Salzburg: Erstes Pflichtspiel, erste Erkenntnisse

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2:0-Arbeitssieg gegen den Sportklub, eine Runde weiter, Pflicht erfüllt.

Red Bull Salzburg hat den ersten offiziellen Auftritt unter Neo-Trainer Roger Schmidt erfolgreich hinter sich gebracht.

Zwar war vom erfrischenden, schnellen Offensiv-Fußball, wie ihn Schmidt in Paderborn spielen ließ, noch wenig zu sehen – die ersten Erkenntnisse lassen sich aus dem Cup-Auftritt trotzdem ableiten.

  • Erkenntnis 1: Die Philosophie greift noch nicht

Dass viel noch nicht so funktioniert, wie sich Schmidt, aber auch Sportdirektor Ralf Rangnick das vorstellen, ist nicht weiter verwunderlich. Das Duo hat erst vor drei Wochen seinen Dienst angetreten, die Zeit für große Veränderungen war einfach zu knapp. Außerdem benötigt es für einen derart radikalen Philosophie-Wechsel die passenden Spieler. Schmidt muss aber mit einer Mannschaft arbeiten, die noch Vorgänger Moniz zusammenstellte. „Wir probieren, die neue Philosophie umzusetzen, aber immer klappt das natürlich nicht“, weiß Linksverteidiger Andreas Ulmer. Viel Zeit bleibt Schmidt und der Mannschaft allerdings nicht, um schnell auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Schon am Dienstag steht in Düdelange das nächste wichtige Spiel an.

  • Erkenntnis 2: Das Gegenpressing funktioniert schon in Ansätzen

Auch wenn das große Ganze noch nicht so rund läuft: Das Gegenpressing, das Attackieren in der gegnerischen Hälfte nach Ballverlust, hat gegen den Sportklub schon ganz gut funktioniert. Die Außenverteidiger Ulmer und Schwegler standen viel höher als unter Moniz und setzten den Gegner in dessen Hälfte unter Druck. Der ballführende Sportklub-Spieler wurde zudem mit Hilfe eines zentralen Mittelfeldspielers (Leitgeb, Mendes) gedoppelt. „Wir wollen schon vorne den Ball erobern, Druck machen und Überzahl schaffen. Dann ist der Weg zum Tor nicht mehr so weit“, erklärt Ulmer. Dem Sportklub blieb so kaum Luft zum Atmen, ein geordnetes Aufbauspiel war nicht möglich. „Wir wollen aktiv sein, den Gegner permanent fordern. Wir wollen auch im Umschaltspiel schnell sein, darauf setzen wir momentan die Schwerpunkte. Teilweise hat das schon ganz gut funktioniert. Aber wir haben es in der Vorbereitung auch schon besser gemacht“, resümierte Schmidt.

  • Erkenntnis 3: Salzburg braucht einen neuen Leonardo

So umstritten der Brasilianer auch war – zur Schmidt’schen Spielauffassung hätte Leonardo gut gepasst. Der 29-Jährige brachte Tempo und Spielwitz mit und öffnete mit seinen Dribblings viele Räume. Allerdings hat sich das „Enfant terrible“ mit seinem Frontalangriff gegen Teamkollege Stefan Maierhofer selbst ins Aus gedribbelt. Gegen den Sportklub durfte sich Gonzalo Zarate als „Zehner“ versuchen, der Argentinier blieb jedoch bis zu seiner Auswechslung blass und ist mit Sicherheit keine Dauerlösung. Ersatzmann Cristiano machte seine Sache deutlich besser, sieht sich aber mehr als Spielmacher, denn als dynamisch-hängende Spitze. Die könnte Yohandry Orozco sein. Der 1,64m kleine Teamspieler aus Venezuela steht beim VfL Wolfsburg unter Vertrag, hat dort unter Felix Magath aber einen schweren Stand. Die „Wolfsburger Nachrichten“ bringen den 21-Jährigen nun mit Salzburg in Verbindung.

  • Erkenntnis 4: Der Aufbau dauert zu lange

Essentiell für einen Spielstil, wie ihn Schmidt pflegt, sind spielstarke Innenverteidiger. Sie sind im modernen Fußball entscheidend am Spielaufbau beteiligt, sozusagen die erste Station im Angriff. „Schon heute deutet sich an, dass in Zukunft die Innenverteidiger zu Spielmachern werden, weil der entscheidende Impuls zum Spielaufbau oft von ganz hinten kommt“, erklärte Frank Wormuth, Leiter der DFB-Fußballlehrerausbildung, vor kurzem. Ralf Peter, anerkannter Fußball-Pädagoge und seit 2001 beim DFB als Jugend-Bundestrainer tätig, geht noch mehr ins Detail: „Der moderne Innenverteidiger nimmt bei eigenem Ballbesitz aktiv am Spiel teil. Er ist technisch versiert und schafft durch geschicktes Absetzen im Spielaufbau immer wieder Anspielstationen, über die das Spiel verlagert werden kann.“ Bei Salzburg hat das am Freitag gegen den Sportklub mehr schlecht als recht funktioniert. Vor allem Ibrahim Sekagya ist keiner, der viel zum Spielaufbau beiträgt. Martin Hinteregger kann die Pässe in die Tiefe grundsätzlich spielen, ist aber noch zu fehleranfällig. Abhilfe könnte Neuzugang Christopher Dibon schaffen, der auch aufgrund seiner Stärke im Aufbau verpflichtet wurde.

  • Erkenntnis 5: Mendes da Silva blüht auf

Erstmals seit zwei Jahren absolvierte David Mendes da Silva eine Vorbereitung schmerzfrei. Der 29-Jährige hatte seit seiner Ankunft in Salzburg (2010) immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen und konnte deshalb auch nur 51 Pflichtspiele bestreiten. Jetzt, wo er richtig fit ist, zeigt er, warum er seinerzeit im erweiterten WM-Kader der Niederlande stand. Mendes ist ein moderner, spielstarker „Sechser“, der zudem auch Torgefahr ausstrahlt. Mit seiner Übersicht und Präsenz könnte er der erhoffte Stabilisator im Salzburger Spiel sein. Wie wichtig er für Schmidt ist, beweist die Tatsache, dass er trotz des Ärgers wegen des umstrittenen Leonardo-Interviews (Mendes fungierte als Übersetzer) vom deutschen Neo-Trainer zum Kapitän ernannt wurde.

Kurt Vierthaler

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