Der einstige Shootingstar ist erwachsen geworden

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Am Samstag wird Daniel Beichler wieder dieses mulmige Gefühl im Bauch haben.

Als Gegner in die UPC-Arena, seinem einstigen Wohnzimmer, zu kommen, ist für den Ried-Profi nach wie vor ungewohnt.

Immerhin verbrachte Beichler 14 seiner 23 Lebensjahre beim SK Sturm.

Mit dem Wechsel begann die Odyssee

„Ich bin Grazer, neben der ‚Gruabn‘ aufgewachsen und seit jeher Sturm-Fan. Da hast du natürlich eine ganz andere Verbindung zum Verein.“

Doch im Sommer 2010 beendete Beichler diese erfolgreiche Verbindung.

Der Wechsel zum damaligen Zweitligisten Hertha BSC Berlin schien der Lohn für eine starke Saison zu sein, die letztlich vom Cupsieg gekrönt wurde.

Aber sein zweiter Auslandstransfer – 2007 versuchte es Beichler kurz bei Reggina – war nicht der erhoffte Startschuss für eine große Karriere, sondern der Anfang einer mehr als einjährigen Leidenszeit.

„Man sieht, wem man in schwierigen Zeiten vertrauen kann“

Verletzungen, Krankheiten und Leihgeschäfte pflasterten zwölf Monate seinen Weg.

Über St. Gallen und Duisburg landete Beichler schließlich im Innviertel, wo er langsam zu alter Stärke zurückfindet.

„Ich kann meinen Körper jetzt viel besser einschätzen. In so einer schwierigen Phase, wie ich sie durchlebt habe, ist natürlich alles schrecklich. Im Nachhinein nimmst du aus so einer Zeit viel mit.“

Zum Beispiel, dass man in punkto Umfeld vorsichtig sein muss. „Man sieht, wem man in schwierigen Zeiten vertrauen kann.“

Viel an Reife gewonnen

Beichler hat aber auch viel über sich selbst gelernt.

Der einstige Shootingstar ist erwachsen geworden und hat auch abseits des Platzes durch seine Vater-Rolle Verantwortung übernehmen müssen.

„Ich habe sportlich und privat große Fehler gemacht, war jedoch immer der Meinung, dass die anderen schuld sind“, zeigt sich der fünffache ÖFB-Teamspieler geläutert.

Nun haben Sohn Luca und der Fußball höchste Priorität. „Der Kleine braucht mich, da ist kein Platz für irgendwelche Dummheiten. Solche Dinge sind auch gar nicht mehr in meinem Kopf.“

Wie geht’s weiter?

Dafür kreisen in seinem Kopf nun viele Gedanken über die Zukunft.

Im Sommer müsste Beichler nach aktuellem Stand wieder nach Berlin, wo er noch Vertrag bis 2014 hat, zurück.

„Mein Berater steht schon in Kontakt mit der Hertha, aber davon will ich jetzt eigentlich noch nichts wissen. Die Situation in Berlin ist ja noch ziemlich unklar. Wichtig ist für mich, wer bei der Hertha Trainer wird und ob dieser auf mich baut.“

Wunsch nach Sesshaftigkeit

Eines ist für den Offensiv-Allrounder aber klar: Mit den ständigen Wechsel-Spielchen soll endgültig Schluss sein.

„Das interessiert mich überhaupt nicht mehr. Das war nie mein Plan. Ich bin auch eigentlich überhaupt nicht der Typ dafür, sondern brauche immer eine gewisse Zeit, bis ich mich eingelebt habe. Entweder geht es im Sommer wieder nach Berlin zurück oder ich wechsle woanders hin und bleibe dort für ein paar Jahre.“

Wie wär’s mit einer Rückkehr zu Sturm? „Das ist immer ein Thema, aber ob und wann das ist, lässt sich schwer sagen.“

Am Samstag wird Beichler immerhin für 90 Minuten an die Stätte seiner schönsten Erinnerungen zurückkehren.

Kurt Vierthaler

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