Drazans "Wiederauferstehung" bei Rapid

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Totgesagte leben bekanntlich länger. Diese Redewendung kann auch im Fall von Christopher Drazan strapaziert werden.

Was musste sich der 21-jährige Mittelfeldspieler im vergangenen Frühjahr für Kritik gefallen lassen?

Zu berechenbar waren seine Aktionen, zu erschreckend seine Körpersprache. Doch der Wiener richtete sich in der Vorbereitung wieder auf.

Beim 4:0-Auftakterfolg Rapids gegen Wacker Innsbruck stellte der Youngster eindrucksvoll unter Beweis, dass mit ihm auch weiterhin zu rechnen ist – und beendet gleichzeitig das Rätselraten um seine Zukunft.

Drazan beendet Wechsel-Spekulationen

„Ich habe bei Rapid noch einen Vertrag bis 2013 und werde hier bleiben“, zieht Drazan im Gespräch mit LAOLA1 einen Schlussstrich unter alle Wechsel-Spekulationen.

Der deutsche Bundesliga-Absteiger Kaiserslautern zeigte lange Zeit Interesse, bei Rapid ging aber kein konkretes Angebot für den Flügelflitzer ein.

Bereits im Testspiel gegen AS Roma überzeugte der Sohn der ehemaligen Austria-Legende Fritz Drazan mit Tempo-Dribblings, Übersicht und gut getimten Flanken.

An diese Leistung schloss er gegen Wacker nahtlos an und zeigte sich im Vergleich zu vergangenen Jahren im Spiel nach hinten sichtlich verbessert.

„Wiederauferstehung“ überraschte selbst Schöttel

„Man spielt immer nur so gut, wie die Mannschaft ist. Wir haben Selbstvertrauen und als Mannschaft einen super Fußball gespielt“, gibt Drazan nach dem Spiel das Lob für seine Leistung an das Team weiter.

Selbst Trainer Peter Schöttel zeigte sich von der „Wiederauferstehung“ seines Schützlings überrascht, will aber nicht unbedingt Ursachenforschung betreiben.

„Jetzt gelingt ihm sehr viel. Jetzt ist der Fall eingetreten, dass die Gegner wissen, wie er spielt. Aber er ist im Moment physisch so stark, dass das ganz egal ist. Er kommt vorbei, legt Tore auf und erzielt welche.“

Am ehesten vorstellen kann sich der Trainer, dass das Ziel Ausland einen gewissen Druck auf Drazan ausgeübt hat, mit dem dieser nicht zurechtgekommen ist.

 „Vielleicht war das im Frühjahr der Grund, der ihn gehemmt hat. Vielleicht hat er gemeint, er muss spielen um den Sprung ins Ausland zu schaffen.“

„Wir suchen und finden uns“

Die neue Ausrichtung und Variabilität kommt Drazans Spiel entgegen, da er so noch mehr Freiräume genießt und sich nicht nur auf der Seite sondern auch zentral einschalten kann.

„Wir spielen offensiver und variabel. Wir haben nicht immer dasselbe Spiel. Wir haben uns fußballerisch gegenüber dem letzten Jahr sicher gesteigert. So kann es weitergehen“, überwiegt bei Drazan die Freude über den gelungenen Start.

Auffallend gut harmoniert der Linksfuß mit Neo-Stürmer Terrence Boyd. Die beiden Offensivspieler legten sich gegenseitig jeweils einen Treffer auf und traten immer wieder gefährlich in Erscheinung.

„Wir suchen und finden uns, auch im Training. Wir reden viel miteinander und es funktioniert im Moment. Er ist ein richtiger Strafraumstürmer, man sieht seine Qualität vor dem Tor“, streut Drazan seinem Kollegen Rosen.

„Blindes Verständnis“ mit Boyd

Dieser gibt das Lob postwendend zurück. „Was der für Flanken bringt, ist echt stark. Er bringt die mit einer richtigen Schärfe und Effet. Wir harmonieren echt gut.“

Schon in der Vorbereitung wurde dem Neo-Stürmer mitgeteilt, dass Drazan gerne Bälle auf den zweiten Pfosten bringt.

Gegen Wacker klappte es aber auch mit einer Hereingabe aufs kurze Eck. Auf dem Platz ist beim neuen Erfolgs-Duo „blindes Verständnis“ zu erkennen.

Auch sonst sind die beiden 21-Jährigen auf einer Wellenlänge, wie Drazan bestätigt. „Terrence hat sich super in die Mannschaft eingefügt. Er ist ein leiwander Typ und wir werden noch viel Spaß mit ihm haben.“

Keine Nachlässigkeiten erlaubt

Trainer Schöttel führt Drazans Leistungssteigerung auch deshalb auf das Zusammenspiel mit dem US-Boy zurück.

„Für ihn war es wichtig, dass ein Stürmertyp wie Boyd geholt wurde. Terrence weiß, wie viele Tore Christopher Maierhofer und Jelavic aufgelegt hat. Für Drazan ist es einfacher, wenn ein kopfballstarker Spieler den Prellbock spielt, als ein Burgstaller oder Alar, wo wir die Bälle durchstecken.“

Für den dreimaligen ÖFB-Teamspieler geht es nun darum, seine gute Form zu konservieren. Denn die Konkurrenz schläft nicht.

Mit Lukas Grozurek scharrt der schärfste Konkurrent auf der linken Außenbahn bereits in den Startlöchern. Doch davon wird sich „Fritz“, wie er aufgrund seines Vaters liebevoll genannt wird, nicht aus der Ruhe bringen lassen.


Alexander Karper

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