spur.

„Gerade das Gegenteil ist der Fall. Wir haben sportmotorische Erhebungen gemacht. Die Ergebnisse kann man gut und gerne mit jenen einer österreichischen Bundesliga-Mannschaft gleichstellen.“

Viele Spieler halten sich während der Vereinssuche zwar mit individuellem Training fit, Übungseinheiten innerhalb eines Teams, wie sie beim VdF-Camp geboten werden, kann das allerdings nicht ersetzen.

„Mannschaftstraining ist keine Selbstverständlichkeit für Leute, die irgendwo ins Eck gestellt worden sind“, weiß Gludovatz, der die Spieler bis zu dreimal täglich auf den Platz bittet.

Psychische Bereich sehr wichtig

„Wir trainieren so, wie es kurz vor Saisonbeginn sein sollte“, erklärt der 68-Jährige. „Wir arbeiten alle dafür, den Spielern einen idealen Übergang in einen Meisterschaftsbetrieb zu ermöglichen.“

Neben dem körperlichen Training hat für den Burgenländer auch die psychische Betreuung einen großen Stellenwert.

„Ich glaube, dass der psychische Bereich, neben dem physischen, technischen und taktischen, ein wichtiger Bestandteil ist. Es gehört für mich dazu, den Spielern auch mal zuzuhören, ihre Sorgen und Nöte kennenzulernen.“

Viele der Teilnehmer befinden sich zum ersten Mal in einer derartigen Situation, sind mit Arbeitslosigkeit und Zukunftssorgen konfrontiert.

Existenzängste

„Diese, und ich verwende da bewusst ein schwerwiegendes Wort, Existenzängste, dass sie nichts bekommen und trotzdem überleben müssen, nur mit dem AMS-Geld, sind spürbar“, schildert Gludovatz. „In so einer Situation greifen die Spieler dann auch nach dem letzten Strohhalm.“

Den Grund für die hohe Zahl an arbeitslosen Fußballern, im Juni waren es laut Angaben der VdF 145, sieht der Trainer im System.

„Die Systemfrage hat in den letzten fünf bis zehn Jahren arg gegriffen. Die Chancen für Spieler unterzukommen werden einerseits durch die rechtliche, andererseits durch die wirtschaftliche Situation stark beeinflusst. Die Klubs, nicht nur in der Ersten Liga, greifen natürlich eher zu zwei billigeren jungen Spielern, als zu einem teuren arrivierten Spieler.“

Eine Tatsache, die unter anderem dafür verantwortlich ist, dass so viele Akteure wie noch nie ohne Vertrag dastehen.

„Wir befinden uns in einer prekären Situation, in der es immer mehr arbeitslose Fußballer gibt. Die oberste Spitze der Bundesliga und der ÖFB sind gefordert“, findet der 68-Jährige.

<p style=\'margin-bottom: 0cm; widows: 2; orphans: 2;\'><span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'><span style=\'font-family: Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif; orphans: auto; widows: auto;\'>Teilnehmer

<span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'>Siebenhandl Jörg<span style=\'font-family: Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif; orphans: auto; widows: auto;\'> <span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'>Köfler Marco<span style=\'orphans: 2; widows: 2;\'> <span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'>Kropfhofer Uwe
<span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'>Haselberger Christian<span style=\'font-family: Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif; orphans: auto; widows: auto;\'> <span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'>Hlinka Peter<span style=\'orphans: 2; widows: 2;\'> <span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'>Fend Kevin
<span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'>Atan Cem<span style=\'font-family: Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif; orphans: auto; widows: auto;\'> <span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'>Hopfer Thomas<span style=\'orphans: 2; widows: 2;\'> <span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'>Schicker Andreas
<span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'><span style=\'font-family: Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif; orphans: auto; widows: auto;\'><span style=\'font-family: Calibri, sans-serif; orphans: 2; widows: 2;\'>Vukajlovic Miodrag <span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'>Sadovic Mirnel <span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'>Hopfer Matthias
<span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'><span style=\'font-family: Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif; orphans: auto; widows: auto;\'><span style=\'font-family: Calibri, sans-serif; orphans: 2; widows: 2;\'>Felix Rene <span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'>Salihu Lumbardh
<span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'><span style=\'font-family: Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif; orphans: auto; widows: auto;\'><span style=\'font-family: Calibri, sans-serif; orphans: 2; widows: 2;\'>Berger Hans Peter <span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'>Mitrovic Radovan
<span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'><span style=\'font-family: Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif; orphans: auto; widows: auto;\'><span style=\'font-family: Calibri, sans-serif; orphans: 2; widows: 2;\'>Rakowitz Stefan <span style=\'font-family: Calibri, sans-serif;\'>Plattensteiner Erik

"Da habe auch ich meine Fehler gemacht"

Demnach müsse man bereits bei der Nachwuchsarbeit ansetzten.

„Wir müssen auch den Jugendlichen, die nachdrängen, die Wahrheit sagen. In den Akademien ist es so, und da habe auch ich meine Fehler gemacht, dass man jedem 14- oder 15-Jährigen sagt, dass er Profi wird. Die Chancen, das wirklich zu schaffen und nachhaltig Geld zu verdienen sind aber sehr gering“, sagt Gludovatz und rückt das Bild des reichen Fußballers zurecht.

Das bekommen derzeit auch seine Schützlinge zu spüren. Insgesamt nehmen rund 20 Fußballer am VdF-Camp teil, die ersten Spieler haben den Kurs jedoch schon wieder verlassen, sind bei Vereinen untergekommen. Die Verbliebenen müssen entscheiden, ob sie Angebote aus unteren Spielklassen (Transferschluss 15. Juli) annehmen oder weiter auf ein Bundesliga-Engagement hoffen.

„Es gibt Spieler, die Angebote haben, diese aber nicht annehmen und noch zuwarten. Andere wiederum sehen keine Chance oder wollen nicht auf das große Geld oder das bessere Angebot warten“, erklärt Gludovatz.

"Es werden nicht alle schaffen"

Der Gang in die Amateurligen ist für den Burgenländer, der seinen Heimat-Verein im Unterhaus trainiert, jedoch nicht der optimale Weg. „Die Spieler schaffen dann kaum mehr den Aufstieg. Wenn man einmal in der Regionalliga ist, kommt man nur schwer wieder in die höchste oder zweithöchste Spielklasse.“

Einige der Kicker werden am Ende des Sommers ohne Verein dastehen, so realistisch ist auch der Coach.

„Es werden nicht alle schaffen. Ich wäre sehr zufrieden, wenn wir eine Handvoll anbringen“, sagt Gludovatz und appelliert an das Durchhaltevermögen seiner Truppe. „Wenn es jetzt nicht klappt, ergibt sich für den einen oder anderen sicher bis Ende August, vielleicht auch erst bis zur Übertrittszeit im Februar, eine Möglichkeit.“

Bis dahin heißt es für die Spieler fit bleiben und auf Angebote hoffen, um aus dem Abseits zu treten und doch noch den Sprung zurück ins Profi-Geschäft zu schaffen.

 

Daniela Kulovits

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