Präsident geht in die Offensive

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Stadion, Sportdirektor, TV-Vertrag: Alles neu bei Rapid?

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In jeder Krise steckt eine Chance.

Das derzeitige Tief des SK Rapid Wien ist ein kräftiges – damit müsste auch eine große Chance in ihm stecken.

Diese ist bereits ausgemacht. Ein Stadionneubau soll die Grün-Weißen für die kommenden Jahrzehnte in den oberen Rängen des österreichischen Klubfußballs einzementieren.

Das ist aber nicht die einzige gravierende Änderung, die Präsident Rudolf Edlinger im Gespräch mit LAOLA1 ins Auge fasst.

Fan-Reaktion gibt zu denken

Für den langjährigen „Big Boss“ von Rapid sind die Reaktionen der Fans auf den sportlichen Tauchgang beim 0:2 gegen den WAC verständlich. „Es war ein wirklich schlechtes Spiel. Die Reaktion war - wenn ich an frühere Maßnahmen denke – zivilisiert und verständlich, aber auch schmerzvoll. Die Fans erwarten stärkere Leistungen und ich hoffe sehr, dass in nächster Zeit etwas passiert.“

In der oberen Etage im Westen Wiens wird auf jeden Fall etwas passieren: Künftig soll Peter Schöttel ein Sportdirektor zur Seite stehen. Ein Posten, der nach dem Abgang von Alfred Hörtnagl Anfang April 2011 nicht mehr nachbesetzt wurde.

„Wir haben vor eineinhalb Jahren zu kurz gedacht“, bereut Edlinger diese Entscheidung nun. In einer Zeit, in der es sportlich gut läuft, wäre das „zweite sportliche Gesicht“, wie der 72-Jährige den Sportdirektor bezeichnet, aber nicht so wichtig gewesen.

Rapid sucht den Sportdirektor

„Wenn es schlechter läuft, ist der Trainer der einzige, der sich verteidigen kann. Das kann nicht die Aufgabe des Präsidenten sein, dem die fußballerische Qualifikation fehlt“, nennt Edlinger nur eines der Aufgabengebiete des künftigen Sportdirektors.

Das Anforderungsprofil sei aber deutlich weiter gefasst: „Es beinhaltet die Gesamtplanung von U6 bis zur Kampfmannschaft. Der Sportdirektor soll im aktuellen Geschehen im Einvernehmen mit dem Trainer Entscheidungen treffen und durchführen.“

 „Die potenziellen Kandidaten sollen nun Konzepte liefern, dann können wir eine Vorauswahl treffen. Darauf folgt ein Hearing. Bis Weihnachten wollen wir das erledigen“, gibt der einstige Finanzminister die Marschroute aus.

Es geht ums Geld

Im November 2011 wurde den Grün-Weißen von der Stadt Wien eine Subvention in der Höhe von 26,4 Millionen Euro zugesichert – davon sind noch 17,7 Millionen übrig.

„Wir haben am Rande des Praterstadions endlich ein Trainingszentrum von internationalem Format. Überdies können U15 bis U18, die früher in der Südstadt trainieren mussten, nun endlich im Hanappi spielen“, beschreibt Edlinger die zwei großen Ausgabenpunkte.

Mit den verbleibenden Millionen sollte das „St. Hanappi“ ursprünglich saniert und ausgebaut werden. „Alleine die Sanierung übersteigt diesen Betrag aber“, stellt der Präsident klar.

Die Lösung soll nun ein kompletter Neubau auf dem Areal der derzeitigen Heimstätte sein. „In Deutschland gab es Stadionbauten mit etwa unserem Anforderungsprofil, die mit 40 bis 45 Millionen endabgerechnet wurden“, zeigt sich der Ehrenbürger der Stadt Wien optimistisch.

Schon im nächsten Halbjahr will Edlinger Nägel mit Köpfen machen: „Es ist einfacher, für einen Stadionneubau Investoren zu finden, als für eine Sanierung. Wir hatten bereits eine Firma da, die ähnliche Bauprojekte schon in Deutschland durchgeführt hat. Diese hat das Areal optisch begutachtet. Wir werden alles sehr intensiv prüfen und ich gehe davon aus, dass wir bis in das späte Frühjahr eine Entscheidung darüber treffen.“

Änderung am TV-Vertrag?

Nicht nur ein neues Stadion soll in Zukunft Geld in die grün-weiße Kasse spülen, sondern auch ein neuer TV-Vertrag – dessen Verhandlung steht bald wieder an.

„Es gibt in sämtlichen großen europäischen Ligen Aufteilungsmodalitäten, in denen Leistung und Attraktivität eine gravierende Rolle spielen“ – sprich, erfolgreiche und beliebte Vereine bekommen einen größeren Anteil der TV-Gelder.

Das wünscht sich Edlinger auch für die Bundesliga, wenn auch in abgeminderter Form: „Mir erscheint der Österreicher-Topf wichtig, es soll auch einen Sockelbetrag geben. Ich will aber Leistung und Attraktivität als drittes Kriterium und schlage eine Drittel-Teilung in diese Töpfe vor.“ Als Beispiel für die Neuerung führt er die deutsche Regelung an, in der die erzielten Tabellenränge der vergangenen drei Jahre ausschlaggebend sind.

Einzelvermarktung als letzter Ausweg

Sollte sich keine Änderung zugunsten des Wiener Zuschauermagneten ergeben, würde der 72-Jährige auch eine Einzelvermarktung ins Auge fassen: „So würde Rapid weit mehr Einnahmen erzielen.“

Würde der aktuelle Tabellendritte diese Maßnahme ergreifen, könnte ihm aber ein Rechtsstreit ins Haus stehen. Auch dafür hat sich die Hütteldorfer Führungsetage bereits gewappnet: „Wir haben ein Gutachten, dass uns bestätigt, dass die Bundesliga nicht in unsere Vermarktungsrechte eingreifen kann.“

Der bevorzugte Weg wäre jedoch, eine gemeinsame Lösung zu finden. „Aber Solidarität kann keine Einbahn sein“, wie es Edlinger formuliert.

Peter Rietzler / Martin Schauhuber

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