Das Rätsel

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Die Situation ist nicht neu. Dare Vrsic kennt sie. Er hat sie so ähnlich schon einmal erlebt.

„Das war eine Katastrophe, richtig schlimm für mich“, erinnert sich der Austrianer an seine Zeit in Rumänien.

Mit großen Ambitionen sei er im Sommer 2007 zu Politehnica Timisoara gekommen. Gerade einmal sechs Ligaspiele hatte der Slowene absolviert, als er sich den Fuß brach. „Die erste Operation ist nicht gut verlaufen, ich musste erneut unters Messer. Dann war ein anderer Trainer da und es ist gar nicht mehr gelaufen“, sagt er.

Während einer zwischenzeitlichen Leihe in der Heimat beim FC Koper fand der Mittelfeldspieler aus dem Tief, nach der Vertragsauflösung und der Unterschrift bei Olimpija Ljubljana kam ein richtiges Hoch. „Da haben für meine Familie und mich gute Zeiten begonnen“, so Vrsic.

Das Selbstvertrauen ist weg

Vor allem die vergangene Saison war ein Traum. 22 Tore und neun Assists in 34 Spielen machten den Blondschopf zum Schützenkönig, Topscorer und Spieler der Saison.

Doch der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Wer den 28-Jährigen ein halbes Jahr später beobachtet, sieht nicht mehr den Superstar der slowenischen Prva Liga. Alleine die Körpersprache verrät: Irgendetwas stimmt hier nicht. Die Schultern hängen, das Training wird eher lethargisch absolviert.

„Für einen Spieler wie mich ist Selbstbewusstsein sehr wichtig. Das habe ich nicht, weil ich kaum gespielt habe“, sagt Vrsic mit gedämpfter Stimme.

"Der Druck war groß"

So war das gar nicht geplant. Als er im Sommer zu Austria kam, rechnete man in Wien damit, dass er in der violetten Offensive künftig den Takt angibt. Er sollte Nacer Barazite und Zlatko Junuzovic, die im völlig verkorksten Frühjahr so schmerzlich vermisst wurden, endlich vergessen machen. Die Fans sahen in ihm den neuen Heilsbringer.

„Natürlich habe ich die hohen Erwartungen mitbekommen. Vielleicht war das ein Problem, weil der Druck so groß war“, so der Slowene 13 Meisterschaftsspiele, in denen er keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte, später.

Kein einziges Tor, nur zwei Assists, in den letzten zehn Spielen vor der Winterpause fünf Mal 90 Minuten lang auf der Bank.

"Ich war immer verletzungsfrei"

„Fakt ist, dass er sich selbst und auch wir uns weit mehr von ihm erwartet hätten“, bringt es Trainer Peter Stöger auf den Punkt.

Die Frage nach dem Warum beschäftigt Spieler wie Trainer und Fans. „Ich glaube nicht, dass es an der Qualität liegt“, meint Vrsic. Damit steht er nicht alleine da. Alle Mitspieler bescheinigen ihm, ein ausgezeichneter Fußballer zu sein.

„Außerdem war ich immer verletzungsfrei, hatte nur eine Woche lang Probleme mit dem Knie, danach war das wieder erledigt“, schließt der Mittelfeldmann den nächsten möglichen Grund aus.

"Ich denke viel darüber nach"

Es hat fast den Anschein, als ob es mittlerweile zu einem mentalen Problem geworden ist. „In den ersten Spielen hatte ich einige gute Chancen, aber ich hatte kein Glück“, erinnert sich der 13-fache Internationale.

Dann ging es nach und nach bergab. Und Vrsic kam ins Grübeln: „Ich denke viel darüber nach, was das Problem ist, warum ich nicht an meine vorigen Leistungen anschließen kann.“ Zu viel? „Möglich.“

"Der Knopf kann schnell aufgehen"

Stöger dazu: „Das größte Problem ist, dass er mit sich nicht zufrieden ist, dass er selbst mit sich hadert. Da können wir ihm gut zureden, aber das Gefühl wird er nur dann los, wenn er merkt, dass sich für ihn etwas zum Guten entwickelt.“

Der Spieler selbst sieht es ähnlich: „Natürlich kann der Knopf bei einem guten Spiel sehr schnell aufgehen. Wenn ich ein, zwei Mal treffe, geht alles viel leichter.“

Doch wie kommt der Austrianer, der mit seiner Familie in Himberg lebt, spielerisch aus diesem Loch?

„Er ist kein quirliger, kein extrem schneller Spieler. Aber er ist ein Spieler mit Passqualität. Er muss sich auf der Position, die er bei uns inne hat, eben so frei machen, dass er in solche Situationen kommt. Wenn ihm das nicht gelingt, werden wir uns alle miteinander weiter fragen, warum es nicht so klappt, wie wir uns das erhoffen“, erklärt der FAK-Coach.

"Ich habe nichts mehr zu verlieren"

Es hat den Anschein, als ob Vrsic diese quälende Frage nach dem Warum leid wäre. Er will sie sich nicht mehr stellen. Er will sie nicht mehr gestellt bekommen.

Drei Wochen lang hat er in der Winterpause mit seiner Familie in der Heimat ausgespannt. Weg vom Fußball, weg vom Alltag.

Und da ist auch wieder Hoffnung. „Jetzt bin ich frei im Kopf. Ich habe nichts mehr zu verlieren. Ich glaube, dass ich im Frühjahr besser sein werde“, sagt er.

Auch das kennt Dare Vrsic. Er war nicht nur schon einmal am Boden, er ist auch schon einmal wieder aufgestanden. Und war danach stärker als zuvor.

Harald Prantl

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