"Ich habe vollstes Verständnis für kritische Stimmen"

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Franz Wohlfahrt ist nun auch ganz offiziell neuer Sportdirektor der Wiener Austria und wird ab Freitag seine Arbeit beim Tabellensechsten beginnen.

Nachdem sich die Vereinsführung am Montagabend für den 50-Jährigen entschieden hatte, liefen die Gespräche mit dem ÖFB, wo er seit sechs Jahren tätig war.

Am Donnerstag löste der Kärntner das Dienstverhältnis beim Fußball-Bund auf und wurde am Abend im Rahmen der violetten Mitgliederversammlung vorgestellt.

Auch für die anwesenden Medienvertreter nahm sich der 59-fache Internationale Zeit, um erstmals über seine neue Funktion zu sprechen.

FRANZ WOHLFAHRT...

...ÜBER DIE RÜCKKEHR ZUR AUSTRIA:

Das ist für mich eine große Geschichte. Ich habe bei der Austria vor knapp 34 Jahren als sehr junger Fußballer meinen ersten Vertrag unterschrieben. Jetzt sind sehr viele Jahre vergangen. Deswegen ist es etwas ganz Besonderes, in diese sehr verantwortungsvolle Position berufen worden zu sein.

... AUF DIE FRAGE, WARUM ER SPORTDIREKTOR UND NICHT AG-VORSTAND GEWORDEN IST:

Das hat sich in den Gesprächen herauskristallisiert. Es ändert aber nichts an meiner Arbeit bzw. an den Möglichkeiten meiner Arbeit. Es ist ein firmenrechtliches Gebinde, was für mich persönlich keinen großen Unterschied ausmacht.

... AUF DIE FRAGE, WANN ER SICH GRUNDSÄTZLICH ENTSCHIEDEN HABE, EINE KARRIERE ALS SPORTDIREKTOR EINZUSCHLAGEN:

Den Posten des Sportdirektors übe ich zum ersten Mal aus. Das stimmt. Ich bin seit vier Jahren einer von einigen wenigen Instruktoren der FIFA in der Tormann-Trainerausbildung. Als Instruktor bist du nicht Trainer und nicht derjenige, der die Performance der Spieler beobachtet. Als Instruktor bist du "Coach of the Coach". Ich habe auch zuletzt beim ÖFB die Trainer ausgebildet. Daher verstehe ich die Rolle des Sportdirektors.

... AUF DIE FRAGE, WAS FÜR IHN GESPROCHEN HAT:

Was für mich gesprochen hat, müssen anderen beantworten. Außerdem kannte ich die anderen Mitbewerber nicht. Mein Konzept war nicht fix und fertig und niedergeschrieben. Aus meiner Sicht gibt es auch mehrere Konzepte - kleinere Konzepte und ein Gesamtkonzept. Der Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit der wirtschaftlichen Abteilung. Sport und Wirtschaft - das sind die zwei Herzkammern des Vereins. Die müssen sich einig sein, damit die Arbeit nach oben funktioniert und sich nach unter ausbreitet.

... AUF DIE FRAGE, OB ER GLAUBT, DER RICHTIGE ZU SEIN:

Auch diese Frage müssen andere beantworten. Ich habe in meinem Leben viele Erfahrungen gesammelt. Als Spieler, als Trainer und als Lehrer. Ich glaube, dass die beteiligten Herren meine Emotion und mein Herz für den Verein gespürt haben. Ich hatte in den letzten Tagen viele schlaflose Nächte, weil sich viel in meinem Kopf getan hat. Ich bin jedenfalls hochmotiviert.

...ÜBER SO MANCHE KRITIK AN SEINER BESTELLUNG:

Ich habe vollstes Verständnis für kritische Stimmen. Doch gerade diese Kritik motiviert mich noch mehr. Ich möchte die Leute, die momentan noch Zweifel haben, mit guter Arbeit auf meine Seite bringen und ihnen zeigen, dass der Verein eine gute Wahl getroffen hat.

... AUF DIE FRAGE, WIE ES MIT THOMAS PARITS WEITERGEHT:

Thomas Parits hat sich Gott sei Dank bereit erklärt, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die geschäftlichen Entscheidungen treffen ab sofort aber Markus Kraetschmer und ich.

... ÜBER DIE ERSTEN AUFGABEN:

Es wartet viel Arbeit. Im Trainingslager wird es genug Zeit geben, mit allen Spielern zu reden und auszuloten, wo wir stehen. Ich möchte mir ein eigenes Bild der Mannschaft machen, die Situation genau analysieren und dementsprechend die Hebel ansetzen. Es laufen zwar 16 Verträge mit Saisonende aus, bei zehn davon gibt es die Möglichkeit, eine Option zu ziehen. Es wird mit dem Trainerteam besprochen, wie wir da handeln werden. Doch das ist der Sommer, jetzt ist einmal wichtig, was wir aus dem Frühjahr machen. Da gilt es alle Kräfte zu bündeln. Wir wollen den zweiten Platz erreichen. Es sind vier Punkte Abstand. Es ist sicher schwierig, aber nicht unmöglich.

... ÜBER DEN ABSCHIED VOM DERZEIT ERFOLGREICHEN ÖFB:

Ich möchte mich hiermit auch ganz offiziell bei den Verantwortlichen beim ÖFB für die letzten sechs Jahre bedanken. Es war eine tolle Zeit. Es ist nicht immer alles gut gegangen, aber in letzter Zeit war es eine tolle Geschichte, bei der ich sehr viel gelernt habe. Die Entscheidung, den ÖFB zu verlassen, war schwierig, aber richtig. Die Position als Sportdirektor muss natürlich höher bewertet werden. Die Chance für mich ist groß, die möchte ich gerne nutzen.

... ÜBER DEN TRANSFER VON PHILIPP ZULECHNER:

Seine Verpflichtung macht mich glücklich. Ich war darüber informiert und wusste über den Status Quo der Verhandlungen Bescheid, war aber aus rechtlichen Gründen natürlich nicht involviert. Wenn ich mich vorher mit der Materie auseinandergesetzt hätte, hätte ich ihn wahrscheinlich auch verpflichtet. Ich bin froh, dass er da ist. Er soll nicht der letzte neue Spieler sein.

... AUF DIE FRAGE, OB ER SCHON NEUVERPFLICHTUNGEN IM KOPF HAT:

Es gibt ein paar Namen auf einer Liste. Diese werden wir mit dem Trainer besprechen. Vielleicht gelingt es uns noch jemanden im Winter zu holen, der uns weiterbringt. Sollte das  nicht passieren, sind aber noch genug Ressourcen vorhanden, um unsere Ziele zu erreichen.

... AUF DIE FRAGE, OB PHILIPP HOSINER EIN THEMA IST:

Wir sind noch nicht soweit, dass wir über gewisse Namen sprechen wollen.

 

Aufgezeichnet von Martin Wechtl

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