Auf den Spuren von Bruce Lee

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Ein Mosaiksteinchen auf dem Weg zum Titel

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15 Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger Salzburg. Kein Zweifel: Die Austria steht in der Meisterschaft unter Strom.

Dies gilt allerdings nicht nur im übertragenen Sinn. Denn die Veilchen haben ein elektrisierendes Geheimnis, welches ein weiteres kleines Mosaiksteinchen auf dem Weg zum Titel sein könnte.

Wir machen uns auf die Suche danach und werden im neunten Wiener Gemeindebezirk fündig. In einem kleinen Fitness-Studio macht der verkabelte Amateur-Keeper Günther Arnberger mit verzerrtem Gesicht Übungen. Übungen, die an und für sich an einfache Aufwärmübungen erinnern. Wozu also dann der hochrote Schädel mitsamt den Schweißtropfen an der Nase?

Es liegt klarerweise an der an eine Armatur angeschlossenen Weste. Während Arnberger von einer Trainerin des M.A.N.D.U.-Studios, so der Name der Fitness-Kette, instruiert wird, schraubt derweil Teamkollege Manuel Ortlechner genüsslich am Intensitätsregler von Arnbergers Elektroden. Ganz zum Leidwesen des Goalies, der jedes Mal leise aufschreit.

Von Bruce Lee über Hermann Maier

Mittels der Jacke sowie jeweils zwei Klettverschluss-Bändern an Oberarmen und –schenkel werden die jeweiligen Muskelpartien elektrisch innerviert. Vier Sekunden Belastung wechseln sich mit vier Sekunden Pause ab.

Muskeln durch elektrische Impulse zur Kontraktion zu stimulieren, ist im Prinzip nichts Neues, was auch Doktor Martin Mayer, seines Zeichens Kondi-Trainer der Austria, bestätigt.

„Die ersten Versuche auf diesem Gebiet gehen auf Bruce Lee zurück, der in den frühen 60er-Jahren erste Geräte konstruierte“, erklärt der 44-Jährige. „Es ist dann lange Zeit nur im therapeutischen Bereich eingesetzt worden. Hermann Maier war dann einer der ersten, der mit dem Compex-System die Stimulation mit Kniebeugen, also mit einer Bewegung, kombiniert hat.“

Und genau hier setzt auch die von den M.A.N.D.U.-Studios verwendete Bodytec-Technologie an. Mit der Erweiterung allerdings, dass sich das Training hier nicht auf eine Muskelpartie beschränkt, sondern dass mit Oberschenkel, Gesäß, Bauch, Rücken, Brust, Latissimus und Oberarm der Großteil des Körpers abgedeckt wird.

Bleib geschmeidig

Die Wirkungsweise des Elektro-Trainings weist zudem einige Besonderheiten auf. „Zum einem werden die schnellen Muskelfasern sehr gut trainiert und zum anderen geht das Training sehr tief in den Muskel hinein. Es werden dadurch Fasern erreicht, die im herkömmlichen Training nicht angespannt werden“, weiß M.A.N.D.U.-Trainer Philipp Gracher.

Durch diese Verbesserung der intramuskulären Rekrutierung steigt die Leistungsfähigkeit des Muskels, ohne dass der Muskel-Durchschnitt übermäßig anwächst. Für Fußballer, die ihre Wendigkeit nicht verlieren dürfen, ein wichtiger Aspekt.

Die These, dass das Training viel tiefer in die Muskulatur hineingeht, kann Ortlechner vollauf bestätigen. „Oh ja, es ist extrem intensiv“, nickt der Nationalspieler mit großen Augen. „Es geht so tief rein, dass ich es während der Saison kaum machen darf, weil ich es sonst in den Spielen noch spüren würde. Deshalb muss ich es immer mit unserem Kondi-Trainer abstimmen“, so der 32-Jährige.

Großer Gewinn für Verletzte

Abseits der laufenden Saison stellt es für die Spieler eine willkommene Abwechslung zur Kraftkammer dar. „Ein Vorteil ist dabei, dass durch die Elektroden die Stützmuskulatur im Rumpf ganz gezielt angesteuert werden kann“, erklärt Mayer den Nutzen für das Stabilisationstraining, was neben dem Spitzensport auch der Bekämpfung des Volksleidens Rückenschmerzen zugutekommen könnte.

Während der Saison kommt bei der Austria das Elektro-Workout vor allem für Verletzte infrage. „Klarerweise verringert es nicht ihre Verletzungsdauer, allerdings bietet es uns eine super Möglichkeit, auch einen bewegungseingeschränkten Spieler hoch intensiv zu belasten. Sie kommen ohne Kraftverlust und in manchen Fällen sogar mit einer verbesserten Maximalkraft zurück“, so Mayer.

Ein prominentes Beispiel war bei den Violetten Kaja Rogulj. Dank M.A.N.D.U., mit dem die Austria seit knapp zwei Jahren kooperiert, konnte der Kroate trotz eines Bandscheibenvorfalls intensiv trainieren. Mayer ist überzeugt von der Technologie. „Schließlich geht auch meine Frau hierher“, grinst er.

Weitere Einsatzmöglichkeiten denkbar

Obwohl M.A.N.D.U. bereits über 40 Standorte in Österreich verfügt, nimmt die Austria unter den Bundesliga-Klubs hierbei eine Vorreiterrolle ein.

Laut Gracher ist dieser Fitness-Trend bereits in anderen Sportarten groß im Kommen. „Ich trainiere beispielsweise auch mit Golfern, wobei wir da ganz speziell den Golf-Schwung herausgreifen und auch üben“, gibt er einen Einblick, dass das Training auch im koordinativen Bereich eingesetzt werden kann. Während sich Mayer wiederum durch eine Kombination mit einem Spinning-Rad eine Verknüpfung mit einem Ausdauer-Training vorstellen könnte.

Generell dauert eine Einheit zwischen 15 und 20 Minuten, was es zu einem sehr kurzweiligen und Zeit sparenden Workout macht. „Öfter als ein-, zweimal pro Woche sollte man das ohnehin nicht machen, weil aufgrund der Tiefenwirkung die Muskulatur genügend Regenerationszeit braucht“, führt Gracher aus.

Etwas, dass Arnberger nur bekräftigen kann. Insbesondere, wenn „Kumpel“ Ortlechner weiter an der Stromstärke dreht.

Reinhold Pühringer

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