Kühler Kopf, heißes Herz und Lob für Derby-Gegner

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Das 314. Wiener Derby steht unter besonderen Vorzeichen.

Erstmals seit knapp acht Jahren – genauer gesagt, dem 25. November 2007 – bestreiten Austria und Rapid im Wiener Derby das Duell Erster gegen Zweiter.

Damals führten die Favoritner nach 19 Runden, die Grün-Weißen wurden am Ende der Saison jedoch letztmals Meister. Diesmal hat Rapid nach drei Spieltagen mit makelloser Bilanz die Nase vorne.

Der Kampf um die Nummer eins in Wien steht aber auch unter neuen Vorzeichen. Denn während Zoran Barisic vor seinem bereits elften Derby als Rapid-Chefcoach steht, debütiert Thorsten Fink auf der Austria-Betreuerbank.

„Ein richtiges Derby, innerhalb einer Stadt“

„Es ist für beide Mannschaften ein wichtiges, besonderes Spiel – ein richtiges Derby, innerhalb einer Stadt, während BVB gegen Schalke ein Duell zwischen zwei Städten ist. Ich habe selbst einige Derbys gespielt und weiß, was das bedeutet“, freut sich der 47-jährige Deutsche auf seine Premiere in Österreich.

Mit zwei Siegen und einem Remis ist auch die Austria gut aus den Startlöchern gekommen und präsentiert sich im Gegensatz zum Vorjahr von einer ganz anderen Seite.

Fink selbst hat noch nicht viele Vergleichswerte. Der gebürtige Dortmunder kennt jedoch zwei Kontrahenten aus gemeinsamen Zeiten bzw. als Gegner.

Mit Co-Trainer Carsten Jancker spielte der FAK-Coach zwischen 1997 und 2002 beim FC Bayern zusammen, Sportdirektor Andreas Müller kreuzte mit ihm als Gegner im Trikot von Schalke 04 die Klingen.

„Rapid ist im Moment voraus“

„Fink war einer, der gerne ausgeteilt hat, und ich bin ihm da um nichts nachgestanden“, lächelte Müller, der von dessen Trainer-Fähigkeiten durchaus überzeugt ist.

Möglicherweise ist die Stimmung vor dem Aufeinandertreffen der Wiener Erzrivalen deshalb so friedlich. Denn von beiden Seiten wird der Gegner mit Lobeshymnen überschüttet.

„Wir wissen, dass Rapid im Moment sehr gut drauf ist. Sie haben auch international hervorragende Arbeit für Österreich geleistet. Aber wir sind auf einem guten Weg und werden uns nicht verstecken“, kündigt Fink an.

Diese Meinung muss selbst Ur-Austrianer und Sportdirektor Franz Wohlfahrt teilen, der den Gegner aufgrund der Eingespieltheit und aktuellen Form sogar im Vorteil sieht.

„Es ist schon zu sehen, dass Rapid im Moment von den Möglichkeiten und Leistungen her voraus ist. Sie haben im Europapokal hervorragend gespielt. Aber trotzdem – das wissen wir aus den Derbys – kann man vor einem Derby alle Bilanzen wegschmeißen.“

Ungewohntes, gegenseitiges Lob

Die Stärken des Gegners sind bekannt, trotzdem verweist der Trainer auf eigene Qualitäten, die es abzurufen gilt, Schnelligkeit, Ball halten, usw.

Diese kamen bisher schon ganz gut zum Tragen, auch wenn Fink betont, dass auch viele Fehler begangen wurden und noch viel Arbeit vor der Austria liegt.

Dass sich beide Wiener Traditionsklubs in guter Frühform befinden und die Tabelle anführen, freut auch Rapids Sportdirektor Müller.

„Es ist klasse, dass die Austria auch gut gestartet ist. Dass beide Wiener Klubs vorne mitspielen, ist wichtig für die Liga.“

Veränderte Austria schwer einzuschätzen

Im grün-weißen Lager ist man vor dem Gegner gewarnt. Auch wenn sich die Violetten über den Sommer komplett neu aufgestellt haben und laut Barisic schwer einzuschätzen sind.

„Sie haben einige neue Spieler und natürlich den neuen Trainer. Im Team sind sicherlich eine neue Energie und andere Vorstellungen. Sie sind spielerisch stark, haben viel Qualität – aber das hatten sie davor auch schon.“

Der Ausfall der kompletten Innenverteidigung mit dem verletzten Richard Windbichler und dem gesperrten Lukas Rotpuller könnte ein Vorteil sein. Vor allem, da sich diese beiden zusammen mit Raphael Holzhauser bisher um den Spielaufbau bei der Austria kümmerten.

„Wir wissen, dass Holzhauser für den Spielaufbau sehr wichtig ist, vor allem über links. Wir werden versuchen, ihn daran zu hindern und sie nicht in den Rhythmus kommen zu lassen“, plant Barisic.

Die Entscheidung fällt wohl über die Flügel

Vor allem könnte das Spiel jedoch über die Flanken entschieden werden, wo die Austria mit Larry Kayode und Alexander Gordon sowie Rapid mit Florian Kainz und Louis Schaub bzw. Philipp Schobesberger individuell starke Offensivwaffen besitzt.

„Das ist uns auch aufgefallen“, scherzt Fink, angesprochen auf Rapids Flankenflitzer. Wir haben aber auch flinke Außenspieler. Zudem hat Fabian Koch schon andere gute Spieler ausgeschaltet und Christoph Martschinko weist starke Zweikampf-Werte auf. Wir können sie also aus dem Spiel nehmen und wollen sie selber defensiv beschäftigen.“

Rapids schlechte Halbzeiten gegen Ajax und den WAC wurden natürlich registriert. Torhüter Robert Almer, der die jungen und neuen Spieler auf ihr erstes Derby einschwören will, kündigt deshalb an: „Das wird ein heißer Tanz.“

Während Fink mit großer Vorfreude betont: „Wir müssen kühlen Kopf und heißes Herz haben.“ Heiß wird es definitiv, alleine schon der Temperaturen wegen, die aufgrund der Abendpartie aber niemand als Ausrede gelten lassen will.

„Verlieren ist im Derby nicht“

Für Rapid geht es vor allem darum, dass das Team trotz der Strapazen der letzten Wochen auf dem Level bleibt und stets weiterentwickelt wird.

Das Selbstvertrauen und die breite Brust sind definitiv vorhanden, um die Siegesserie in der Liga fortzusetzen. Dementsprechend zufrieden sieht Müller die Entwicklung.

„Die Mannschaft ist insofern gereift, dass sie immer hungrig bleibt. Mich persönlich hat der Sieg gegen den WAC am meisten gefreut, weil es ein dreckiger Sieg war, aber der Wille da war. Das hat etwas mit Hunger, Mentalität und Charakter zu tun. Ich denke, dieser Hunger wird über die ganze Saison hinweg anhalten.“

Während Barisic ankündigt, unbedingt mit einem Sieg in der Generali-Arena heimfahren zu wollen, gibt sich Fink zurückhaltender.

„Ich weiß, was es für Fans bedeutet, ein Derby zu verlieren. Man muss auf jeden Fall alles geben, dann darf man auch in einem Spiel unterliegen. Verlieren ist aber im Derby nicht. Deswegen wollen wir alles tun, damit unsere Fans zufrieden nach Hause gehen.“


Alexander Karper

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