Der Frost erhitzt die Gemüter

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Bundesliga in Aufruhr - Absagen drohen

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Der Winter hat Österreich im Griff. Aber Österreich den Winter nicht so ganz.

Zumindest Fußball-Österreich. Denn Schneemassen und eisige Kälte machen den heimischen Stadien teilweise schwer zu schaffen.

Die Rasenheizungen, soweit vorhanden, laufen auf Hochtouren. Es wird geschaufelt, was das Zeug hält.

Aktuell ist nicht davon auszugehen, dass sämtliche Partien des Frühjahrs-Auftakts wie geplant über die Bühne gehen können.

LAOLA1 hat bei den betroffenen Vereinen nachgefragt und auch Bundesliga-Vorstand Georg Pangl zu den drohenden Absagen interviewt.

Schauplatz Südstadt

Absage-Wahrscheinlichkeit:



Die Südstadt verfügt über keine Rasenheizung, der Platz ist seit Wochen gefroren. Die Schneefälle der letzten Tage waren nur das I-Tüpfelchen. Zuletzt konnte nur in der Halle oder auf Kunstrasen trainiert werden. Bei den Niederösterreichern rechnet man daher mit einer Absage und hofft auch insgeheim darauf, weil man die Sinnhaftigkeit eins Spiels auf gefrorenem Boden anzweifelt. „Wenn wir die Entscheidung treffen müssten, würden wir die Begegnung absagen. Es besteht einfach eine zu große Verletzungsgefahr“, gesteht Manager Alexander Friedl. Die bittere Kälte macht auch Kapitän Christopher Dibon wenig Hoffnung. „Es braucht sicher noch ein paar Tage, bis der Platz ein bisschen aufgeht. Ohne Rasenheizung sehe ich kaum Chancen, dass die Partie ausgetragen wird“, meint der 21-Jährige. Schlussendlich entscheidet aber die Bundesliga, ob gegen Kapfenberg gespielt wird. Am Donnerstag erfolgt um 15:00 Uhr die erste Kommissionierung. „Wir wissen, dass es Terminprobleme gibt, dennoch wünsche ich mir, dass die Liga das Match nicht um jeden Preis durchboxt“, so Friedl.

Schauplatz Generali Arena

Absage-Wahrscheinlichkeit:

Am Verteilerkreis läuft die Rasenheizung bereits seit Ende Dezember. „Im Moment haben wir eine leichte Schneedecke. Aber nur, weil wir uns unnötige Arbeit ersparen wollen. Für Donnerstag ist leichter Schneefall angekündigt, danach wird geräumt“, berichtet AG-Vorstand Markus Kraetschmer. Für Freitag sei bereits ein Schneeschaufler-Trupp bestellt. Auch das Sicherheitsmeeting wurde bereits abgehalten. Alles in allem ist die Austria also gut gerüstet, der Partie gegen die SV Ried steht nichts im Weg. „Wir sind guter Dinge, dass wir am Samstag, um 16 Uhr, planmäßig anpfeifen“, so Kraetschmer.

Schauplatz Wiener Neustadt

Absage-Wahrscheinlichkeit:



Trotz klirrender Kälte ist man in Wiener Neustadt zuversichtlich, dass das Sonntags-Spiel (16 Uhr) gegen Rapid über die Bühne gehen kann. Der letzte Schnee wird noch entfernt, darunter kommt ein harter, aber bespielbarer Boden zum Vorschein. Zumindest, wenn es nach Marketing- und Team-Manager Christoph Ungerböck geht: „Wir sind mit unseren Voraussetzungen - dafür, dass wir keine Rasenheizung haben – auf einem Top-Niveau unterwegs.“ Das Zauberwort heißt Sand. Mehr als 60 Tonnen Quarzsand, der ein vollständiges Gefrieren verhindert, wurden bereits im Dezember eingearbeitet. „Wir werden alles daran setzen, das Spiel stattfinden zu lassen. Wir arbeiten unter Hochdruck.“ Laut Ungerböck steht einem Anpfiff nichts im Wege, eine Vorkomissionierung findet am Donnerstag, um 16 Uhr, statt. Eine Verschiebung mache keinen Sinn, auch wenn die sportliche Komponente mit Sicherheit unter den Bedingungen leide.

Schauplatz UPC-Arena

Absage-Wahrscheinlichkeit: –

„In Graz scheint die Sonne“, frohlockt Sportkoordinator Hans Lang am Mittwoch-Vormittag. In der steirischen Landshauptstadt verrichtet die Rasenheizung bereits seit einigen Tagen ihr Werk. Und das auch nach Plan. „Wir wollen am Freitag das Abschlusstraining im Stadion machen. Das sollte möglich sein“, berichtet Lang. Der planmäßige Anpfiff des Heimspiels gegen den SV Mattersburg (Samstag, 18:30 Uhr) ist anzunehmen. Lang: „Wenn das Wetter keine Kapriolen schlägt, ist eine Austragung gewährleistet.“

Schauplatz Tivoli

Absage-Wahrscheinlichkeit:



In Innsbruck wird es wohl trotz Rasenheizung eine Absage geben. "Wenn die Temperaturen nicht nach oben gehen, und danach sieht es leider aus, dann wird es schwer, das Spiel gegen Salzburg durchzubringen. Bei diesen Temperaturen gibt es mehrere Problemfelder", erklärt Wacker-Geschäftsführer Gerald Schwaninger. Mittlerweile bereiten die zu großen Teilen vereisten Tribünen mehr Kopfzerbrechen, als das schneebedeckte Spielfeld. "Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber den Zuschauern und den Menschen, die im Stadion arbeiten müssen. Es ist so kalt und alles zugefroren, dass man die Sicherheit kaum gewährleisten kann", so Schwaninger.

Einige Diskussionen

Dass ausgerechnet in Innsbruck, wo eine Rasenheizung eingebaut ist, voraussichtlich nicht gespielt werden kann, stößt auf wenig Verständnis.

„Wo die Rasenheizung funktioniert und richtig eingesetzt wird, passt das auch. Deswegen ist der Fall Innsbruck etwas ärgerlich. Ich sehe das nur aus der Distanz, aber da muss man rechtzeitig reagieren“, meint Austrias AG-Vorstand Markus Kraetschmer.

"Weit fahrlässiger, als bei uns"

Wiener Neustadts Christoph Ungerböck erklärt: „Wenn es im Fall von Innsbruck diesmal nicht funktioniert hat, dann ist das aus meiner Sicht weit fahrlässiger und eher zu hinterfragen, als die Situation bei uns.“

Sturms Hans Lang ist ein wenig ratlos: „Ich weiß nicht, warum und wieso das passieren kann.“

"Da werde ich richtig sauer!"

Die Tiroler nehmen die Kritik der Konkurrenz nicht gerade wohlwollend auf. Damit konfrontiert, reagiert Wackers Gerald Schwaninger eingeschnappt: „Sie sollen sich in Wien um ihre Probleme kümmern und uns mit solchen Dingen in Ruhe lassen. Da werde ich nämlich richtig sauer.“

LAOLA1: Dem Bundesliga-Start am Wochenende drohen Absagen. Während die Spiele in Wien (Austria-Ried) und in Graz (Sturm-Mattersburg) gesichert scheinen, gibt es bei den anderen drei Klubs  große Sorgen…

Georg Pangl: Wir sitzen alle in einem Boot. In Innsbruck, Wr. Neustadt und Maria Enzersdorf wird größtes Bemühen an den Tag gelegt. Bis zur Kommissionierung am Donnerstag wird alles Menschenmögliche unternommen. Man wird sehen, ob bereits morgen eine Entscheidung ad hoc gefällt wird, oder wenn eine Chance besteht, dass man spielen kann, es möglicherweise am Spieltag noch eine Kommissionierung geben wird.

LAOLA1: Manche Klubs machen sich Gedanken über die Sinnhaftigkeit einer Durchführung bei gefrorenem Boden. Sie fürchten um die Gesundheit ihrer Spieler. Hat auch die Bundesliga Bedenken?

Pangl: Natürlich. Wenn der Bundesliga-Beauftragte den Platz begutachtet, hat er,  auch die Verletzungsgefahr im Hinterkopf. Das ist ein Muss. Auch die Sicherheit der Zuschauer im Umfeld muss gewährleistet sein. Wir wollen sicher nicht mit aller Gewalt eine Entscheidung zu Gunsten einer Austragung fällen. Im Gegenteil, wir werden alle Aspekte berücksichtigen. Sobald die Verletzungsgefahr zu groß ist, wird es vom Kommissionär, der meistens ein Ex-Schiedsrichter ist, kein grünes Licht geben.

LAOLA1: Das heißt, die Liga übt aufgrund der Terminproblematik keinen Druck auf die Vereine aus?

Pangl: Die Terminproblematik ist eine eigene. Fakt ist, dass die Entscheidung des Bundesliga-Beauftragten in keinster Weise beeinflusst wird. Wenn tatsächlich nicht gespielt werden kann, werden bzw. müssen wir einen Ersatztermin finden. In diesem Fall müssen wir bei der UEFA wegen eines Termins unter der Woche anfragen, da während der Champions-League bzw. Europa-League kein Meisterschaftsspiel parallel ausgetragen werden darf. Es ist aber leichter, ein, zwei Spiele unterzubringen, als eine ganze Runde. Da in Wien und Graz wohl gespielt wird, ist es nicht ganz so schlimm. Wenn es also Absagen gibt, werden wir diese im März an einem Dienstag oder Mittwoch nachholen.

LAOLA1: In Innsbruck gibt es neben den Problemen am Rasen auch Schwierigkeiten im Stadion. Haben Sie schon nähere Infos, ob tatsächlich mehrere Tribünenbereiche gesperrt werden müssen?

Pangl: Das kann sein. Wackers Klubmanagement-Leiter Gerald Schwanninger hat mich informiert, dass sehr viele Bereiche vereist sind und nach aktuellem Stand gesperrt werden müssen. Das Thema ist aber auch ein Fall für die Behörden. Wenn man zur Auffassung kommt, mit dem restlichen Teil der Tribüne die erwarteten Zuschauer unterzubringen, ist es gut. Wenn dem nicht der Fall ist, würde die Behörde das Spiel wahrscheinlich absagen.

LAOLA1: Wacker und Salzburg hätten gerne das Heimreicht getauscht. Warum hat die Liga ein Veto eingelegt?

Pangl: Weil sich die Klubs einstimmig geeinigt haben, einen Platztausch nicht mehr zuzulassen. Im Vorjahr wollten Rapid und Wr. Neustadt tauschen. Red Bull Salzburg war damals strikt dagegen. Es wäre eine Verzerrung der Meisterschaft, weil Rapid dann mehr Heimspiele, als die anderen im Herbst hätte und bei Siegen einen Vorteil hätte. Es kann daher nicht sein, dass ein Beschluss, der einstimmig gefasst wurde, abgeändert wird, nur weil es jetzt dem jeweiligen Verein gerade passt.


Harald Prantl/Martin Wechtl/Kurt Vierthaler/Alexander Karper

Für den Innsbrucker Clubmanagement-Leiter sind die Verhältnisse im Westen mit jenen im Osten nämlich nicht vergleichbar: „Darum sind wir in Tirol und haben Skilifte, während sie in Wien keine haben. Die Wiener haben auch keine Berge und sollten lieber vor ihrer eigenen Stadiontüre kehren. Man muss nur logisch denken. Sie können auch gerne nach Innsbruck kommen und sich die Situation anschauen. Wir arbeiten seit zehn Tagen wie die Berserker, da will ich so einen Schmutz nicht hören.“

Geht es auch ohne Rasenheizung?

Ebenfalls für Diskussionen sorgt der Umstand, dass immer noch nicht alle Bundesliga-Spielstätten mit einer Rasenheizung ausgestattet sind. „Wir stoßen jedes Jahr auf die gleichen Probleme. Man muss im Februar einfach damit rechnen, dass Schnee fällt und der Boden gefroren ist. Die Voraussetzungen bei den Vereinen sind aber nur zu 50 Prozent gegeben“, sagt Lang.

Kraetschmer: „Das kostet viel Geld. Bei uns sind das etwa 1000 Euro pro Tag, wenn die Rasenheizung läuft. Aber eine Absage kostet auch Geld. Wenn man in so einem Bewerb mitspielt, muss man in den sauren Apfel beißen und diese Kosten auf sich nehmen.“

Ungerböck erklärt anhand des Innsbrucker Beispiels: „Dann ist die Frage, ob die Rasenheizung das Allheilmittel für solche Witterungsbedingungen ist. Wir haben uns darauf eingestellt und wussten schon im Dezember, dass die Chance besteht, den Platz sehr gut herzurichten und die Voraussetzungen fürs Frühjahr zu schaffen. Wir sehen die Aufgabe relativ lösbar.“

Kritik an der Admira

Der Wiener Neustädter, der sich mit der Quarzsand-Lösung überaus zufrieden zeigt, stichelt in Richtung Südstadt: „Andere haben die Chance offensichtlich nicht genützt, so wie die Admira, wenn Kühbauer einen Kommentar loslässt, dass er nicht Beachsoccer spielen möchte.“

„Dann muss man schon sagen, dass man es den Platzwarten überlassen muss, wie sie das Grün am besten in den Griff kriegen und nicht den Trainern. Da liegen die Aufgaben woanders.“

Trotz der eisigen Kälte sind die Gemüter der Bundesligisten sichtlich erhitzt. Und was sagt man in Hietzing, wo die Bundesliga-Zentrale steht, dazu? LAOLA1 hat Vorstand Georg Pangl fünf Fragen gestellt.

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